Glaubenswelten
06.06.2026


Serie „Uralte Orte des Glaubens“

Fünf Kirchen auf einen Streich

Unsere Serie „Uralte Orte des Glaubens“ hat uns bisher zu Einzelstandorten alter Kirchen geführt. Diesmal ist das anders, denn in Bad Reichenhall bietet sich die Gelegenheit, bei einem Spaziergang gleich fünf Gotteshäuser aus romanischer Zeit zu besichtigen.
  

St. Nikolaus ist die Kirche mit der schönsten romanischen Raumwirkung in Bad Reichenhall. St. Nikolaus ist die Kirche mit der schönsten romanischen Raumwirkung in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt

Bad Reichenhall hat so einiges zu bieten und ist für manches bekannt: seine jahrtausendealte Tradition in der Salzgewinnung etwa, die überregionale Bedeutung als Kur- und Urlaubsort mit Bädern und Heilquellen, oder die inneralpine Lage als nur eine von zwei deutschen Alpenstädten (neben Sonthofen). 

Wer hierher kommt, besucht zum Beispiel das Königliche Kurhaus, die Alte Saline mit dem Salzmuseum oder sogar die Spielbank. Viele zieht es auch nach oben: Da erhebt sich auf der einen Seite der Hochstaufen mit seiner spektakulär platzierten Berghütte am Gipfel, auf der anderen Seite das Lattengebirge mit der bekannten Gipfelformation der „Schlafenden Hexe“ und der Predigtstuhlbahn, deren Gondeln seit fast 100 Jahren atemberaubend steil aus der Stadt gen Himmelschweben. Dass Bad Reichenhall aber auch eine ganze Handvoll uralter Kirchen beherbergt, damit wird überraschenderweise kaum geworben.

Die größte: St. Zeno

Die Bad Reichenhaller Kirche St. Zeno ist der größte romanische Kirchenbau Altbayerns. Die Bad Reichenhaller Kirche St. Zeno ist der größte romanische Kirchenbau Altbayerns. Foto: © Burghardt

Wir beginnen den Rundgang mit dem bekanntesten Reichenhaller Sakralgebäude: St. Zeno, dem größten romanischen Kirchenbau ganz Altbayerns. Vom Bahnhof gelangt man in wenigen Minuten zu Fuß hierher, für Autofahrer sind Parkplätze vorhanden. Von außen beeindruckt St. Zeno mit seinen gewaltigen Dimensionen, vor allem mit der Länge von 90 Metern. Um 1150 wurde mit dem Bau begonnen, und noch im 12. Jahrhundert entstand das bis heute vielleicht beeindruckendste Prachtstück der Kirche, das Rundbogenportal aus Untersberger Marmor. Leider hat der Innenraum der Kirche unter zwei großen Bränden gelitten, die Folge waren Umgestaltungen und ein Verlust des romanischen Charakters. Sehenswert und reich an mittelalterlicher Steinmetzkunst ist auch der Kreuzgang des direkt benachbarten ehemaligen Klosters St. Zeno, der jedoch nur zeitweise oder im Rahmen einer Führung zugänglich ist.

Nun wandern wir von St. Zeno durch die Salzburger Straße, die in die Ludwigstraße und dann in die Salinenstraße übergeht, immer geradeaus in die Innenstadt. Kurz bevor es am südlichen Ende der Altstadt nicht mehr geradeaus weitergeht, bietet sich nach links ein kleiner Abstecher zum sehenswerten Florianiplatz an, doch unser eigentliches Ziel liegt rechter Hand: die direkt an der Straße nach Berchtesgaden gelegene Kirche St. Nikolaus.

Romanisches Juwel: St. Nikolaus

Die Basilika St. Nikolaus ist die wohl schönste „romanische Perle“ der Stadt Bad Reichenhall. Die Basilika St. Nikolaus ist die wohl schönste „romanische Perle“ der Stadt Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt

Die Basilika St. Nikolaus aus den 1180er Jahren ist die wohl schönste „romanische Perle“ der Stadt, die Kirche mit der noch ursprünglichsten Raumwirkung. Auch wenn weite Teile im seitlichen und hinteren Bereich erst in neuerer Zeit im neoromanischen Stil ergänzt wurden, so ist es eben doch ein romanischer Kirchenraum – und der Altarraum mit seinen Emporen stammt ja auch tatsächlich aus dem 12. Jahrhundert. Herrlich! 

Ein besonderes, vergleichsweise junges Kunstobjekt muss hier auch erwähnt werden: Die „Reichenhaller Muttergottes“, eine 1932 gemalte Marienikone an der linken Seitenwand, befand sich früher in einer Mädchenschule – als diese bei einem Bombenangriff der Alliierten am 25. April 1945 vollständig zerstört wurde, blieb die Ikone wie durch ein Wunder unversehrt übrig.

Ganz zentral: St. Ägidius

Die Kirche St. Ägidius in Bad Reichenhall. Die Kirche St. Ägidius in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Nun geht es durch die Postgasse und über den Rathausplatz wieder nordwärts. Schon wartet das nächste Gotteshaus auf uns: St. Ägidius, erbaut ab 1159 und eng in die Häuserzeile integriert. Im gotisierten Innenraum fallen die prächtigen bunten Glasfenster auf, die auch Karl den Großen – der aber nie in Bad Reichenhall war – bei der Grundsteinlegung von St. Zeno zeigen. Wer durch eine Seitengasse zum Ägidiplatz geht, entdeckt an der Außenmauer von St. Ägidius ein modernes Gemälde der apokalyptischen Reiter, das das zuvor erwähnte Bombardement der Stadt thematisiert.


Die älteste: St. Johannes

Die Spitalkirche St. Johannes in Bad Reichenhall. Die Spitalkirche St. Johannes in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Kurz darauf erreichen wir die kleine, etwas schief wirkende Spitalkirche St. Johannes. Bereits im Jahr 788 erwähnt, stammen die ältesten Teile des heutigen Baus, unter anderem die eigentümlich geformte Apsis, spätestens aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Nicht von Anfang an, aber einige Jahrhunderte lang war diese Kirche mit einem Spital für kranke und alte Salzarbeiter verbunden.


Idyllische Berglandschaft: St. Georg

Das „Nonner Kircherl“ St. Georg. Das „Nonner Kircherl“ St. Georg. Foto: © Burghardt
Nun könnten wir – etwa durch den Kurgarten – wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Doch wer noch Zeit und Kraft hat, sollte sich einen Abstecher über die Saalach hinweg in den außerhalb der Stadt gelegenen Ortsteil Nonn überlegen: Dort steht eine fünfte romanische Kirche, das „Nonner Kircherl“ St. Georg. Im 12. Jahrhundert in malerischer Lage errichtet, bietet sie als einzige der genannten Kirchen ein freies Bergpanorama, übrigens weist sie auch als einzige die übliche Ausrichtung nach Osten auf. Auch hier lassen sich wieder interessante Entdeckungen machen, vom Friedhof über die angebaute Vorhalle bis hin zum seltenen Phänomen einer Außenkanzel. 

Am Ende darf man staunen: Fünf romanische Kirchen auf einmal – das gibt’s nicht oft und in unserem Bistum nur in Bad Reichenhall.

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Uralt und wunderschön

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Der beschriebene Rundweg mit den vier Stadtkirchen St. Zeno, St. Nikolaus, St. Ägidius und St. Johannes ist rund 4 Kilometer lang, der Abstecher nach St. Georg in Nonn beträgt weitere knapp 4 Kilometer. Alle Kirchen sind in der Regel tagsüber geöffnet.

Hintergrund

Tiefstes Mittelalter, mal positiv gemeint

Mit unserer Serie „Uralte Orte des Glaubens“ spüren wir der Faszination alter Kirchen nach. Quer durchs Erzbistum entdecken wir Gotteshäuser, deren Mauern, Türme, Krypten, Fresken oder Portale 800 bis 1200 Jahre alt sind und etwas von der Spiritualität ferner Jahrhunderte erahnen lassen. Eine klare „Altersrangliste“ der Kirchen ist übrigens nicht möglich, da meist nicht ganze Bauwerke, sondern einzelne Teile aus ältester Zeit stammen; oft ist auch die genaue Datierung unklar. (job)

Innehalten-Leseempfehlung
Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.