Neupriester
Gott lässt sich finden
Am Samstag, 27. Juni, empfangen Martin Brenninger, Christian Elsen und Stephan Jeong von Kardinal Reinhard Marx die Priesterweihe. Wir trafen sie vorab und sprachen mit ihnen über ihre Berufungswege.
Die Weihekandidaten 2026 (von links): Stephan Jeong, Martin Brenninger und Christian Elsen. Foto: © Ertl
Der Vater ist Ortsvorsteher der Marianischen Männerkongregation, die Mutter gestaltet Wort-Gottes-Feiern mit, ist Kommunionhelferin und Lektorin – und Martin Brenninger selbst war lange Jahre Ministrant in seiner Heimatpfarrei St. Martin in Geisenhausen im Landkreis Landshut. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für die Berufung zum Priesteramt. „Meine Eltern waren mir immer Vorbilder im Glauben“, sagt er ohne Zögern. Nach der Realschule besuchte Brenninger das Spätberufenenseminar in Waldram, dann entschied er sich für die Theologie, sein Studienfreijahr verbrachte er in Wien.
Als „eine Gemeinschaft von Suchenden, die in ihrem eigenen Leben nach Gott fragen“, hat der heute 30-Jährige die Kirche von frühester Kindheit an erlebt. „Gott lässt sich finden“, davon ist Brenninger überzeugt. Der Priester ist für ihn dabei jemand, der die Menschen zum Gottesdienst versammelt, sie auf ihrer Suche nach dem verborgenen Gott an der Hand nimmt und begleitet. „So ein Priester möchte ich sein.“
Immer wieder den Mut haben umzukehren
Wichtig sei, „sich stets selbst zu prüfen, an die eigene Nase zu fassen und zu hinterfragen: ,Was bedeutet eigentlich Jüngerschaft? Womit ist der jesuanische Lebensstil des priesterlichen Lebens verbunden und wie schaut dieser konkret bei mir aus?‘ Da muss man dann auch immer wieder den Mut haben, umzukehren und sich zu erneuern.“ Dabei sei man nicht allein, sondern könne von den Mitmenschen viel lernen.
„Jesus ist meine Nummer 1 im Leben“, kann er heute, kurz vor seiner Weihe, erklären. Aber auch der Alltag einer Familie ist ihm aufgrund seiner beiden älteren Geschwister, die beide verheiratet sind und bereits Kinder haben, nicht fremd: „Da habe ich schon auch meine Onkel-Verpflichtungen“, freut er sich.
„Der schönste Beruf der Welt für mich“
Die Liturgie am Münchner Liebfrauendom hat Christian Elsen (31) stark geprägt. Hier war er zuerst Domsingknabe, später Ministrant, wie übrigens auch seine drei jüngeren Brüder. Hier habe er den Glauben „als große und schöne Lebensperspektive“ kennengelernt. Seine Entscheidung, Priester zu werden, war für ihn daher nur logisch: „Ich bin der Überzeugung, dass dies der schönste Beruf der Welt für mich ist. Er hat mich mit Haut und Haar angezogen. Es gibt doch nichts Schöneres, als von dieser wunderbaren Botschaft und von diesem Gott zu erzählen und Sakramente zu spenden, in denen diese Liebe Gottes im Leben der Menschen spürbar wird.“
Elsen stammt aus einer „ganz normal katholisch sozialisierten Familie“ in der Pfarrei St. Emmeram im Stadtteil Englschalking. In seiner Heimatstadt hat er Theologie studiert, 2024 wurde er in Salzburg im Fach Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit promoviert. Elsen arbeitete als Bildungsreferent beim Hilfswerk missio München, schnupperte auch beim Bayerischen Rundfunk in die Fernseharbeit hinein. Doch der Wunsch, Priester zu werden, ließ ihn nicht los. Im Gebet und mit geistlicher Begleitung reifte der Plan in all den Jahren trotz mancher Zweifel und wurde schließlich zur Gewissheit.
„Ich will ein Vermittler, Verkünder, Begleiter und Helfer auf dem Weg des Glaubens sein, der ein guter und hoffnungsvoller Weg ist“ – so versteht Elsen seine zukünftige Rolle für die ihm anvertrauten Menschen. Dabei will er „Freude ausstrahlen und mit Dankbarkeit auf das Leben schauen“.
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Aus der Mega-City Seoul ins „Städtchen München“
Aus der pulsierenden südkoreanischen Zehn-Millionen-Mega-City Seoul in das „Städtchen München“, wie er die bayerische Landeshauptstadt liebevoll nennt – es war ein großer und unglaublich mutiger Schritt, den Stephan Jeong im März 2021 vollzogen hat. Professoren im Priesterseminar von Seoul hatten für München und den Wechsel geworben. Nach längerem Überlegen traute es sich Jeong tatsächlich zu.
Einer, der ihn von diesem Schritt ins Ausland überzeugte, war Michael Shin, heute der Subregens im Münchner Priesterseminar. Dieser wirkte lange bei Pfarrer Rainer Schießler in St. Maximilian. Und so wohnte Jeong nach seiner Ankunft auch einige Zeit im dortigen Pfarrhaus. inzwischen ist er im noch viel ländlicheren Pfarrverband Partenkirchen tätig: „Ich bin zwar eine typische Großstadtpflanze, aber hier gefällt’s mir. Die Menschen sind sehr freundlich zu mir, und solange ich nicht Bairisch sprechen muss, passt’s scho.“
In Crash-Sprachkursen Deutsch gelernt
Sein Theologiestudium hatte Jeong nach seinem zweijährigen Militärdienst noch in seiner Heimat begonnen, in München schloss er es schließlich erfolgreich ab. Und das, obwohl er bei seiner Ankunft nur Englisch verstand. Deutsch musste er sich in harten Crash-Sprachkursen aneignen, die einzelnen Vorlesungen nahm er auf und hörte sie zum Anfertigen seiner Mitschriften immer und immer wieder an. „Damals gab es noch nicht so gute Übersetzungs-KIs. Heute ist das alles ganz anders und viel leichter“, lacht er.
In Seoul stammt er aus einer gläubigen Familie, sein jüngerer Bruder wurde im Februar 2025 zum Priester geweiht. Nun ist also er an der Reihe. Eine große Delegation aus der Heimat hat sich zur Weihe angekündigt. Jeong freut sich auf sein zukünftiges Wirken: „Als Priester bin ich für die Gemeinde und das Volk Gottes da. Jesus ist dabei meine Lebensquelle.“



