Polizeiseelsorgerin mit großem Herzen
Die Rosenheimer Gemeindereferentin Hannelore Maurer ist frischgebackene Polizeiseelsorgerin für den östlichen Teil des Präsidiums Oberbayern Süd.
Hannelore Maurer betreut 2.800 Polizeibeamte und ihre Familien im Gebiet zwischen Altötting und Berchtesgaden. Foto: © privat
„Ich bin selber schon mal an einem Punkt gewesen, an dem ich nicht mehr weiterwusste“, gibt Hannelore Maurer unumwunden zu. Das war nach der Geburt ihres dritten Kindes. Es war eine Totgeburt. „Diese Grenzerfahrung war für mich später dann ganz wichtig in der Notfallseelsorge“, sagt die Rosenheimer Gemeindereferentin rückblickend, „weil ich nicht immer gleich einen Trost haben muss, sondern diesen mitgehenden Gott erfahrbar machen kann, indem ich einfach in einer Situation da bin, mitgehe und aushalte.“ Dadurch fühlt sich die 57-Jährige nun auch gerüstet für ihre neue Aufgabe: Sie ist ab diesem Sommer neben ihrer Tätigkeit in der Stadtkirche und für verschiedene Medien mit einer halben Stelle Polizeiseelsorgerin für den östlichen Bereich des Präsidiums Oberbayern Süd.
Polizeiseelsorgerin: "Hören,
wo ich gebraucht werde"
2.800 Beamte zwischen Altötting und Berchtesgaden sowie deren Familien begleitet Maurer in ihrer neuen Funktion. „Ich denke, dass die Polizeiseelsorge keine Stelle für einen Berufsanfänger ist, weil man da mit vielen Dingen in Berührung kommt, für die man Lebenserfahrung braucht“, betont die dreifache Mutter und bald vierfache Großmutter. „Es ist eben so, dass Polizeibeamte im Zuge ihres Dienstes auch an Grenzen stoßen, sei es bei Unfällen, sei es bei belastenden Einsätzen, sei es, dass sie einfach mit den gemachten Erfahrungen nicht mehr zurechtkommen“, zählt die langjährige Seelsorgerin auf. In solchen Fällen bieten sie und ihre Kollegen aus dem ökumenischen Polizeiseelsorge-Team den betreffenden Polizisten Einzel- oder Gruppengespräche an.
Maurer weiß allerdings auch um die Kirchenferne vieler Polizisten. Sie möchte deshalb „nicht irgendwelche Angebote machen, die niemand will und braucht“. Vielmehr will sie an ihrer neuen Wirkungsstätte erst einmal „hören, wo ich gebraucht werde“, und sich fragen: „Wo schauen Menschen über die Grenzen dieses Lebens hinaus? Wo spüren sie eine Sehnsucht nach einem Sinn für ihr Leben?“ Damit ihr das gelingt, bildet sie sich gerade zur „Seelsorgerin für belastende Einsätze“ weiter.
Dass Grenzsituationen sie auch selbst bewegen, hat die Gemeindereferentin wiederholt bei ihrer Arbeit in der Pfarrei Stephanskirchen und in der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn bemerkt. „Ich habe es in der Notfallseelsorge schon erlebt, dass da Bilder sind, die mich selber belasten, dass bestimmte Einsätze – seien es Suizide oder Verkehrsunfälle – bei mir persönlich etwas auslösen.“ Denn sie sei ein „Mensch mit einem großen Herzen“. Es sei ihre Grenze und zugleich ihre Stärke, dass sie versuche, sich in andere Menschen einzufühlen.
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Polizisten in Krisen Gott ans Herz legen
Das Erlebte verarbeitet Maurer, die mit ihrem Mann Bernhard auf einem Bauernhof in der Gemeinde Rohrdorf lebt, indem sie sich professionell davon abgrenzt – nach dem Heimkommen die Kleidung wechselt, sich duscht und die Haare wäscht – und es im Gebet an Gott abgibt und ihm die betroffenen Menschen ans Herz legt. „Ich sage dann: ,Lieber Gott, ich fahr jetzt nach Hause. Schau jetzt du, dass diese Menschen zur Ruhe kommen, dass sie nicht allein sind, dass sie irgendwann einmal wieder Hoffnung und Trost finden können, dass sie wieder ins Leben zurückgehen können.‘“ Maurer ist nämlich überzeugt, „dass alles, was passiert, einen letzten Sinn hat und dass wir Menschen selbst im Sterben nie in ein Nichts gehen, sondern aufgefangen sind, dass wir an ein großes Ziel heimgehen dürfen und dass wir unsere Liebsten da alle einmal wiedersehen“.
Was lässt sie da so sicher sein? Die Beobachtung sterbender Menschen: „Viele Sterbende, bei denen ich am Bett gesessen bin, haben erst so gekämpft beim Loslassen, aber am Ende war das ganze Gesicht nur noch schön und voller Erlösung.“



