Radpilgern: Glaube auf zwei Rädern
Pilgerbegleiterin Bernadette Steiner erzählt, wie sie auf dem Jakobsweg ihren Mann kennenlernte, warum sie heute lieber mit dem Fahrrad pilgert und was ihre besondere Radpilger-Tour rund um München so einzigartig macht.
Foto: © AdobeStock - GDM photo and video
Pilgern ist für Bernadette Steiner weit mehr als Bewegung von A nach B. Es ist eine Lebenshaltung, eine spirituelle Suche – und letztlich auch der Beginn einer großen Liebe. Die heute in Mammendorf bei Fürstenfeldbruck lebende Pilgerbegleiterin kam über den klassischen Jakobsweg zum Pilgern. Auf ihrer Route Richtung Santiago de Compostela lernte die gebürtige Schweizerin ihren heutigen Mann kennen. „Wenn man sich beim Pilgern begegnet und beschließt, den Lebensweg gemeinsam weiterzugehen, bekommt das Ganze eine ganz besondere Tiefe“, sagt sie.
Diese Erfahrung prägt ihr Leben bis heute. Pilgern hat für Steiner einen hohen Stellenwert – unabhängig von Kirchenzugehörigkeit. Sie bezeichnet sich selbst als gläubig, aber konfessionslos. Für sie geht es weniger um Institutionen als um persönliche Spiritualität, um das bewusste Unterwegssein und das Innehalten. Aus dieser inneren Motivation heraus ließ sie sich schließlich von der Evangelischen Kirche in Bayern zur Pilgerbegleiterin ausbilden und gibt ihre Erfahrungen seitdem an andere weiter.
Vom Pilgerweg zur gemeinsamen Lebensreise
Der Jakobsweg wurde für Bernadette Steiner zum Wendepunkt. Aus einer persönlichen Reise entwickelte sich nicht nur eine Partnerschaft, sondern auch eine gemeinsame Leidenschaft. Beide verbindet bis heute das Pilgern – als Paar und als gemeinsame Lebensaufgabe.
Mit den Jahren jedoch veränderten sich die körperlichen Voraussetzungen. Lange Strecken zu Fuß wurden anstrengender, gleichzeitig blieb der Wunsch, weiter unterwegs zu sein. So entstand der Wechsel zum Radpilgern. Für Steiner war das kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung: „Ich bin schon immer gern Rad gefahren. Das Pilgern mit dem Fahrrad hat sich ganz natürlich ergeben.“
Eine prägende Erfahrung war eine mehrwöchige Tour von Mammendorf bis nach Santiago, die sie teilweise gemeinsam mit ihrer Tochter unternahm. Spätestens danach war klar: Das Radpilgern ist gekommen, um zu bleiben.
Radpilgern bewusst erleben
Auch wenn das Fahrrad neue Möglichkeiten eröffnet, unterscheidet sich diese Form des Pilgerns deutlich vom klassischen Fußweg. Während sich beim Gehen oft automatisch eine meditative Haltung einstellt, braucht es beim Radfahren mehr bewusste Pausen. „Man muss sich aktiv Zeit nehmen, anhalten, in eine Kirche gehen oder einen Gedanken wirken lassen“, erklärt Steiner.
Mit dem Fahrrad zu pilgern, ist ihre Leidenschaft geworden: Bernadette Steiner. Foto: © SMB/Hasel
Ein weiterer Unterschied liegt in der Begegnung: Fußpilger treffen sich häufig wieder und wachsen zu Gruppen zusammen. Radpilger hingegen bleiben eher für sich. Gerade diese Ruhe kann jedoch Raum für intensive persönliche Reflexion schaffen. Für Steiner ist klar: Pilgern beginnt im Inneren – unabhängig vom Fortbewegungsmittel.
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Radpilgern rund um München entdecken
Diese Erfahrung möchte Bernadette Steiner weitergeben – etwa bei ihrer zweitägigen Radpilger-Tour im Juli rund um München. Die Strecke führt über rund 110 Kilometer von Jakobskirche zu Jakobskirche und verbindet städtische Eindrücke mit überraschend viel Natur. „Es ist faszinierend, wie schnell man aus der Stadt heraus in eine ruhige, grüne Umgebung kommt“, sagt sie.
Die Tour ist bewusst als niederschwelliges Angebot konzipiert. Pro Tag werden etwa 55 Kilometer in gemütlichem Tempo zurückgelegt, sowohl mit E-Bike als auch mit klassischem Fahrrad. Große sportliche Fitness braucht es nicht – vielmehr geht es um das gemeinsame Erleben.
An jeder Station gibt es kurze Impulse, Gebete oder Denkanstöße zur Geschichte des Apostels Jakobus. Die Teilnahme daran ist freiwillig. Ergänzt wird das Programm durch gemeinschaftliche Elemente wie ein Picknick, eine Einkehr ins Wirtshaus und die Übernachtung mit der Gruppe in Vier-Bett-Zimmern einer Jugendherberge.
Für Steiner steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: „Pilgern ist für alle da. Man muss nicht besonders religiös sein – nur offen für sich selbst und bereit, sich auf den Weg einzulassen.“ Genau diese Mischung aus Bewegung, Begegnung und innerer Einkehr macht das Radpilgern für sie so besonders – und für viele zu einer ganz neuen Erfahrung.
18.–19. Juli 2026: Zweitägige Radpilger-Tour auf dem „JakobsKirchenWeg“ rund um München mit Bernadette Steiner.
Die rund 110 km lange Strecke verbindet sieben Jakobskirchen, Natur und Stadt. Begleitung durch erfahrene Radpilger, Reparaturfahrzeug inklusive. Anmeldung bis 10.05.2026 unter: beni.steiner@gmx.de oder im Spirituellen Zentrum St. Martin München (https://stmartin-muenchen.de/pilgern).



