Kirchenräume - Orte der Gott-Ahnung?
Wie spirituelle Würde und Ernsthaftigkeit verloren gehen, wenn Sakralräume beliebig verändert werden.
Kirchen müssen spirituelle Räume, Orte der Gott-Ahnung bleiben, meint Florian Ertl. Foto: © AdobeStock - Sebelas Studio (KI-generiert)
Vor Kurzem führte mich ein Ausflug hinaus ins südliche Münchner Umland im S-Bahn-Bereich. Dabei besuchte ich auch die dortige Pfarrkirche, Ende der 1960er Jahre von Kardinal Julius Döpfner geweiht. Die bestimmenden Baustoffe Beton, Glas und Bronze bildeten in Architektur und Einrichtung eine Einheit, namhafte Kirchenkünstler hatten hier ehedem das stimmige Gesamtbild eines modernen Sakralraums in der Formsprache seiner Zeit geschaffen.
Wenn Sakralräume zur Spielwiese werden: Über die Folgen beliebiger Umgestaltung moderner Kirchen
Umso irritierender, ja störender empfand ich die Vielzahl an nachträglich hinzugefügten Elementen: Werke eines Malprojekts aus der Corona-Zeit hingen an den Wänden, dazu kamen stilfremde Skulpturen und diverse Topfpflanzen, Tesafilm an den Glastüren zeugte vom häufigen Plakatieren. Die separate Taufnische mit Taufbecken, ehedem als Brunnen konzipiert, war mit Sitzkissen und Teppichresten ausgelegt und zum Kleinkinder-Aufenthaltsort umfunktioniert worden. Am erschreckendsten: Die bronzenen liturgischen Orte wie Ambo, Tabernakel und Leuchter mussten wohl mit Scheuermittel „gereinigt“ worden sein, die körnigen Rückstände hingen in Fugen und Sockeln, man konnte sie mit den Fingen zerkrümeln.
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Klar, eine Kirche ist kein Museum, sondern vor allem für die liturgische und pastorale Nutzung geschaffen. Aber sie ist auch kein Wohnzimmer, das man mit allem möglichen Mobiliar „zumüllen“ sollte. Wenn hier jeder nach Belieben und Bedürfnis agiert, verliert ein spiritueller Raum seine Sakralität, eines der wichtigsten Elemente unserer Religion. Oder, wie es der Pastoraltheologe Professor Ludwig Mödl ausdrückt: „Feierlichkeit und Ernsthaftigkeit soll ein Mensch in einem Sakralraum spüren. Dann wird ihm die Kirche oder Kapelle zu einem Ort der Gott-Ahnung.“



