Vater Unser ...
Dass Vaterunser ist das wichtigste Gebet der Christen. Jesus selbst hat es gelehrt. Bruder Marinus Parzinger erläutert anhand der Anreden und Bitten in loser Folge Inhalt und Wirkung des Vaterunsers.
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"Geheiligt werde dein Name"
Niemand mag es, wenn der eigene Name verunglimpft wird. Wessen Ruf geschädigt wird, der setzt sich zur Wehr. Jeder will seinen guten Namen bewahren. Denn der Name gibt Würde. In Lagern der Nazis oder anderer Diktaturen wurden Menschen zu Nummern, sie wurden entwürdigt.
Der Name ist mehr als eine Bezeichnung. Er meint die Person mit allem, was sie ausmacht. Wer den Namen der Gottheit kennt, hat Macht über ihn – so lässt sich in der Religionsgeschichte erkennen: Der Gott der Bibel ist anders. Der Gott Israels offenbart sich als „Ich bin, der ich bin“. Aus Ehrfurcht wird sein Name nicht ausgesprochen.
Gott offenbart sich als „Ich bin, der ich bin“
Die Bibel zeigt Gott als bleibendes Geheimnis. Er ist unbegreiflich und bleibt unfassbar. Doch in Jesus Christus hat er sich gezeigt, wie er ist. Er ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren war. Er will Leben in Fülle schenken.
Es ist zu wenig, wenn wir sagen, dass Gott existiert. Es gehört dazu, wer er ist: Er ist für uns da, er selbst erweist sich als heilig. Hinter der „Heiligung des Namens“ steht die Stelle aus Ezechiel 36 (lesen Sie bitte selbst nach). Dort ist vom Namen Gottes die Rede und dass Gott selbst handelt. Sonst ist es der Mensch, der Gottes Namen nicht verunehren soll (2. Gebot): „So spricht Gott, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Völkern entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen ... werde ich wieder heiligen.“ (Ez 36,22f)
Der Gedankengang: Das erwählte Volk lebt an den Regeln Gottes vorbei und entweiht so seinen Namen.
Eine Gesellschaft, die ständig gegen die Schöpfungsordnung Gottes lebt, zerstört sich selbst.
Israel wird unter die Völker zerstreut. Alle Welt spottet über dieses Volk und seinen Gott, der nicht für sein Volk sorgt. Er ist ein Gott ohne Volk.
Gott greift ein, um seinen Namen zu heiligen. Er sammelt das Volk und führt es zurück in das Gelobte Land und wandelt die Gesinnung der Menschen. Er schenkt ein neues Herz (mitfühlend, barmherzig) und einen neuen Geist. Die Gemeinschaft blüht auf. Die Völker erkennen, wer Gott ist, und geben ihm Ehre. Sein Name ist geheiligt.
Die erste Bitte des Vaterunsers fasst den Text (Ez 36) in einem einzigen Satz zusammen.
„Wenn wir also beten: ,Geheiligt werde dein Name‘, dann erflehen wir von Gott, dass er sich seines Volkes annehme, dass er sein Volk aus der Zerstreuung sammle, dass er es überhaupt wieder zu einem Volk mache, dass er seinem Volk ein neues Herz gebe, dass er sein Volk mit Heiligem Geist erfülle.“ (Gerhard Lohfink)
Wir bitten darum, dass es wieder einen Ort in der Welt gibt, durch den die Herrlichkeit und Ehre Gottes sichtbar werden kann.
Das ist Auftrag der Christen, so zu leben, dass man es ablesen kann, wem sie glauben.
Wir bitten, dass Gott uns bis ins Innerste (neues Herz) hinein erfassen und wandeln solle, so dass unser Leben an seine Gegenwart erinnert und wir den Auftrag Jesu erfüllen: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben ... So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,14.16).
[inne]halten - das Magazin 03/2026
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Ziel jedes Menschenlebens ist, Gott zu verherrlichen
Die erste Bitte des Vaterunsers ist die Bitte um Sammlung und Heiligung des Gottesvolkes. Zeig deine Größe. Mit der ersten Bitte um die Heiligung des Gottesnamens kommt das Ziel jedes Menschenlebens und der Menschheitsgeschichte überhaupt in den Blick, nämlich Gott zu verherrlichen.
Das hat nicht mit unserer Leistung zu tun, sondern dass wir bereit sind, Gott wirken zu lassen. „Groß sein lässt meine Seele den Herrn, denn er ist mein Retter“ – so heißt der Anfang eines Magnifikatliedes.
Wenn wir beten „geheiligt werde dein Name“, bitten wir Gott, seinen Willen in unserem Leben, ja in unserer Geschichte zur Geltung zu bringen, bis die irdischen Verhältnisse dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit entsprechen.
Gott soll der Herr unseres Lebens sein, das Maß, an dem wir uns messen, der feste Grund, auf den wir aufbauen. Er soll die erste Stelle in unserem Leben einnehmen. Dadurch werden wir frei von der Sorge um uns selbst, werden offen für seine Lebensabsichten mit uns. Letztlich geht es darum, sich von Gott lieben zu lassen.
Noch etwas ist zu fragen: Können wir der Würde entsprechen, die Gott uns mitgegeben hat? Wenn uns nichts mehr heilig ist, dann steht es schlecht um den Menschen und seine Würde.



