Serie „Uralte Orte des Glaubens“
Fünf Kirchen auf einen Streich
Unsere Serie „Uralte Orte des Glaubens“ hat uns bisher zu Einzelstandorten alter Kirchen geführt. Diesmal ist das anders, denn in Bad Reichenhall bietet sich die Gelegenheit, bei einem Spaziergang gleich fünf Gotteshäuser aus romanischer Zeit zu besichtigen.
St. Nikolaus ist die Kirche mit der schönsten romanischen Raumwirkung in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Bad Reichenhall hat so einiges zu bieten und ist für manches bekannt: seine jahrtausendealte Tradition in der Salzgewinnung etwa, die überregionale Bedeutung als Kur- und Urlaubsort mit Bädern und Heilquellen, oder die inneralpine Lage als nur eine von zwei deutschen Alpenstädten (neben Sonthofen).
Wer hierher kommt, besucht zum Beispiel das Königliche Kurhaus, die Alte Saline mit dem Salzmuseum oder sogar die Spielbank. Viele zieht es auch nach oben: Da erhebt sich auf der einen Seite der Hochstaufen mit seiner spektakulär platzierten Berghütte am Gipfel, auf der anderen Seite das Lattengebirge mit der bekannten Gipfelformation der „Schlafenden Hexe“ und der Predigtstuhlbahn, deren Gondeln seit fast 100 Jahren atemberaubend steil aus der Stadt gen Himmelschweben. Dass Bad Reichenhall aber auch eine ganze Handvoll uralter Kirchen beherbergt, damit wird überraschenderweise kaum geworben.
Die größte: St. Zeno
Die Bad Reichenhaller Kirche St. Zeno ist der größte romanische Kirchenbau Altbayerns. Foto: © Burghardt
Wir beginnen den Rundgang mit dem bekanntesten Reichenhaller Sakralgebäude: St. Zeno, dem größten romanischen Kirchenbau ganz Altbayerns. Vom Bahnhof gelangt man in wenigen Minuten zu Fuß hierher, für Autofahrer sind Parkplätze vorhanden. Von außen beeindruckt St. Zeno mit seinen gewaltigen Dimensionen, vor allem mit der Länge von 90 Metern. Um 1150 wurde mit dem Bau begonnen, und noch im 12. Jahrhundert entstand das bis heute vielleicht beeindruckendste Prachtstück der Kirche, das Rundbogenportal aus Untersberger Marmor. Leider hat der Innenraum der Kirche unter zwei großen Bränden gelitten, die Folge waren Umgestaltungen und ein Verlust des romanischen Charakters. Sehenswert und reich an mittelalterlicher Steinmetzkunst ist auch der Kreuzgang des direkt benachbarten ehemaligen Klosters St. Zeno, der jedoch nur zeitweise oder im Rahmen einer Führung zugänglich ist.
Nun wandern wir von St. Zeno durch die Salzburger Straße, die in die Ludwigstraße und dann in die Salinenstraße übergeht, immer geradeaus in die Innenstadt. Kurz bevor es am südlichen Ende der Altstadt nicht mehr geradeaus weitergeht, bietet sich nach links ein kleiner Abstecher zum sehenswerten Florianiplatz an, doch unser eigentliches Ziel liegt rechter Hand: die direkt an der Straße nach Berchtesgaden gelegene Kirche St. Nikolaus.
Romanisches Juwel: St. Nikolaus
Die Basilika St. Nikolaus ist die wohl schönste „romanische Perle“ der Stadt Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Die Basilika St. Nikolaus aus den 1180er Jahren ist die wohl schönste „romanische Perle“ der Stadt, die Kirche mit der noch ursprünglichsten Raumwirkung. Auch wenn weite Teile im seitlichen und hinteren Bereich erst in neuerer Zeit im neoromanischen Stil ergänzt wurden, so ist es eben doch ein romanischer Kirchenraum – und der Altarraum mit seinen Emporen stammt ja auch tatsächlich aus dem 12. Jahrhundert. Herrlich!
Ein besonderes, vergleichsweise junges Kunstobjekt muss hier auch erwähnt werden: Die „Reichenhaller Muttergottes“, eine 1932 gemalte Marienikone an der linken Seitenwand, befand sich früher in einer Mädchenschule – als diese bei einem Bombenangriff der Alliierten am 25. April 1945 vollständig zerstört wurde, blieb die Ikone wie durch ein Wunder unversehrt übrig.
Ganz zentral: St. Ägidius
Die Kirche St. Ägidius in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Die älteste: St. Johannes
Die Spitalkirche St. Johannes in Bad Reichenhall. Foto: © Burghardt
Idyllische Berglandschaft: St. Georg
Das „Nonner Kircherl“ St. Georg. Foto: © Burghardt
Am Ende darf man staunen: Fünf romanische Kirchen auf einmal – das gibt’s nicht oft und in unserem Bistum nur in Bad Reichenhall.
[inne]halten - das Magazin 10/2026
Uralt und wunderschön
Eine einzigartige Lage, eine über tausendjährige Geschichte und eine romanische Kirche voller Schätze: Das ist Kloster Seeon.
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Der beschriebene Rundweg mit den vier Stadtkirchen St. Zeno, St. Nikolaus, St. Ägidius und St. Johannes ist rund 4 Kilometer lang, der Abstecher nach St. Georg in Nonn beträgt weitere knapp 4 Kilometer. Alle Kirchen sind in der Regel tagsüber geöffnet.



