Kultur und Wissen
10.07.2026

Eine Größe auf dem Nockherberg

Hannes Burger schrieb 22 Jahre lang die Reden fürs Politiker-Derblecken – davor war er bei der Kirchenzeitung. 
    

Hannes Burger verfasste von 1982 bis 2003 die Reden fürs Derblecken auf dem Münchner Nockherberg. Hannes Burger verfasste von 1982 bis 2003 die Reden fürs Derblecken auf dem Münchner Nockherberg. Foto: © imago/Karo

Nur die Älteren unter uns werden sich noch an jene Zeiten auf dem Münchner Nockherberg erinnern, als die Starkbierprobe vor allem eine Veranstaltung für Männer war – oben auf der Bühne und unten im Publikum. Als der in Zigarettenrauch und Zigarrenqualm getauchte Festsaal vom dröhnenden Gelächter der versammelten Gemeinde erbebte und die vom Salvator-Starkbier geröteten, oft barocken Gesichter der versammelten Politikprominenz von den Kameras eingefangen und ins heimische Wohnzimmer transportiert wurden. Als Volksschauspieler wie Walter Sedlmayr, Max Grießer, Gerd Fischer oder Erich Hallhuber auf dem Podium standen und ihre Fastenpredigen vortrugen – für die als Autor Hannes Burger verantwortlich zeichnete.  

Burger gelang es zwischen 1982 und 2003, in seinen insgesamt 22 Reden den für diesen Anlass sowohl notwendigen wie gewünschten Ton des Derbleckens zu treffen; saftig, mit beißendem Spott und mitunter auch recht deftigem Humor, den jeder der Redner auf seine je eigene Weise interpretierte und vorzutragen verstand – und der in unseren Ohren heutzutage mitunter auch befremdlich wirkt..

Kolumnist und Buchautor

Doch Burger war nicht nur auf dem Nockherberg eine feste Größe, auch in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung nahm er mit seinen Kommentaren, Kolumnen und Glossen eine führende Stellung ein. Als umtriebiger Buchautor gehörte er zudem den Münchner Turmschreibern an. Später war er auch für die „Welt“ und die Bayerische Staatszeitung tätig.  

Doch seine journalistischen Anfänge unternahm der gebürtige Schwabinger, der kurzzeitig mit dem Gedanken spielte, Priester zu werden, bei der Münchener Katholischen Kirchenzeitung (MKKZ), wie das Bistumsblatt der Erzdiözese München und Freising damals noch hieß. Von 1961 bis 1968 gehörte Burger der Redaktion an. Ein Blick in unser Zeitungs-Archiv fördert unzählige Beiträge von ihm zu Tage – Leitartikel, große Recherchethemen, Unterhaltsames, Nachrichten und Kurzmeldungen mit seinem Kürzel „H.B.“. 
    

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Kommentare zu Kolumbien und Biafra

Nur ein paar Beispiele aus dem Jahr 1968 seinen hier stellvertretend kurz angeführt: „Ist Revolution Christenpflicht?“ überschrieb Burger etwa einen Beitrag zur bevorstehenden Papst-Reise zum Eucharistischen Kongress nach Bogotá (Kolumbien). Die befreiungstheologisch ausgerichtete Katholikenbewegung „Camillo Torres“ hatte Paul VI. damals aufgefordert, nicht nach Lateinamerika zu kommen. Im Hintergrund schwebte die entscheidende Frage: Auf welcher Seite der auseinanderklaffenden sozialen Blöcke steht die Kirche? Unterstützt sie auch eine Revolution, um die soziale Ausbeutung gewaltsam zu beenden? 

Mit der umstrittenen Enzyklika „Humanae vitae“ und dem päpstlichen Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung setzte sich Burger in seinem theologisch wie stilistisch äußert akribisch ausgearbeiteten Beitrag „Verantwortliche Elternschaft und die Enzyklika – Argumente für die Gewissensentscheidung der Katholiken“ auseinander. Unter dem Titel „Völkermord mit Hunger und Haubitzen – Der Massenmord in Biafra geht weiter“ rief Burger in der MKKZ zur bistumsweiten Spenden-Akquise für das geschundene afrikanische Land auf, das 1970 nach dem gleichnamigen Krieg wieder in Nigeria eingegliedert wurde. Leichter und volkstümlich-heiter wurde es dagegen in seiner launigen vierteiligen Erzählung „Theater in Zwunsbach – Eine hochdramatische Faschingsgeschichte“..

Von der Kirchenzeitung zur Süddeutsche

Sein Abschied im Blatt war eher unspektakulär: In der Ausgabe vom 22. September 1968 findet sich lediglich folgender kurzer redaktioneller Vermerk: „Der bisherige stellvertretende Chefredakteur der Münchener Katholischen Kirchenzeitung, Hannes Burger, scheidet am Ende dieses Monats nach über siebenjähriger Mitarbeit aus. Alle an ihn persönlich gerichtete Post bitten wir zwecks Weiterleitung als solche zu kennzeichnen. Hannes Burger tritt am 1. Oktober in die Redaktion der ,Süddeutschen Zeitung‘ ein, wo er als Schwerpunktaufgabe die Angelegenheiten der katholischen Kirche in Deutschland wahrnehmen wird.“ 

Nun ist Hannes Burger im Alter von 89 Jahren gestorben, im Bayerischen Wald, wo er die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbracht hatte.


Florian Ertl
Artikel von Florian Ertl
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