Glaubenswelten
21.08.2026

Zwei Gipfelkreuze auf der Zugspitze

Seit einem Jahr steht auf der Zugspitze ein zweites Gipfelkreuz – für mehr Sicherheit. Es wird als Selfie-Motiv gut angenommen. Das Original-Kreuz bleibt so von Aufklebern verschont.  
 

Das Original-Gipfelkreuz auf der Zugspitze bleibt bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Das Original-Gipfelkreuz auf der Zugspitze bleibt bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv. Foto: © SMB/Krka

Ein leises mechanisches Rauschen, Menschen dicht aneinandergedrängt, Luft strömt durch ein kleines gekipptes Fenster und wird langsam immer kühler. Knapp zehn Minuten braucht die Seilbahn, um ihre Passagiere an den höchsten Punkt Deutschlands zu befördern. In der Bergstation der Zugspitze angekommen, stehen viele Touristen bereits für Fotos an: nicht etwa vor dem Alpenpanorama, sondern für ein Selfie mit dem zweiten Gipfelkreuz.

Zweites Gipfelkreuz: Mehr Sicherheit für Touristen 

Die Nachbildung steht seit einem Jahr in der Ausstellung der Zugspitzbahn. Der Künstler Bernhard Rieger – passionierter Bergläufer aus der Region – hat das Kreuz entworfen und fertiggestellt: Anders als das Original besteht es aus recycelten Materialien, hauptsächlich aus Abflussrohren, überzogen wurde es mit Goldfolie. „Es ist natürlich ein bisschen kleiner, aber sonst sieht die Nachbildung dem Original schon sehr ähnlich“, meint die Pressesprecherin der Zugspitzbahn Laura Schaper.

Hier bietet das zweite Kreuz eine Alternative zum Gipfelfoto am Original, erzählt sie. Viele unterschätzen den Aufstieg der letzten Meter zum Gipfelkreuz. Wer ohne Erfahrung oder die richtigen Schuhe (dazu zählen eben keine Sandalen oder gar Flip-Flops!) den steilen Pfad hochklettert, kann sich schnell verletzen: „Ab unserer Bergstation endet der gesicherte Bereich, der Aufstieg zum Gipfelkreuz befindet sich in alpinem Gelände und da ist auch alpine Ausrüstung erforderlich“, erklärt Schaper. Die Nachbildung steht hingegen jederzeit erreichbar, warm und sicher im Inneren der Bergstation. Viele wollen zwar immer noch zum Originalkreuz, Schaper ist mit den Reaktionen auf das zweite Kreuz dennoch zufrieden: „Das wird sehr gut angekommen, viele Leute kommen einfach hierher für das Selfie. Und was wirklich schön zu sehen ist: wenn die Kinder hier reinkommen und die Augen strahlen, weil es doch wirklich ein Hingucker ist.“  

Seit einem Jahr ein neuer Fotospot: der Gipfelkreuz-Nachbau von Künstler Bernhard Rieger. Seit einem Jahr ein neuer Fotospot: der Gipfelkreuz-Nachbau von Künstler Bernhard Rieger. Foto: © SMB/Krka

Nach Restaurierung: keine Sticker mehr auf
Gipfelkreuz 

Ein weiterer Grund für die Nachbildung: Seit Jahren kleben viele der Touristen Sticker auf das Gipfelkreuz. Im vergangenen Jahr wurde das Originalkreuz restauriert, denn der Klebstoff greift die teure Goldbeschichtung an. Seitdem glänzt es wieder – und wurde bisher von Stickern verschont. Stattdessen ist sein Zwilling in der Bergstation mittlerweile über und über beklebt. Genau so soll es sein: „Wir haben gemerkt, dass das Originalkreuz so von Stickern verschont bleibt. Also: Sticker können gerne auf das zweite Gipfelkreuz geklebt werden“, erklärt Schaper ausdrücklich. 

Über die Sticker sind die Touristen geteilter Meinung: „Ich habe ein Foto mit dem Kreuz gemacht, weil da oben ein Sticker mit Thomas Gottschalk drauf ist, und das finde ich sehr witzig“, erzählt Florian aus Leipzig. Viele sind von der Optik aber nicht überzeugt. „Da müsste das Klebezeug mal ein bisschen runter, dann würde das schon besser aussehen“, meint Hans-Joachim aus Bad Pyrmont. 

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Inklusives Gipfelkreuz: für alle erreichbar 

Hans-Joachim freut sich dennoch über das zweite Gipfelkreuz. „Da hoch, das schaffe ich körperlich einfach nicht mehr, deshalb nehmen wir das hier“, meint er: „Für Leute, die sich da nicht hoch trauen, ist das ideal, also das ist eine gute Lösung.“ Wie ihm geht es vielen. Sie wagen den Aufstieg zum Originalkreuz nicht – wegen gesundheitlicher Probleme, Höhenangst oder weil sie mit ihren Kindern da sind. So beweist das zweite Gipfelkreuz: Es ist eine Alternative, die das Gipfelerlebnis für alle zugänglich macht – einfach, sicher und inklusiv. 

PS: Schauen Sie beim nächsten Ausflug auf die Zugspitze genau hin – vielleicht entdecken Sie auf dem zweiten Gipfelkreuz einen Michaelsbund-Sticker.

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Lilly Krka
Artikel von Lilly Krka
Volontärin