Vater Unser …
Das Vaterunser ist das wichtigste Gebet der Christen. Jesus selbst hat es gelehrt. Bruder Marinus Parzinger erläutert anhand der Anreden und Bitten in loser Folge Inhalt und Wirkung des Vaterunsers. Die achte und letzte Folge.
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"Sondern erlöse uns von dem Bösen"
Der Evangelist Matthäus erweitert den Satz des Lukas: Führe uns nicht in Versuchung, „sondern erlöse uns von dem Bösen“ – ein Nachsatz zur sechsten Bitte. Wir beten „um die geistliche Kraft der Unterscheidung und um das Vertrauen, dass Gottes Macht sich an uns als stärker erweist als die Macht des Bösen.“ (Köster)
Erweitert und deutend können wir auch sagen:
Erlöse uns von dem, was uns den Durchblick verwehrt, was uns im Vordergrund stecken bleiben lässt, was uns von Gott wegbringt.
Wovon wollen wir erlöst werden? „Die neue Übersetzung des Vaterunsers sagt, ‚vom Bösen‘ und lässt damit offen, ob, das Böse‘ oder ‚der Böse‘ gemeint ist. Beides lässt sich letztlich nicht trennen.“ (Benedikt XVI.)
In der Offenbarung des Johannes zeigt sich die konkrete Bedrohung für die religiöse Praxis Einzelner durch die römische Staatsmacht, den Totalanspruch auf den Menschen (durch Kaiserkult).
Heute sind es die „Mächte des Marktes, des Handels mit Waffen, mit Drogen und mit Menschen, die auf der Welt lasten und die Menschheit in Zwänge hineinreißen, die unwiderstehlich sind“. Es ist „die Ideologie des Erfolgs, des Wohlbefindens, die uns sagt: Gott ist nur eine Fiktion, er nimmt uns nur Zeit und Lust des Lebens weg. Kümmere dich nicht um ihn! Suche allein, vom Leben so viel zu erhaschen, wie du kannst. Auch diese Versuchungen scheinen unwiderstehlich.“ (Benedikt XVI.)
Am Schluss des Vaterunsers bitten wir, „dass uns der Glaube nicht entrissen wird, der uns Gott sehen lässt, der uns mit Christus verbindet. Darum bitten wir, dass wir über den Gütern nicht das Gut selbst verlieren; dass uns auch im Verlust von Gütern das Gute, Gott, nicht verlorengeht; dass wir nicht verlorengehen“. (Benedikt XVI.)
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Darüber hinaus gibt es nichts mehr zu erbitten. Zu aller Zeit haben die Beter die Bitte weiter gefasst und um Befreiung in den Drangsalen der Welt gebeten.
„Wovon wir erlöst werden sollen, sind die schlimmen Realitäten dieser Welt, nämlich Streit, Unfriede, Hass, Gewalt – Gegenpole des Friedens!“ (G. Lohfink)
In der Liturgie wird die Bitte fortgeführt und vertieft. Er möge die vielen leidenden Menschen und Völker aufatmen lassen und sie von der Last befreien, die ihr Leben fast unerträglich macht. Das heißt, es möge sich im Kommen des Herrn vollenden, was wir bei jeder Feier der Eucharistie vorwegnehmen.
Am Ende der Vaterunser-Betrachtung staune ich über den Gehalt dieses Gebetes, das wir so oft gedankenlos beten.
„Das Gebet des Herrn ist ein Grundtext, der helfen kann, die Liebe Gottes zu entdecken und so sich ins Beten hineinzutasten.“ (Köster)



