Denkt jemand an die Großfamilien?
Bald beginnen in Bayern die Sommerferien, für Familien mit Schulkindern bricht dann die Haupt-Urlaubszeit des Jahres an. Während die einen noch freudig Pläne schmieden, ist bei anderen längst alles gebucht und die Ungeduld wird immer größer. Doch es gibt noch eine dritte Gruppe.
Bereits mit vier Kindern ist die Urlaubsplanung eine Herausforderung – passende Zimmer oder Mietwägen sind schwer zu finden, und natürlich die Gesamtkosten … Um wie viel mehr, wenn es sechs oder sieben Kinder sind! Foto: © AdobeStock/ AdobeStock/Довидович Михаил
Mein Social-Media-Algorithmus zeigt mir seit wenigen Wochen einen Account, der Wortneuschöpfungen teilt: bisher nicht existente Wörter, die Sachverhalte und Gefühlszustände unserer sich so schnell verändernden Welt beschreiben. „Familienurlaubskassensturz“ könnte so ein Beispiel sein.
In meiner Arbeit mit Groß- und Mehrlingsfamilien – also Familien, die zum Beispiel Drillinge, Vierlinge oder mehr als fünf Kinder haben – bekommen meine Kollegin und ich wöchentlich Anrufe und Mails, die eine Absage der nahenden Sommerfreizeit in Aussicht stellen. Wenn nicht noch ein Wunder auf dem Konto geschehe, sei diese gemeinsame Auszeit mit großer Wahrscheinlichkeit nicht leistbar. Warum? Die kaputte Waschmaschine im Frühjahr. Der rasant wachsende Älteste und seine ständig zu kleinen Klamotten. Das eh schon einfach gehaltene Festessen zur Erstkommunion der Zweitjüngsten. Die dringend notwendigen Osteopathiebehandlungen des Neugeborenen. Ah, und dann winkt nach Ferienende der Werkstattbesuch zur TÜV-Verlängerung des in die Jahre gekommenen Busses.
Außerdem mit Schulstart auf dem Plan: diese aufregenden Runden mit der Klassenlehrerin, die alle Schüler erwartungsvoll nach dem schönsten Urlaubserlebnis fragt. Mia erzählt vom Trip in die Toskana. Luis war im Bikepark in Tirol. Shoppingwochenende in Amsterdam, Minikreuzfahrt im Mittelmeer, Traumurlaub in Dubai ... Alles dabei!
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Aus der Reihe fällt da schnell ein junger Mensch, der sich in die
muntere Morgenrunde mit folgenden Worten einreiht: „Ich hab die ersten
vier Wochen gejobbt, um mir die Teilnahme an der Ferienwerkstatt für
wissbegierige Tüftler in München leisten zu können. Zum Ferienausklang
war ich mit meinen sechs Geschwistern wandern und abends haben wir im
Garten gegrillt.“ Es geht hier um Teilhabe, ohne die die Gesellschaft
bröckelt. Der Urlaub, wie man gekleidet und bei welchen Unternehmungen
man in der Freizeit dabei ist – all das entscheidet übers
Eingebundensein in die Gesellschaft. Und wer das nicht ist, erfährt
Ausgrenzung statt Zusammenhalt. Machen wir also Mitmachen möglich!
Wenn
Sie sich gerade dabei ertappen, schon eifrig die Packliste für den
anstehenden Urlaub zu schreiben, oder wenn der Online-Check-in beim
Flugunternehmen im Tab vor Ihnen geöffnet ist, überlegen Sie doch
einmal, wie Sie vielleicht dabei helfen können, dass auch die
kinderreichen Familien Bayerns in den anstehenden Sommerferien Teilhabe
erfahren. Sie vermeiden vielleicht einen schmerzhaften
Familienurlaubskassensturz. Wir im Kolping-Familienreferat hätten
jedenfalls ein paar Ideen …
Marlene Egbert, Mitarbeiterin im Familienreferat des Kolpingwerk Landesverband Bayern e. V.
Wissenswert
Wie Sie helfen können und was Sie mit bestimmten Beträgen bewirken, erfahren Sie beim Kolping Großfamilienservice. www.kolping-grossfamilienservice.de



