Rituale
21.07.2025

Vom Ungeheuer zum Christusträger: Fragen und Antworten zum Heiligen Christophorus

Die Legende des Christusträgers Christophorus fasziniert bis heute. Er gilt als Patron der Reisenden und Autofahrer. Rund um seinen Gedenktag am 24. Juli finden vielerorts Rituale wie die Fahrzeugsegnung statt. Sie sollen nicht nur Schutz bieten, sondern auch an einen achtsamen Fahrstil erinnern.
    

Auf Plaketten oder Anhängern sieht man den Heiligen Christophorus auch heute noch in vielen Fahrzeugen. Auf Plaketten oder Anhängern sieht man den Heiligen Christophorus auch heute noch in vielen Fahrzeugen. Foto: © AdobeStock/Miroslaw

Wer war der Heilige Christophorus? 

Auf den typischen Darstellungen des Heiligen Christophorus watet der Riese mit dem Jesuskind auf den Schultern und einem Stock in der Hand durch das Wasser eines Flusses. Der Legende nach war der Riese 12 Ellen groß und brachte deshalb Reisende sicher durch die Strömungen. Eines Nachts bat ihn ein Kind – Jesus -, über den Fluss getragen zu werden. Trotz seiner Stärke fühlte sich das Kind unendlich schwer an. Ihm kam es so vor, als trüge er das Gewicht der ganzen Welt auf seinen Schultern. Als der Riese dachte, er würde untergehen, drückte Jesus ihn unter Wasser, um ihn zu taufen. Am anderen Ufer angekommen, offenbarte Jesus sich ihm mit den Worten „Du hast nicht allein alle Welt auf deinen Schultern getragen, sondern den, der die Welt erschaffen hat“. 

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Woher kommt die Legende um den Christusträger?

Die Verehrung des Heiligen Christophorus begann schon im fünften Jahrhundert. Die ersten Aufzeichnungen seines Namens zeigen, dass Bischof Chalcedon in Kleinasien 452 eine Kirche zu Ehren des Heiligen mit seinen Reliquien weihte. Die ursprüngliche Legende hat jedoch nicht mehr viel Ähnlichkeit mit den heutigen Erzählungen über den Riesen. Sie berichtet von einem hundsköpfigen Ungeheuer namens Reprobus, welches durch die christliche Taufe den Namen Christophorus und die menschliche Sprache erhält. Es wird zum Missionar und erlebt schließlich unter König Dagnus ein Martyrium. Wahrscheinlich durch eine Wortassoziation wird aus dem Ungeheuer („Canineus“) ein menschlicher Riese aus Kanaa („Cananeus“) und schließlich der Christusträger – denn der Name Christophorus bedeutet „Der Christus (im Herzen) trägt“. 

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Wie wurde Christophorus zum Patron der Reisenden und Pilger? 


Christophorus gehört seit dem 15. Jahrhundert zu den 14 Nothelfern. Die Legende besagt, dass er und die anderen Nothelfer kurz vor ihrem Tod Gott darum baten, diejenigen zu erhören, die in ihrem Namen um Hilfe bitten. (Die Märtyrer sollen Gott kurz vor ihrem Tod darum gebeten haben, denjenigen Menschen zu helfen, die in ihrem Namen darum bitten.) Deshalb war Christophorus erst einmal ein Heiliger für sehr viele Notlagen und Gefahren – er sollte einen plötzlichen Tod verhindern: Sein Patronat erstreckt sich von Schatzsuchern bis hin zu Schutz vor Gewitter und Hagel. Aufgrund der Legende des Christusträgers ist sein Patronat für Reisende und Pilger seit Anfang des 20. Jahrhundert zu seinem Markenzeichen geworden.


Christophorus trägt das Christus-Kind (Jan de Cock, 1506 - ca. 1527). Christophorus trägt das Christus-Kind (Jan de Cock, 1506 - ca. 1527). Foto: © IMAGO / Heritage Images


Welche Rituale verbinden wir heute mit dem Heiligen Christophorus?  


Heutzutage soll der Heilige Christophorus vor allem Autos und ihre Insassen beschützen. Deswegen gibt es rund um seinen Gedenktag, dem 24. Juli, vielerorts Fahrzeugsegnungen. In München wird der Segen seit 1933 jedes Jahr an der Kirche St. Maximilian gespendet. Gemeindepfarrer Rainer Maria Schießler betont jedoch, der Segen sei in keinem Fall ein „Ersatz für eine Vollkaskoversicherung“ oder ein Freifahrtschein für rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr. Ganz im Gegenteil: Er soll ein Bekenntnis sein, auch auf der Straße christliche Verantwortung zu übernehmen, sagt Schießler. 

Zur Fahrzeugsegnung mit Pfarrer Schießler kommen allerlei Fahrzeuge – von Kindern mit ihren ersten Fahrrädern bis zur Müllabfuhr. Zum Segen dazu gibt es hier auch einen Christophorus-Aufkleber. Beliebter als Aufkleber sind Plaketten aus Silber mit einer Darstellung des Heiligen Christophorus und dem Jesuskind auf seinen Schultern. Aber egal ob Aufkleber oder Plakette: Hauptsache, sie erinnern an eine verantwortungsvolle und sichere Fahrt.

Lilly Krka
Artikel von Lilly Krka
Volontärin