Teamplayer in krisenreicher Zeit
Am 24. Februar 2026 wählt die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg einen neuen Vorsitzenden. Der bisherige Bischofskonferenz-Vorsitzende, Georg Bätzing, kandidiert nicht für eine zweite Amtszeit. Der Limburger Bischof begründet dies mit der Erfahrung, dass die deutschen Bischöfe nicht mit einer Stimme in jeder Frage sprechen. Ein Rückblick.
Steht nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung: Bischof Georg Bätzing. Foto: © IMAGO / epd
Seit fast sechs Jahren steht der Limburger Bischof Georg Bätzing (64) an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. In den vergangenen Monaten war spekuliert worden, ob er für eine zweite Amtszeit antritt. Noch im Dezember 2025 hielt sich Bätzing eine Kandidatur offen und sagte: „Das werden wir sehen.“ Bis zur Wahl bei der Frühjahrsvollversammlung Ende Februar 2026 sei noch Zeit, um sich das gut zu überlegen.
Mittlerweile hat Bätzing angekündigt, dass er im Februar den Vorsitz abgibt. „Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden“, schreibt er in einem Brief an die Mitglieder der Bischofskonferenz, ohne nähere Gründe für seine Entscheidung zu nennen.
Streit in der Deutschen Bischofskonferenz: Warum Bätzing die fehlende Einigkeit belastet
Es laste auf ihm, dass die deutschen Bischöfe „nicht mit einer Stimme in jeder Frage reden“, sagte Bätzing allerdings im Dezember dem Deutschlandfunk. Für jedermann war seit Jahren sichtbar: Immer wieder hatten die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke der Bischofskonferenz bei Kirchenreformen einen Strich durch die Rechnung gemacht.
So gingen insbesondere beim Reformprozess Synodaler Weg die Meinungen auseinander. Dabei könne er aber nicht nur moderieren, betonte Bätzing. „Da muss ich als Vorsitzender auch vorangehen und deutlich machen, was mir wichtig ist.“ Und Bätzing ging voran, war reformwillig und trotzte auch Gegenwind aus Rom. Wenn Kritiker dem 2019 gestarteten Reformdialog vorwarfen, zu einer Abspaltung von Rom zu führen, machte Bätzing deutlich, dass kein deutscher Bischof auch nur entfernt in diese Richtung denke und dies auch nie Ziel der katholischen Laien gewesen sei.
DBK-Erklärung gegen völkischen Nationalismus:
Bischöfe kritisieren die AfD
Bätzing betonte aber auch, dass die Bischofskonferenz kein zerstrittener Haufen sei: In etwa 80 Prozent der Fälle seien sich die 27 Diözesanbischöfe einig, etwa bei der ablehnenden Haltung gegenüber völkischem Nationalismus und beim Lebensschutz.
Unter Bätzings Ägide wurde im Februar 2024 eine weithin beachtete Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ veröffentlicht. Darin hatten die katholischen Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und damit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen charakterisiert.
Bätzing wurde am 13. April 1961 im rheinland-pfälzischen Kirchen (Sieg) geboren und wuchs in der nahe gelegenen 4.000-Einwohner-Gemeinde Niederfischbach auf. Eines war ihm seit Jahren klar: Die Volkskirche, in der er aufwuchs als Sohn eines Bahnangestellten und einer Hausfrau, gehört der Vergangenheit an. „Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei, und sie wird nicht wiederkommen“, sagte Bätzing: „Wir müssen ganz andere Wege gehen, um mit Menschen die Perspektive des Glaubens zu entdecken.“
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Krisen zum Amtsstart 2020: Corona, Missbrauchsaufarbeitung und der Konflikt um Kardinal Woelki
Als Bätzing am 3. März 2020 zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger des Münchner Kardinals Reinhard Marx gewählt wurde, konnte er jedoch nicht ahnen, was folgen würde: Erst kam Corona, dann auch noch die Debatte um Missbrauchsaufarbeitung und mangelnde Transparenz im Erzbistum Köln. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen um den Kölner Kardinal Woelki.
Beim Umgang mit sexuellem Missbrauch warb Bätzing für einen innerkirchlichen „Kulturwandel“. Eine im Bistum Limburg von ihm in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie hatte gezeigt, dass es in der Diözese Vertuschung von Missbrauchsfällen gab. Zu wenig sei den betroffenen Kindern und Jugendlichen geglaubt worden. Hier sei eine „Umkehrung des Denkens“ nötig. Nur durch Transparenz könne man neues Vertrauen gewinnen, sagte Bätzing.
Teamplayer Bätzing in der Krise -
Wahlspruch: „Führe zusammen“
Bätzing sah sich nie als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer. Als er 2016 zum Bischof von Limburg geweiht wurde, wählte er den Wahlspruch „Congrega in unum – Führe zusammen“. Trotz krisenhafter Zeiten hat sich Bätzing seine Gelassenheit bewahrt – und im Amt an Profil gewonnen.
Beate Gilles als Generalsekretärin: Erste Frau in einem Spitzenamt der Deutschen Bischofskonferenz
Einen kleinen Befreiungsschlag für die katholische Kirche in Deutschland schaffte Bätzing auch durch die Wahl einer Frau zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz. Er kannte Beate Gilles schon seit Jahren, sie war in seinem Bistum für das Thema Familie zuständig. Und dass die Deutsche Bischofskonferenz als erste größere Bischofskonferenz der Welt eine Frau in dieses wichtige Amt gewählt hat, wird man künftig auch mit dem Namen Bätzing verbinden.
Norbert Demuth



