Glaubenswelten
12.06.2026


800. Todesjahr

Schaut auf das, was wirklich trägt!

Wir stehen im Gedenkjahr zum 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi. Bruder Markus Fuhrmann, Provinzialminister der Deutschen Franziskaner, erläutert, was er von der Ausstellung der Reliquien des Heiligen hält und was der Ordensvater für ihn bedeutet.
  

Vier Wochen lang waren in diesem Frühjahr die sterblichen Überreste des heiligen Franziskus in der Basilika San Francesco in Assisi zu sehen. Mehr als 370.000 Menschen aus aller Welt besuchten die ungewöhnliche Schau zum 800. Todestag des Ordensgründers. Vier Wochen lang waren in diesem Frühjahr die sterblichen Überreste des heiligen Franziskus in der Basilika San Francesco in Assisi zu sehen. Mehr als 370.000 Menschen aus aller Welt besuchten die ungewöhnliche Schau zum 800. Todestag des Ordensgründers. Foto: © Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Bruder Markus, welche Bedeutung besitzt für Sie so ein Gedenkjahr wie das derzeitige zum 800. Todestag des heiligen Franziskus? 

Ein Gedenkjahr ist immer eine Chance, auf die Anfänge zu schauen, und in diesem Fall auch auf das Ursprungs-Charisma unserer franziskanischen Ordensfamilie. Im christlichen Glauben ist Jesus Christus die zentrale Person, und natürlich auch für uns Franziskaner, aber Franz von Assisi ist dann noch einmal so ein zweiter Anlauf in diese Richtung als „zweiter Christus“, wie er auch genannt wurde. 

Waren Sie im Frühjahr in Assisi, wo erstmals die Reliquien Ihres Ordensvaters zur Verehrung ausgestellt wurden?

Das war ich nicht. Und ich muss auch zugeben, ich habe mich etwas schwer damit getan. Das sage ich jetzt als jemand, der in Norddeutschland groß geworden ist und eher ein Kind der Diaspora ist und sich mit so etwas wie Reliquienverehrung von Haus aus etwas schwertut. Mir ist aber völlig klar, dass dies kulturell abhängig ist und dass es für viele Menschen etwas ganz, ganz Kostbares und Bedeutungsvolles gewesen ist, Franz von Assisi in seinen sterblichen Überresten sehen zu dürfen, wenn auch nur für die paar Bruchteile einer Sekunde. Ja, ich kann das nachvollziehen, meins ist es aber nicht so.  

Was hätte Ihrer Meinung nach wohl der heilige Franziskus dazu gesagt?

Ich glaube, er hätte den Kopf geschüttelt und vielleicht auch geschmunzelt. Ohne anmaßend zu erscheinen, ich glaube, Franz hätte gesagt: „Klammert euch nicht an irgendwelche Knochen oder Äußerlichkeiten, sondern lasst euch von der Botschaft des Evangeliums treffen und lebt es selber! Sucht Gott auf der Straße, im Staub, bei den Armen und in der Schöpfung! Und ihr werdet ihn dort finden und dann braucht ihr keine Knochen.“ 
  

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Wer ist der heilige Franziskus für Sie?


Ein Bruder. Ich sage das aus einer Erfahrung im Noviziat heraus. Es war bei uns ganz lange üblich, in dieser Zeit in kleinen Gemeinschaften mit Brüdern zusammenzuleben, die Arbeiterpriester waren und in die Fabriken gingen. Ich war damals bei Bruder Karl Möhring, der in Bochum bei Opel am Fließband arbeitete. Sechs Wochen habe ich damals Autositze für den Opel Astra zusammengebaut. Eines Tages besuchte uns eine Journalistin. Sie fragte die Nachbarn in der Obdachlosensiedlung, in der Karl wohnte: „Was für ein Typ ist denn dieser Möhring?“ Und in der Sprache des Ruhrpotts antworteten ihr die Menschen: „Och jo, der Karl, dat is für uns eigentlich so etwas wie ein Bruder.“ Darüber hat er sich gefreut und mich hat es sehr berührt. „Bruder sein“ oder „Schwester sein“ und geschwisterlich mit den Menschen unterwegs sein – ich denke, genau das ist franziskanisch. Und wenn das gelingt, dann ist das für mich gelungenes Leben. 

Was würde der heilige Franz 800 Jahre nach seinem Tod seinen Mitbrüdern in Deutschland wohl mit auf den Weg geben?

Als solidarischer Bruder und ganz und gar vom Evangelium begeisterter und durchdrungener Mann könnte er vielleicht sagen: „Lebt die Botschaft Jesu Christi! Ihr macht euch, wie ich sehe, so viele Gedanken um Strukturen, Häuser, um das, was ihr habt, und wie man das alles in die Zukunft bringen könnte. Meine Erfahrung war, je weniger wir haben, desto freier sind wir. Ich weiß, das ist für euch alle schwer und ihr seid auch alle recht in die Jahre gekommen, aber schaut dennoch auf das, was wirklich trägt – schaut auf den Glauben!“

Bruder Markus Fuhrmann ist Provinzialminister der Deutschen Franziskaner, der Sitz des Provinzialats befindet sich im Münchner Kloster St. Anna. Bruder Markus Fuhrmann ist Provinzialminister der Deutschen Franziskaner, der Sitz des Provinzialats befindet sich im Münchner Kloster St. Anna. Foto: © Deutsche Franziskanerprovinz
Unter dem Titel „LebensKunst. 800 Jahre Franz von Assisi“ findet im Dommuseum Salzburg bis zum 2. November eine große Ausstellung zum Leben des heiligen Franziskus mit Exponaten aus Österreich, Südtirol, Deutschland und der Schweiz statt. Das Besondere: In den Ausstellungsräumen stehen franziskanische Ordensleute den Besucherinnen und Besuchern für Fragen nach ihrem Leben und dem Erbe von Franziskus zur Verfügung.
Florian Ertl
Artikel von Florian Ertl
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