Zum Gedenktag des heiligen Benedikt von Nursia am 11. Juli
Botschafter des Friedens
In den Ruinen von Montecassino bleibt „Pax“ stehen: Frieden als Auftrag Benedikts, dessen Gedenktag am 11. Juli ist. Seine Regel zeigt Wege zu Versöhnung, Fairness und Gemeinschaft im Ringen um ein gelingendes Miteinander, erläutert Abt Johannes Eckert.
Statue des heiligen Benedikt von Nursia in der Benediktinerabtei Montecassino. Foto: © imago/imagebroker
Bei der Zerstörung von Montecassino durch die Alliierten blieb in den Ruinen nur der Torbogen des Klosters mit der Aufschrift „Pax“, das heißt „Frieden“, stehen. 20 Jahre später wurde das neu errichtete Kloster durch Papst Paul VI. am 24. Oktober 1964 geweiht. Dabei erklärte er den heiligen Benedikt zum Patron Europas und titulierte ihn als „Pacis nuntius“, als Botschafter des Friedens.
Wenn man die Benediktsregel auf das Wort „Pax“ durchsucht, finden sich nur sechs Stellen, wo konkret vom Frieden die Rede ist. Und doch ist die Regel eine Friedensordnung beziehungsweise ein Friedensvertrag, so dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung zu einem guten Miteinander finden können.
Freilich ist das nicht einfach. Frieden hat man nicht, man muss ihn suchen, sich dafür engagieren. Folgerichtig zitiert Benedikt bereits im Vorwort Psalm 34, wenn es dort heißt: „Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!“ (RB Prol 17). Friedensarbeit braucht also wache Sensibilität dafür, wo er zu finden ist, und Beweglichkeit und Anstrengung aller Kräfte. So empfiehlt an anderer Stelle Benedikt: „Nicht unaufrichtig Frieden schließen“ (RB 4,25). Wortwörtlich ist vom „falschen“ Frieden die Rede. Anscheinend hat es schon damals manche faulen Kompromisse gegeben, dass man zum Beispiel Auseinandersetzungen scheute.
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Den anderen ernst nehmen
Letztlich ist es ein Ernstnehmen des anderen, wenn ich mit ihm einen Konflikt eingehe. Dabei ist die Frage, wie das geschieht und mit welcher Absicht: Will ich dadurch den Frieden finden oder geht es darum, den anderen zugrunde zu richten? Bin ich dabei fair in der Wahl meiner Worte und Mittel? Entsprechend schreibt Benedikt: „Nach einem Streit noch vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren“ (RB 4,73). Das bedeutet, Konflikte nicht unnötig zu vertagen, sondern sie konstruktiv anzugehen, so dass wieder Frieden einkehren kann.
Bei diesem Ringen gilt es, darauf zu achten, dass niemand zu kurz kommt – nach dem urchristlichen Grundsatz: „Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte“ (Apg 4,35; RB 34,1). Ausdrücklich spricht Benedikt in diesem Zusammenhang sowohl von der Rücksicht auf Schwächen, als auch dass niemand aufgrund seines Ansehens bevorzugt werden soll. Es gilt, ehrlich um Kompromisse zu ringen zwischen Ideal und Wirklichkeit, zwischen Ansprüchen der Gemeinschaft und des Einzelnen, zwischen Stärkeren und Schwächeren. Das ist nicht einfach und bedeutet Zugehen aufeinander sowie die Bereitschaft, maßvoll allen Beteiligten gerecht zu werden: „So werden alle Glieder der Gemeinschaft im Frieden sein“ (RB 34,5).
Im Blick auf die Herausforderungen, vor denen unser Kontinent steht, haben diese Gedanken nichts an Aktualität verloren. Wir dürfen dankbar dafür sein, dass Europa seit dem Zweiten Weltkrieg durch vielmühsames Engagement zusammengewachsen ist. Das ist ein hohes Gut, das es weiterzuentwickeln gilt entsprechend der benediktinischen Kurzformel: „Ora et labora“ – „Bete und arbeite“.
Abt Johannes Eckert
Johannes Eckert ist Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs. Foto: © Kiderle



