Kultur und Wissen
09.07.2026

Das dramatische Ende des James Cook

James Cook gehörte im 18. Jahrhundert als „Entdecker“ des Pazifiks zu den bekanntesten Persönlichkeiten des britischen Königreichs. Seine dritte und letzte Reise in die Südsee, die vor 250 Jahren begann, steuerte auf ein schmähliches Ende zu.
    

Darstellung der Auseinandersetzung auf Hawaii am 14. Februar 1779, die für James Cook tödlich endete. Darstellung der Auseinandersetzung auf Hawaii am 14. Februar 1779, die für James Cook tödlich endete. Foto: © imago/World History Archive

„Im Namen Gottes, Amen. Ich, James Cook, Kommandant der Schaluppe ,Resolution‘ Seiner Majestät, bin bei klarem Verstand, im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und meiner Gedächtnisfähigkeit (Gott sei Dank).“ Vor seiner letzten Reise setzte der berühmte Seefahrer und einer der bekanntesten Untertanen des britischen Königs George III. sein Testament auf. Kurz darauf, am 12. Juli 1776, ließ der Captain in der südenglischen Hafenstadt Plymouth die Segel setzen. 

Erneut ging es Richtung Pazifik. Bereits mit seinen beiden vorherigen Reisen hatte Cook Maßstäbe in der Erforschung des riesigen Meeres gesetzt, „das mit seinen 168 Millionen Quadratkilometern größer ist als die gesamte Landfläche der Erde“, so der Historiker und Journalist Frank Vorpahl. Tahiti, Fidschi-Inseln, Neuseeland: Cook erkundete und kartografierte bis dahin den Europäern weitgehend unbekannte Welten. 

Welle des Erfolgs

Vor 250 Jahren, zu Beginn seiner dritten Reise, stand der Sohn eines Tagelöhners und einer Magd auf dem Zenit seiner Karriere. Mitglied der Royal Society, gern gesehener Gast auf Dinnerpartys, dazwischen Porträtsitzungen für das später bekannte Gemälde von Nathaniel Dance-Holland. Cook, in Paradeuniform, hält eine von ihm erstellte Karte der Südsee in der Hand und deutet auf die Ostküste Australiens: Ein Mann, der zeigt, wo es langgeht. 

Tatsächlich jedoch startete der 47-Jährige geschwächt auf seine dritte Pazifik-Reise, wie Frank Vorpahl betont. Der Captain kränkelte. Darunter litten seine Führungsqualitäten. Der bekannteste Mann an Bord sei Steuermann William Bligh gewesen, „der später als Kapitän durch die Meuterei auf der ,Bounty‘ berüchtigt werden sollte – wohl kein Mann, der Cook im Sinne von Ausgleich und Besonnenheit zur Seite stand“, urteilt Vorpahl.
    

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Problem der Nordwestdurchfahrt

Cook und seine Crew hatten laut dem Historiker Wolfgang Reinhard den Auftrag, „das alte Problem der Nordwestdurchfahrt“ zu lösen, also in der Arktis einen Seeweg vom Pazifik in den Atlantik zu finden. Von Tahiti aus nahmen die „Resolution“ und ihr Schwesterschiff, die „Discovery“, Kurs nach Norden. Bevor es weiter in arktische Gewässer ging, machte Cook Anfang 1778 erstmals Station nahe der Insel Hawaii. 

Ein Jahr später kehrte Cook im Anschluss an die erfolglose Suche nach der Nordwestdurchfahrt nach Hawaii zurück. Hier wurden die Europäer zunächst von Herrscher Kalianopuu freundlich empfangen und mehrere Wochen in der Bucht von Kealakekua verpflegt. Am 4. Februar 1779 wollte Cook seine Reise fortsetzen. Ein Mastbruch zwang ihn jedoch zur Umkehr. Erneut ging er deshalb am 11. Februar in der Bucht von Kealakekua vor Anker. 

Ein Sturm braut sich zusammen

Was dann drei Tage später geschah, darüber kursieren verschiedene Versionen. Hatten Cook und seine Mannschaft wissentlich oder unwissentlich Grenzen überschritten, in den polynesischen Kulturen als „Tabu“ bezeichnet? War König Kalianopuu verärgert darüber, dass ihn die Fremden nicht in einer Auseinandersetzung mit der Nachbarinsel Maui unterstützten? Witterte Kalianopuus Hauptfrau Kanekapolei eine Geiselnahme ihres Gatten durch die Europäer? Oder hatte Cook den Bogen überspannt, als er den Diebstahl eines Beibootes ahnden wollte, was normalerweise drakonische Strafen nach sich zog? 

Es kam jedenfalls zu einem Tumult, in dessen Verlauf Cook die Nerven verlor und das Feuer eröffnete, wie Historiker Wolfgang Behringer schreibt. „In Abwehr dieses Angriffs erhielt er von einem hawaiianischen Chief den tödlichen Stoß, ausgeführt mit einem eisernen Dolch, den Cooks Leute bei dem früheren Aufenthalt selbst an die Hawaiianer verkauft hatten.“ 

Unterlegenheit bis heute

Zumeist zogen in der Folgezeit allerdings die Bewohner der Südsee den Kürzeren gegen die Europäer – bis heute. Dass ganze Inselstaaten aufgrund steigender Pegel im Meer zu versinken drohen, ist eine Folge des Klimawandels und damit der westlichen Lebensweise. 

Schon der Deutsche Georg Forster (1754–1794), der Cook auf seiner zweiten Pazifikfahrt begleitete, sah Schatten über der Südsee aufziehen: „Ich bin der Meinung, dass gerade diejenigen Völkerschaften am besten weggekommen sind, die sich immer von uns entfernt gehalten und aus Besorgnis und Misstrauen unserem Seevolk nie erlaubt haben, zu bekannt und zu vertraut mit ihnen zu werden.“ 

Joachim Heinz


KNA
Artikel von KNA
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