Kultur und Wissen
24.07.2026

Das war Olympia 1936 in Berlin

Deutschland will sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Sommerspiele ̓36 gab es schon mal – vor 90 Jahren. Adolf Hitler und das NS-Regime nutzten das Ereignis als Propagandabühne.
    

Einmarsch der deutschen Olympia-Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Einmarsch der deutschen Olympia-Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Foto: © imago/United Archives International

„Sie werden unseren Aufschwung, unsere Anstrengungen und unseren Friedenswillen sehen.“ So warb Adolf Hitler persönlich für die Olympischen Spiele 1936. Es sollte bekanntlich anders kommen. Dass Deutschland aktuell als Austragungsort für die Sommerspiele 2036 kandidieren will – infrage kämen auch die Spiele von 2040 oder 2044 – sorgte deswegen für Stirnrunzeln an allerhöchster Stelle. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte Bedenken, 100 Jahre nach den Spielen unter Hitler das sportliche Großereignis ausgerechnet für 2036 nach Deutschland zu holen.  

Diese Bedenken seien zwar nicht verschwunden, meldete das ARD-Hauptstadtstudio unlängst unter Verweis auf das Bundespräsidialamt. Aber mittlerweile gehe Steinmeier fest davon aus, dass alle Beteiligten mit diesem Datum verantwortungsvoll umgingen. Eine Sprecherin des Deutschen Olympischen Sportbundes bekräftigt das auf Anfrage. Seit Beginn des Bewerbungsprozesses stehe 2036 als eine mögliche Option im Raum. „Entsprechend haben wir frühzeitig den Austausch mit vielen gesellschaftlichen Akteuren gesucht, beispielsweise dem Zentralrat der Juden.“

Dunkle Wolken am Himmel

Vor 90 Jahren, am 1. August 1936, stehen dunkle Wolken am Himmel, als nach Festgottesdiensten im Berliner Dom und in der Hedwigskathedrale die Spiele im nationalsozialistischen Deutschland beginnen. Den Zuschlag hatte Deutschland noch zu Zeiten der Weimarer Republik erhalten. Hitlers Propagandastrategen, allen voran Joseph Goebbels, wollen nun das NS-Regime, das im Innern schon damals brutal gegen Juden und Oppositionelle vorgeht, als friedliebend und weltoffen darstellen. 

Die 3.963 Aktiven, die Honoratioren und Stars, aber auch die einfachen Zuschauer aus nah und fern sehen nichts von den antisemitischen „Stürmer“-Parolen. Die Verantwortlichen haben vorsorglich verboten, das Hetzblatt auf den Straßen Berlins zu verkaufen. Stattdessen will man die Öffentlichkeit mit technischer Akkuratesse und deutscher Gründlichkeit blenden.
    

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„Deutsche Werkmannsarbeit“

Im Olympiastadion lässt die reichsparteitaggestählte Regisseurin Leni Riefenstahl gut sichtbar imposante Kameras platzieren, die das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven einfangen. Im westlich von Berlin gelegenen Olympischen Dorf in Elstal – übrigens die erste Einrichtung dieser Art mit festen Unterkünften – gilt unterdessen die Devise: „Jedes Schräubchen zeugt von der deutschen Werkmannsarbeit.“ 

Von einer Machtdemonstration spricht Buchautor Oliver Hilmes in seinem Kaleidoskop „Berlin 1936“: „Mit einer Industrienation, die zu solchen Ingenieursleistungen fähig ist, sollte man sich besser nicht anlegen.“ Bis 16. August wird Berlin zum Nabel der Welt. Rund 1.800 Journalisten aus 59 Ländern berichten über die Wettkämpfe. Das Nachtleben erinnert an die wenigen goldenen Jahre der Weimarer Republik. Auch die NS-Größen versuchen, sich gegenseitig mit rauschenden Partys zu übertrumpfen.

Partystimmung allenthalben

Goebbels, Hermann Göring und Joachim von Ribbentrop geben private Empfänge. Zu den Gästen gehört die US-Schwimmerin Eleanor Holm Jarrett, wegen übermäßigen Alkoholgenusses kurz vor den Spielen gesperrt und nun als Society-Reporterin unterwegs. Sie habe einen „Riesenspaß“ bei den Feiern gehabt, zitiert Hilmes aus ihren etwas unbedarften Erinnerungen. „Göring war witzig und sympathisch, wie auch der andere mit dem Klumpfuß.“ 

Und Hitler? Selbst bei dem menschelt es, wenn auch unfreiwillig. Bilder der „Kussattacke“ von Carla De Vries gehen um die Welt. Die Touristin aus den USA drückt dem wild grimassierenden Führer einen Kuss auf die Wange – während das Publikum im Stadion in Gelächter ausbricht. „Herr Hitler von erregter Frau geküsst“, titelt die Presse im Ausland. De Vries selbst gibt zu Protokoll: „Er sah so freundlich und gütig aus.“ So kann man sich täuschen.

Ein Wunderläufer und eine Fliegerstaffel

Der eigentliche Star ist ohnehin ein anderer. Der schwarze „Wunderläufer“ Jesse Owens, ebenfalls aus den USA, drückt den Spielen seinen Stempel auf. Siege über 100 und 200 Meter, im Weitsprung und dazu noch in der 4x100-Meter-Staffel machen ihn zum König der Leichtathletik. 

Während sich Owens und Kollegen im Olympischen Dorf in der Döberitzer Heide auf die Wettkämpfe vorbereiten, sammelt sich wenige Kilometer entfernt die Legion Condor. Die Fliegerstaffel sollte 1937 durch die Bombardierung der Stadt Guernica während des Spanischen Bürgerkriegs in die Geschichte eingehen. Bis zum deutschen Überfall auf Polen und zum Beginn des Zweiten Weltkriegs waren es da nur noch zwei Jahre. 

Joachim Heinz

KNA
Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
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