Glaubenswelten
25.08.2026



Die Insel der Glückseligen

Im Februar eröffnete Kardinal Marx bei einem Gottesdienst im Liebfrauendom den Seligsprechungsprozess für Jesuitenpater Alfred Delp (1907–1945). Was wenige wissen: Dieser machte gerne Urlaub in der Simsseeregion. 
    

Am Simssee ist Pater Alfred Delp SJ bis heute unvergessen. Am Simssee ist Pater Alfred Delp SJ bis heute unvergessen. Foto: © Repro: Hötzelsperger

In den Jahren 1941, 1942, 1943 und noch einmal kurz 1945 kam Pater Alfred Delp in den kleinen Weiler Wolferkam (Gemeinde Riedering). Der Priester und Mitglied des Kreisauer Kreises um Helmuth James Graf von Moltke im Widerstand gegen den Nationalsozialismus nutzte diesen Flecken als Rückzugsort zur Erholung und zur Arbeit. Er verbrachte dort auch seine letzte Sommerfrische, bevor er 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.  

Während seiner Aufenthalte am Simssee bei den Bauernfamilien von Wolferkam besuchte Pater Delp auch gerne Gottesdienste in der nahen Wallfahrtskirche „Maria Stern“ in Neukirchen. Seine Urlaubsheimat bezeichnete er als „Insel der Glückseligen“, glücklich schrieb er von dort: „Es ist herrlich jetzt, dieser reifende Hochsommer. Vom Feld her rauschen die Sensen und Sicheln ihr betörendes Lied. Ich habe das so gern, die reifen Felder und dann die Ernte selbst. Irgendwie ist ja der Sinn unseres Lebens: reif werden und geschnitten werden, eingebracht in die Scheunen. Ich habe eine ganze Stunde gemäht und habe nun die Hände voll Blasen und die Arme voll Zittern. Aber schön war’s. Diese weitausholende Bewegung, das ist ein ganz eigener Rhythmus, der irgendwie an den Sinn des Lebens rührt … Ach, es ist dann so viel vergessen und vorbei und das Herz atmet wieder. Gott ist gut und seine Welt ist schön ...“.


[inne]halten - das Magazin 17/2026

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Delp war „Teil des kirchlichen Lebens“

Für Kirchenpfleger Heinrich Dhom von der Wallfahrtskirche „Maria Stern“ ist Delp eng mit diesem Ort verbunden. „Er war hier nicht nur zu Gast, sondern Teil des kirchlichen Lebens.“ In Neukirchen befindet sich auch eine Ehrentafel und Büste des Jesuiten des Künstlers Siegfried Moroder, der Pater Delp in Wolferkam selbst kennengelernt hatte. Ab 1958 wohnte und arbeitete Moroder selbst dort bis zu seinem Tod 1989.  

Auch außerhalb der Kirche „Maria Stern“ finden sich immer wieder Zeugnisse und Spuren Alfred Delps. So unter anderem die „Alfred-Delp-Straße“ in Neukirchen oder ein Wegkreuz mit einem Wort des Jesuiten: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte / ein wenig mehr Licht und Wahrheit in der Welt war – hat sein Leben einen Sinn gehabt“.  

Nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx ist das „Zeugnis Pater Delps so aktuell wie eh und je“, wie er bei der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses im Februar dieses Jahres betonte. 

Anton Hötzelsperger/flo