Gastfreundliches Land
Clara Yunsun Blumberg kam aus Südkorea zum Theologie-Studium nach Eichstätt und hat dort Wurzeln geschlagen. Nun engagiert sie sich bei den Vorbereitungen der Weltjugendtagsreise, die 2027 in ihre Heimat führt – eine moderne und traditionell geprägte Nation.
Clara Yunsun Blumberg mit ihrem Ehemann, dem Eichstätter Diakon Dr. Anselm Blumberg, in Seoul. Foto: © Clara Yunsun Blumberg
Man hört, dass die katholische Kirche in Südkorea wächst. Kann der Weltjugendtag (WJT) noch zusätzlich einen Schub verleihen?
Ja, die Zahl der Katholiken in Korea überstieg Ende letzten Jahres knapp die 6-Millionen-Marke und erreichte damit 11,4 Prozent der Bevölkerung. Obwohl die Geschichte des Katholizismus in Korea im Vergleich zu Europa sehr kurz und er noch keine 250 Jahre alt ist, verzeichnet er einen kontinuierlichen Wachstumstrend. Allerdings ist das Wachstum seit dem Jahrtausendwechsel im Vergleich zu früher nicht mehr so stark und seit Beginn der COVID-19-Pandemie ist es sogar sehr gering. Ich glaube, dass der WJT 2027 eine gute Gelegenheit bieten kann, die koreanischen Katholiken im Glauben zu bestärken, besonders die jungen Gläubigen.
Weltjugendtage gibt es seit rund 40 Jahren. Haben junge Katholiken aus Südkorea von Anfang an diese Begeisterung geteilt? Bekommen Sie die aktuelle Stimmung in Ihrem Geburtsland mit?
Am WJT 1989 in Santiago de Compostela nahm die katholische Jugend Koreas erstmals teil. Es handelte sich aber um eine sehr kleine symbolische Gruppe. Seither entwickelte sich auf koreanischer Seite ein großes Interesse und echte Leidenschaft für dieses internationale Glaubensfest. Dass der WJT nun in Seoul und damit zum zweiten Mal seit 1995 (Philippinen) in Asien stattfindet, darauf sind die koreanischen katholischen Jugendlichen besonders stolz. Die Diözesen meines Heimatlandes gehen, meiner Beobachtung der sozialen Medien nach, die Vorbereitungen mit großem Eifer an.
Wie bringen Sie selbst sich dafür ein?
Ich bin derzeit die einzige Koreanerin in Eichstätt. Im Mai habe ich mich als Freiwillige dem Vorbereitungsteam angeschlossen. Gemeinsam mit Sarah Hairbucher, der Leiterin des Fachbereichs Jugend im Bistum Eichstätt und Gesamtleiterin der Weltjugendtagsreise der bayerischen Bistümer Würzburg, Regensburg, Passau und Eichstätt, habe ich mir Gedanken gemacht, in welcher koreanischen Diözese unsere Gruppe die diözesanen „Tage der Begegnung“ verbringen könnte. Dort haben wir uns bereits beworben. Dieses Jahr werde ich noch eine Einführung in die koreanische Geschichte, die katholische Kirche in Korea, die landestypischen Sitten und Bräuche geben. Klar ist auch schon, dass ich die Reisegruppe in Korea zusammen mit meinem Mann als Dolmetscherin begleiten werde.
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Das Leben in Südkorea scheint ja sehr westlich geprägt, K-Pop ist weltweit populär ...
Korea hat eine einzigartige Geschichte, da das Land in der modernen Geschichte eine rasante Industrialisierung durchlaufen und sich in die Riege der IT-Hochburgen und hochentwickelten Volkswirtschaften eingereiht hat. Die Großstädte sind stark westlich geprägt. Dennoch sind Traditionen und Denkweisen, die in Koreas langer Geschichte verwurzelt sind, weiterhin stark präsent. Traditionen und Bräuche sind in den Provinzen besonders gut erhalten. Die fünftägigen diözesanen „Tage der Begegnung“ finden in den Provinzdiözesen außerhalb von Seoul statt.
Kann man sich auf Englisch gut verständigen?
Obwohl koreanische Jugendliche in der Schule viel Englisch lernen und daher diese Sprache gut verstehen, haben sie größere Probleme, sich auf Englisch zu unterhalten. In der Schule werden für Leistungskontrollen meist Multiple-Choice-Tests verwendet. So sind es Koreaner nicht gewohnt, Englisch aktiv in Dialogen zu gebrauchen. Daher wird es an einigen Stellen für mich notwendig sein, als Dolmetscherin Brücken der Verständigung zu bauen. Gasteltern sprechen möglicherweise noch weniger fließend Englisch. Dennoch wird die Verständigung unter dem Strich gelingen. Denn die Koreaner sind Meister der Gastfreundschaft. Fehlende Vokabeln werden durch Zeichensprache mit Händen und Füßen und vor allem durch ein herzliches Lächeln ergänzt.
Interview: Gabi Gess
Von Eichstätt zum WJT
Unter dem Leitwort „Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ findet vom 28. Juli bis 9. August 2027 der Weltjugendtag in Seoul statt. Der Fachbereich Jugend der Diözese Eichstätt organisiert eine Fahrt für 18- bis 27-Jährige. Anmeldung ist noch bis 20. September 2026 möglich. Info unter Telefon 08421/50-631, E-Mail: jugend@bistum-eichstaett.de



