Serie „Uralte Orte des Glaubens“
Seeon, Juwel des Chiemgaus
Unsere Serie „Uralte Orte des Glaubens“ führt uns diesmal ins Kloster Seeon. Die ehemalige Kloster- und heutige Pfarrkirche St. Lambert zählt zum Ältesten und zugleich zum Reichhaltigsten, was das Erzbistum München und Freising an Kirchen zu bieten hat.
Eine einzigartige Lage, eine über tausendjährige Geschichte und eine romanische Kirche voller Schätze: Das ist Kloster Seeon. Foto: © imago/Alexander Rochau
Sie wollen das Kloster Seeon besichtigen? Schön! Wie viele Tage haben Sie Zeit? – Spaß beiseite. Dennoch müssen wir nach zwei selbst erlebten, unvollständigen Besichtigungen ehrlich einräumen: Dieser Ort ist so dicht, so reich, er fordert einen. Natürlich kann man einfach hinfahren und sich „ein bisschen umschauen“. Aber dabei würde einem so vieles entgehen, dass es doch ratsam erscheint, einen menschlichen oder literarischen Kirchenführer in Anspruch zu nehmen und Zeit mitzubringen. Denn in Seeon gibt es viel mehr zu sehen als nur eine Kirche.
Sehenswert sind auch die historischen Namensschilder in den Bänken. Foto: © Burghardt
Zwei eigenartige Türme
Nun betreten wir die Klosteranlage, die mit ihrem engen Gebäude-Arrangement an eine Wasserburg erinnert. Die gedrungenen Kirchtürme sehen auf den ersten Blick gleich aus, sind aber auf eigenartige Weise unterschiedlich. Der nördliche stammt etwa aus dem Jahr 1080 und zählt zu den ältesten Türmen Oberbayerns. Der südliche, mit der Uhr, wurde hundert Jahre später ergänzt. Eine lange Treppe führt uns hinauf zum Kirchenportal, nun betreten wir die Vorhalle – und finden uns in einer mittelalterlichen Welt voller Geheimnisse wieder.
Die gedrungenen Kirchtürme sehen auf den ersten Blick gleich aus, sind aber auf eigenartige Weise unterschiedlich. Foto: © Burghardt
Begehbare Kunst: Der Kreuzgang lädt zu einem meditativen Spaziergang ein. Foto: © Burghardt
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Romanisches Stufenportal
Zurück in der Vorhalle, wenden wir uns nun endlich der eigentlichen Kirche zu. Doch bevor wir sie betreten, halten wir am Stufenportal inne. Mit einem steinernen Flechtband und vorgelagerten Fresken verziert, stellt dieses Tor zum Kirchenschiff das älteste Original-Objekt dar, das direkt betrachtet werden kann: Es stammt womöglich wie der Nordturm aus der Zeit der ersten Basilika um 1080, alternativ könnte es mit dem heutigen Kirchenschiff hundert Jahre später errichtet worden sein – und wäre auch dann noch außergewöhnlich alt.
Das Portal könnte an die 950 Jahre alt sein. Foto: © Burghardt
Das Kircheninnere, das wir hier gar nicht erst in seiner ganzen Pracht zu beschreiben versuchen, darf nun ausführlich erkundet werden. Nur so viel: Die dreischiffige romanische Säulenbasilika wurde erst gotisch, später barock umgestaltet, dann regotisiert, gesamtrenoviert (mit Freilegung verborgener Fresken), schließlich wurden neugotische Teile wieder entfernt – kurz: Es ist ein Gesamtkunstwerk mit Spuren aus vielen Epochen. Ein Sichtfenster zur Sakristei und Marienkapelle, die Triebe am Stamm der monumentalen Kreuzigungsgruppe, die Erinnerungstafel für den Seeoner Stammgast Wolfgang Amadeus Mozart, das höllische Riesen-Ungeheuer unterhalb der Orgelempore – wer entdeckt sie alle gleich beim ersten Besuch?
Einen zentralen Platz inmitten der prächtigen Gewölbemalereien hat König David bekommen. Foto: © Burghardt



