Büchereien werden immer beliebter
Lieblingsorte mit Büchern
Bayerns Bibliotheken werden immer beliebter – das zeigen Zahlen des Michaelsbundes. Wir haben die Stadtbücherei in Dachau besucht.
Stöbern, lesen, sich austauschen – dazu bieten Bibliotheken viele Möglichkeiten. Foto: © Burghardt
Auf der Galerie der Stadtbücherei Dachau mischt sich das leise Murmeln der lernenden Studenten mit den vergnügten Geräuschen der Kinder. Unten wird zwischen Regalen und dem Spielhäuschen getobt, in der Kaffee-Ecke sind alle Plätze belegt – auf den Tischen sammeln sich Tassen und Lernunterlagen. „Und heute ist noch recht wenig los“, sagt Bücherei-Leiterin Angelina Hanke und lacht. Immer mehr Dachauer kommen her – zum Lesen, Quatschen und Lernen. Vergangenes Jahr waren es an den drei Standorten der Bibliothek in Dachau mehr als 70.000 Besucher.
Der Bücherei-Boom ist in ganz Bayern spürbar, das zeigt die Statistik des Sankt Michaelsbundes für das Jahr 2024. Insgesamt brachen die Bibliotheken des Sankt Michaelsbundes mit über 14,5 Millionen Entleihungen und über 5,1 Millionen Besuchern eigene Rekorde. Zum Vergleich: Die bayerischen Theater zogen in der Spielzeit 2022/23 lediglich 2,5 Millionen Zuschauer an.
„Büchereien sind Treffpunkte mit Mehrwert“
„Seit der Corona-Pandemie steigen die Zahlen kontinuierlich. Die Lockdowns waren vor allem für Schüler eine schwierige Zeit. Da konnten wir sie mit unseren digitalen Medien entscheidend bei der Schularbeit von zu Hause unterstützen“, erklärt Hanke den Anstieg. Die Bibliothekarische Referentin des Michaelsbundes Sabine Adolph ergänzt: „Büchereien sind Treffpunkte mit Mehrwert. Sie sind konsumfreie Orte – man muss nichts kaufen, um bleiben zu dürfen – und man trifft andere Familien.“
Die Stadtbücherei Dachau ist bereits seit 50 Jahren ein ebensolcher
Ort. Heuer feiert sie Jubiläum mit Veranstaltungen über das ganze Jahr
hinweg. Ihr eigentlicher Geburtstag ist der 17. August – er liegt jedoch
mitten in den bayerischen Sommerferien. Also hat sich Hanke
entschieden, das ganze Jahr zu feiern – getreu dem Motto „50 Jahre, 50
Veranstaltungen“. Ihr persönliches Highlight bisher war die
Übernachtungsparty für Kuscheltiere – ohne ihre Besitzer. Hier stellten
die Tiere einigen Unfug an – alles festgehalten von den Kameras der
Bibliotheksmitarbeitenden. Den Höhepunkt des Jubiläumsjahres soll das
Literaturfestival „Dachau liest“ im Oktober bilden. Nach einem Fest mit
Rückblick und Musik zum Auftakt sind zehn Tage lang unterschiedlichste
Lesungen und Vorführungen geplant.
Eine Eule bewacht die Geburtstagsgeschenke
Hanke leitet die Bibliothek seit Oktober vergangenen Jahres. Eine längere Beziehung zu ihrer Bücherei haben viele Bürger Dachaus. Deshalb hat die Leiterin dazu aufgerufen, Erinnerungsstücke abzugeben – im Oktober sollen sie ausgestellt werden. Einiges sei da schon zusammengekommen: alte Bibliotheksausweise, Zeitungsausschnitte und aussortierte Bücher. Sogar eine Geburtstagskarte hat die Bücherei schon bekommen. Dass Geburtstag gefeiert wird, soll auch im Haus sichtbar sein – groß und bunt weist ein Schriftzug auf der Glasfront am Eingang darauf hin. Und das Maskottchen „Biachal“ – eine blaue Eule, die mit vollem Namen „Eubida Liesabetta von Blaueulenstein zu Dachau“ heißt – bewacht gegenüber dem Tresen die Geburtstagsgeschenke.
Der Münchner Generalvikar Christoph Klingan findet, Büchereien seien
nicht nur soziale Orte für Jung und Alt, auch für die Kirche seien sie
von immenser Bedeutung: „Der Inhalt von Büchern ist lebendiges Wissen,
konkrete Erfahrungen und kreative Gedanken, zusammengefasst und
geschrieben von Menschen für Menschen.“ Ganz konkret werde dies für
Christen „beim wichtigsten Buch, der Bibel“, die Gott und die Gestalt
Jesu Christi erfahrbar mache. Allein deshalb, meint Klingan, seien
„Bibliotheken seit jeher eng verbunden mit der Kirche – denken wir nur
an die großen Klosterbibliotheken und an die kirchlichen Büchereien in
unseren Gemeinden, wo Menschen Bücher zum Lesen abholen können“.
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Michaelsbund unterstützt in vielfältiger Weise
Deshalb unterstützt der Sankt Michaelsbund über tausend kirchliche und kirchlich-kommunale Büchereien in ganz Bayern – und das kommt an, bestätigt Hanke. Eine der wichtigsten Hilfen sei die Vermittlung von Fördergeldern, denn die Bibliotheken seien als freiwillige Leistungen schnell von Kürzungen seitens der Kommunen betroffen. Aber nicht nur das: „Wir sind dem Michaelsbund einfach freundschaftlich verbunden“, betont Hanke. „Kleine Tipps und Tricks, die Vernetzung und Fortbildungen, das trägt alles zur Unterstützung bei – vor allem das persönliche Gespräch.“ Mit diesem Einsatz wollen Hanke und ihr Team trotz knapper Mittel aktuell bleiben – in ihren Medien und Veranstaltungen. Sie möchten sich weiterentwickeln, damit auch künftig immer mehr Menschen die Stadtbücherei für sich entdecken.



