Glaubenswelten
18.07.2026

Glaube, Musik und Bundeswehr

Musik verbindet, Glaube trägt: der evangelische Militärdekan Rüdiger Glufke im Interview über seinen Dienst in der Bundeswehr.
    

Militärseelsorger Rüdiger Glufke. Militärseelsorger Rüdiger Glufke. Foto: © privat

Was hat Sie zu Ihrem Beruf gebracht?

Dass ich Pfarrer werden will, wusste ich bereits mit zehn Jahren. Dass ich jedoch zur Militärseelsorge gekommen bin, war eher Zufall – oder besser gesagt: Fügung. Wesentlich war unter anderem ein Pfarrerkollege, der selbst in der Militärseelsorge tätig ist und mich für diesen Bereich begeistert hat.

Muss ein Militärpfarrer singen können?

Ein „Muss“ ist es sicher nicht. Allerdings sind Musik und Gesang sehr hilfreich, wenn es darum geht, Gemeinschaft mit den Soldaten zu erleben – sei es im Rahmen von Seminaren oder abends am Lagerfeuer während einer militärischen Übung.

Wer hat Ihnen die Musik nahegebracht – die Mutter oder der Vater?

Ich hatte das große Glück, dass meine Eltern mich nie zur Musik „getrieben“ haben. Sie haben sich einfach über jeden meiner musikalischen Fortschritte gefreut. Das hat mich motiviert – ganz zwanglos.

Zufällig durfte ich Ihre Mutter im Altersheim kennenlernen. Sind Sie sehr von ihr geprägt?

Meine beiden Eltern haben mich sehr liebevoll großgezogen und mich bei allem, was ich mir ernsthaft vorgenommen hatte, stets unterstützt. Mein Vater war bei meiner Geburt bereits etwas „lebensälter“ (Jahrgang 1922). Das hat ihm eine wunderbare Reife verliehen, die ich bei den Vätern meiner Klassenkameraden so nicht durchgängig beobachten konnte.

Bei meiner Mutter bewundere ich unter anderem ihre bedingungslose „Zugewandtheit“ zu den Menschen in ihrem Umfeld. Das lebt sie jetzt, frei von jeglichen anderen Aufgaben, auf ganz besondere Art. Sie wirkt auf mich persönlich weniger wie eine Bewohnerin des Seniorenheims als vielmehr wie eine Pflegekraft und Seelsorgerin für die anderen Mitbewohner.


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Was sind Ihre musikalischen Wurzeln?

Mein erstes Instrument, die Melodica, hatte ich mit fünf Jahren in den Händen. In der Grundschule kamen dann Blockflöte und Akkordeon hinzu. Meine eigentliche und bis heute fortwirkende musikalische Prägung habe ich allerdings dem St.-Gotthard-Gymnasium der Benediktiner in Niederalteich und dort vor allem Dr. Konrad Ruhland zu verdanken. Meine entscheidenden Schritte an der Orgel wurden durch den Passauer Domorganisten Walther R. Schuster und seinen Nachfolger im Amt, Monsignore Hans Leitner, geprägt.

Gibt Ihnen die Musik Halt? Und tut sie das auch für die Soldaten?

Musik ist für mich neben meinem Glauben die größte Kraftquelle in meinem Leben. Bei Soldaten erlebe ich vor allem, dass Musik sehr schnell Emotionen auslösen kann, insbesondere wenn es sich um Lieder oder Musikstücke handelt, die mit Einsatzerfahrungen verbunden sind.

Gibt es einen Soldatenchor?

Es gibt das Heeresmusikkorps – ein Orchester, das aus Profimusikern besteht. Genauer gesagt gibt es mehrere Heeresmusikkorps an verschiedenen Standorten. Außerdem gibt es Big Bands und Gesangsformationen innerhalb der Bundeswehr. Einen eigentlichen Soldatenchor, der beispielsweise wie ein Polizeichor durch die Lande reist und konzertiert, gibt es allerdings nicht. Das wäre vielleicht noch eine Lücke, die es zu schließen gilt.

Welche Musik bringt Sie zum Weinen, welche zum Lachen?


Die beiden Passionen Johann Sebastian Bachs rühren mich zutiefst an. Wenn sie gut und inspirierend musiziert werden, dann spüre ich deutlichen Druck auf die Tränendrüsen. Lachen muss ich selten bei Musik. Allerdings fühle ich mich durch gute Musik unterschiedlichster Couleur häufig sehr erfüllt, gekräftigt und rundum fröhlich.

Welcher Geist führt Sie in den schweren Momenten Ihres Berufes?

Die Gewissheit, dass ich von Gott getragen, geliebt und geführt bin. Das bewirkt in mir große Dankbarkeit, Gelassenheit und hin und wieder eine echte Angstfreiheit.

Was wünschen Sie sich am meisten in diesen Zeiten stetig zunehmender Konflikte – auch in Europa?

Etwas mehr Genügsamkeit innerhalb unserer Bevölkerung. Den Willen, einen Beitrag für die Gemeinschaft in unserem Land zu leisten, und damit auch die Bereitschaft, im Rahmen eines allgemeinen Dienstes Fähigkeiten zu erlernen, die dem Einzelnen helfen und gleichzeitig dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft widerstandsfähiger werden.

Zur Person

Rüdiger Glufke ist Enkel eines evangelischen Pfarrers. Er ist in Niederbayern aufgewachsen, hat am musischen Gymnasium Niederalteich Abitur gemacht, anschließend evangelische Theologie studiert und ist heute Familienvater von drei Kindern.

Er hat lange eng mit dem früheren Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, zusammengearbeitet. Heute ist er evangelischer Militärdekan der Bundeswehr am Standort Cham in der Oberpfalz und in dieser Funktion auch häufig in Krisengebieten unterwegs.

Monika Drasch
Artikel von Monika Drasch
Musikerin, Podcasterin
Alpenrock-Fans kennen sie als die Frau mit der Grünen Geige. "Lieder zwischen Himmel und Erde" heißt ihr monatlich erscheinender Podcast auf innehalten.de.