Glaubenswelten
28.04.2026


Serie „Uralte Orte des Glaubens“

Hier thront der Weltenrichter

In unserer Serie „Uralte Orte des Glaubens“ besuchen wir die ältesten Kirchen im Erzbistum. Diesmal stellen wir zwei romanische Gotteshäuser südöstlich von München vor: St. Georg in Thal und St. Aegidius in Keferloh.
   

Sowohl in St. Georg in Thal (Foto) als auch in St. Aegidius in Keferloh dominiert ein zentrales Weltenrichter-Fresko. Sowohl in St. Georg in Thal (Foto) als auch in St. Aegidius in Keferloh dominiert ein zentrales Weltenrichter-Fresko. Foto: © Burghardt

St. Georg in Thal

Diese Kirche muss man erst einmal finden. Sie schaut nicht von einer Anhöhe „weit über alle Land“, sondern versteckt sich im waldigen Tal der Moosach zwischen Hohenthann und Tuntenhausen, im Ort Thal. Und man braucht einen Besichtigungstermin, denn das Kirchlein ist grundsätzlich verschlossen. Doch es lohnt sich, diese Hindernisse zu überwinden, denn die Besucher erwartet hier ein absolutes Unikum – einer der rätselhaftesten Sakralbauten im Erzbistum München und Freising.
    

St. Georg in Thal. St. Georg in Thal. Foto: © Burghardt
Schon von außen fallen zwei Besonderheiten auf: die steinalten Mauern aus Kalktuffquadern und die bemerkenswerte Höhe trotz geringer Grundfläche – es handelt sich um eine turmartige Doppelgeschosskirche aus romanischer Zeit. Das Obergeschoss könnte früher als Einsiedelei oder Pilgerherberge, vielleicht auch als Speicher oder Fluchtraum gedient haben; einst war es über eine nordseitige Treppe von außen zugänglich. 

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Um 1200 erbaut, hat sich St. Georg seinen Charakter als mittelalterliche Turmkirche bis heute bewahrt, diverse spätere bauliche Änderungen fallen nur wenig ins Gewicht. Wenn sich die massive Holztür öffnet, umfängt einen sofort der eigentümliche Zauber einer fernen Vergangenheit. Vor allem der Blick in die ostseitige Apsis fesselt und hinterlässt einen tiefen Eindruck: Dort schmücken Fresken aus der Zeit um 1400 den Altarraum (großes Foto) – sie wurden erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts entdeckt und freigelegt. 

[inne]halten - das Magazin 10/2026

Uralt und wunderschön

Eine einzigartige Lage, eine über tausendjährige Geschichte und eine romanische Kirche voller Schätze: Das ist Kloster Seeon.

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Wunderschön das Firmament aus Sonne, Mond und Sternen; in der Mitte der Weltenrichter auf einem Regenbogen sitzend; daneben die Heiligen Erasmus, Vitus, Stephanus, vermutlich Maria und Johannes – und Tote, die sich aus ihren Gräbern erheben, darüber wiederum Sterne. Und unterhalb dieser endzeitlichen Szene ein winziges ostseitiges Fenster als Eintrittsloch für das Licht des Morgens! Wer in diesem heiligen Raum still verweilt, wer vor diesem Bild schweigt und staunt – der darf für einen Moment den Wahnsinn der Welt vergessen und sich zeitlos geborgen fühlen. 

Eine Besichtigung von St. Georg in Thal kann über das Pfarrbüro (Telefon 08065/247 oder E-Mail an mariae-himmelfahrt.schoenau@ebmuc.de) vereinbart werden.

St. Aegidius in Keferloh

St. Aegidius in Keferloh. St. Aegidius in Keferloh. Foto: © Burghardt

Ebenfalls voller Geheimnisse aus romanischer Zeit, aber doch ganz anders ist die Kirche St. Aegidius unmittelbar vor Münchens Toren im Weiler Keferloh. Die Mauern der im Jahr 1173 geweihten Kirche, obwohl auch hier aus Tuffstein, sind verputzt. Im Inneren sorgt die beachtliche Grundfläche von über 200 Quadratmeter für eine großzügige Raumwirkung. Auch hier im Fokus: die Wandfresken, die teils noch aus frühester Zeitstammen. Dass sie verblasst oder nur in Fragmenten erhalten sind, kann man bedauern oder spannend finden: Gerade weil sich hier kein makelloses Gemälde in allen Details offenbart, ist die Fantasie umso mehr gefordert. Ist das Jesus Christus? Eine Skizze, eine Andeutung, eine Ahnung, aber doch: Ja, er ist es!

Im Sommerhalbjahr ist St. Aegidius in Keferloh dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Als weiter Saal präsentiert sich das Langhaus von St. Aegidius. Ein Beleuchtungssystem sorgt an mehreren Stellen für moderne Akzente, etwa am Ambo. Als weiter Saal präsentiert sich das Langhaus von St. Aegidius. Ein Beleuchtungssystem sorgt an mehreren Stellen für moderne Akzente, etwa am Ambo. Foto: © Burghardt
Hintergrund

Tiefstes Mittelalter, mal positiv gemeint

Mit unserer Serie „Uralte Orte des Glaubens“ spüren wir der Faszination alter Kirchen nach. Quer durchs Erzbistum entdecken wir Gotteshäuser, deren Mauern, Türme, Krypten, Fresken oder Portale 800 bis 1200 Jahre alt sind und etwas von der Spiritualität ferner Jahrhunderte erahnen lassen. Eine klare „Altersrangliste“ der Kirchen ist übrigens nicht möglich, da meist nicht ganze Bauwerke, sondern einzelne Teile aus ältester Zeit stammen; oft ist auch die genaue Datierung unklar. (job)
Innehalten-Leseempfehlung
Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.