Serie „Uralte Orte des Glaubens“
Hier thront der Weltenrichter
In unserer Serie „Uralte Orte des Glaubens“ besuchen wir die ältesten Kirchen im Erzbistum. Diesmal stellen wir zwei romanische Gotteshäuser südöstlich von München vor: St. Georg in Thal und St. Aegidius in Keferloh.
Sowohl in St. Georg in Thal (Foto) als auch in St. Aegidius in Keferloh dominiert ein zentrales Weltenrichter-Fresko. Foto: © Burghardt
St. Georg in Thal
Diese Kirche muss man erst einmal finden. Sie schaut nicht von einer Anhöhe „weit über alle Land“, sondern versteckt sich im waldigen Tal der Moosach zwischen Hohenthann und Tuntenhausen, im Ort Thal. Und man braucht einen Besichtigungstermin, denn das Kirchlein ist grundsätzlich verschlossen. Doch es lohnt sich, diese Hindernisse zu überwinden, denn die Besucher erwartet hier ein absolutes Unikum – einer der rätselhaftesten Sakralbauten im Erzbistum München und Freising.
St. Georg in Thal. Foto: © Burghardt
Um 1200 erbaut, hat sich St. Georg seinen Charakter als mittelalterliche Turmkirche bis heute bewahrt, diverse spätere bauliche Änderungen fallen nur wenig ins Gewicht. Wenn sich die massive Holztür öffnet, umfängt einen sofort der eigentümliche Zauber einer fernen Vergangenheit. Vor allem der Blick in die ostseitige Apsis fesselt und hinterlässt einen tiefen Eindruck: Dort schmücken Fresken aus der Zeit um 1400 den Altarraum (großes Foto) – sie wurden erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts entdeckt und freigelegt.
[inne]halten - das Magazin 10/2026
Uralt und wunderschön
Eine einzigartige Lage, eine über tausendjährige Geschichte und eine romanische Kirche voller Schätze: Das ist Kloster Seeon.
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Wunderschön das Firmament aus Sonne, Mond und Sternen; in der Mitte der Weltenrichter auf einem Regenbogen sitzend; daneben die Heiligen Erasmus, Vitus, Stephanus, vermutlich Maria und Johannes – und Tote, die sich aus ihren Gräbern erheben, darüber wiederum Sterne. Und unterhalb dieser endzeitlichen Szene ein winziges ostseitiges Fenster als Eintrittsloch für das Licht des Morgens! Wer in diesem heiligen Raum still verweilt, wer vor diesem Bild schweigt und staunt – der darf für einen Moment den Wahnsinn der Welt vergessen und sich zeitlos geborgen fühlen.
Eine Besichtigung von St. Georg in Thal kann über das Pfarrbüro (Telefon 08065/247 oder E-Mail an mariae-himmelfahrt.schoenau@ebmuc.de) vereinbart werden.
St. Aegidius in Keferloh
St. Aegidius in Keferloh. Foto: © Burghardt
Ebenfalls voller Geheimnisse aus romanischer Zeit, aber doch ganz anders ist die Kirche St. Aegidius unmittelbar vor Münchens Toren im Weiler Keferloh. Die Mauern der im Jahr 1173 geweihten Kirche, obwohl auch hier aus Tuffstein, sind verputzt. Im Inneren sorgt die beachtliche Grundfläche von über 200 Quadratmeter für eine großzügige Raumwirkung. Auch hier im Fokus: die Wandfresken, die teils noch aus frühester Zeitstammen. Dass sie verblasst oder nur in Fragmenten erhalten sind, kann man bedauern oder spannend finden: Gerade weil sich hier kein makelloses Gemälde in allen Details offenbart, ist die Fantasie umso mehr gefordert. Ist das Jesus Christus? Eine Skizze, eine Andeutung, eine Ahnung, aber doch: Ja, er ist es!
Im Sommerhalbjahr ist St. Aegidius in Keferloh dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Als weiter Saal präsentiert sich das Langhaus von St. Aegidius. Ein Beleuchtungssystem sorgt an mehreren Stellen für moderne Akzente, etwa am Ambo. Foto: © Burghardt



