Glaubenswelten
23.07.2026


Christliche Kleindenkmale

Marter, Kreuz und Pest

Zu christlichen Kleindenkmalen in freier Natur zählen Flur-, Feld- und Wegkreuze, Marterl, steinerne Säulen und Bildstöcke. Manche von ihnen tragen sogar einen amtlichen Namen. Wir haben 25 solcher Objekte im Erzbistum München und Freising ausfindig gemacht.
   

Das Timotheuskreuz bei Einhaus (Gemeinde Warngau). Das Timotheuskreuz bei Einhaus (Gemeinde Warngau). Foto: © Burghardt
Als Martersäulen oder Martern werden meist steinerne oder auch hölzerne Säulen bezeichnet, die oftmals an lokale Ereignisse erinnern und mit religiösen Bildmotiven verziert sind – oder waren. Ein prächtiges Exemplar ist die stark verwitterte Weiße Marter aus dem 16. Jahrhundert im Ebersberger Forst (Bild unten). Im selben Waldgebiet verzeichnet die Landkarte noch drei weitere, hier nicht abgebildete Säulen: die Hubertsäule, die Ettelsäule und die Sebastiansäule, Letztere ist fast 600 Jahre alt.

Weiße Marter im Ebersberger Forst. Weiße Marter im Ebersberger Forst. Foto: © Burghardt
Ebenfalls vom Zahn der Zeit gezeichnet sind die (heute nicht mehr grüne) Grüne Martersäule (Bild unten) und die Weiße Marter, beide auf dem Taubenberg zwischen Holzkirchen und Miesbach. Auf der Weißen Marter waren vor zehn Jahren noch gut erkennbare Heiligenbilder angebracht, heute sind sie nicht mehr vorhanden. Grüne Marter heißt auch eine Holzsäule mit Bildmotiven am Schindelberg in der Gemeinde Dietramszell.

Grüne Martersäule auf dem Taubenberg zwischen Holzkirchen und Miesbach. Grüne Martersäule auf dem Taubenberg zwischen Holzkirchen und Miesbach. Foto: © Burghardt
Im Forstenrieder Park südlich von München ist noch eine weitere Grüne Marter mitsamt einer erklärenden Tafel zu finden (Bild unten). Dieses klassische Marterl wurde in seiner ursprünglichen Form schon vor Jahrhunderten für einen Jäger errichtet, der von einem Wilderer erschossen worden war. Alte Karten verzeichnen die Grüne Marter rund 250 Meter weiter nordwestlich an einer anderen Stelle; tatsächlich wurde der Gedenkort erst vor einigen Jahren an seinen heutigen Standort versetzt, damit er sich außerhalb der Wildschutzzone befindet und leichter von Wanderern gefunden werden kann.

Die Grüne Marter im Forstenrieder Park südlich von München. Die Grüne Marter im Forstenrieder Park südlich von München. Foto: © Burghardt

Wundersame Heilung

Eine besondere Geschichte ist mit dem Heiligen Kreuz im Freisinger Forst bei Wippenhausen verbunden (Bild unten): Zwei Jäger fanden im Jahr 1670 ein zerbrochenes Kreuz und hängten es an einem Baum auf. Jahre später wurde dem Kreuz eine wundersame Heilung zugeschrieben, man übertrug es nach Wippenhausen, und eine Wallfahrt entwickelte sich. Das Kreuz selbst ist verschollen, aber eine Säule am Originalfundort – ab 1728 eine hölzerne, seit 1842 die heutige steinerne – erinnert an das Geschehen. Bis heute kommen Gläubige hierher, beten und bringen Votivgaben.

Heiliges Kreuz im Freisinger Forst bei Wippenhausen. Heiliges Kreuz im Freisinger Forst bei Wippenhausen. Foto: © Burghardt
Ein außergewöhnliches Denkmal ist das Timotheuskreuz bei Einhaus (Gemeinde Warngau), ein zweiteiliger Gedenkstein aus Tuffstein. Es ist nach Timotheus Apian benannt, dem Bruder des berühmten Kartografen Philipp Apian. Timotheus begleitete Philipp Apian auf dessen Reisen durch Bayern zur ersten Landesvermessung und verunglückte am 10. September 1562 bei Einhaus durch einen Sturz vom Pferd tödlich. Zur Erinnerung an Timotheus ließ Philipp Apian die Gedenksteine am Unglücksort errichten, wo sie heute noch stehen. Er zeichnete die Stelle auch mit einem Kreuzsymbol in seine 1568 fertiggestellte Landkarte ein.

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Tödliches Zusammentreffen

Weitere Wegkreuze, die mit einem eigenen Namen in der amtlichen Karte stehen, sind das Schwarze Kreuz am Schindelberg, das Schwarze Kreuz und das Steinerne Kreuz in der Langen Au bei Kreuth, das Rote Kreuz in den Isarauen zwischen Waldram und Gartenberg sowie das Wimmerkreuz bei Reit im Winkl. Das Husarenkreuz auf dem Standortübungsplatz Traunstein ist eine Nachbildung eines Gedenkkreuzes für einen 1704 hier getöteten Bauern, das Original befindet sich im Stadtmuseum Heimathaus Traunstein. Das Jägerkreuz am Hohen Brett in den Berchtesgadener Alpen erinnert auf fast 2.200 Meter Höhe an ein tödliches Zusammentreffen zwischen einem Jäger und einem Wilderer.

Zu den benannten Bildstöcken zählen St. Leonhard bei Reichertshausen an der Ilm (Bild unten), die Schlechtenberger Kapelle (die tatsächlich nur ein Bildstock ist) sowie „Bei unserer Lieben Frau“, letztere beide an der Kampenwand.

St.-Leonhard-Bildstock bei Reichertshausen an der Ilm. St.-Leonhard-Bildstock bei Reichertshausen an der Ilm. Foto: © Burghardt
An die Pandemien des „Schwarzen Todes“, die in Oberbayern bis ins 17. Jahrhundert wüteten, erinnern Pestkreuze (etwa im Wald zwischen Stephanskirchen und Prutting, zwischen Söchtenau und Vogtareuth sowie bei Gigling nahe Traunreut) und Pestsäulen (Bild unten: in Kranzberg mit Darstellung des heiligen Korbinian; zudem an der Isar südlich von Lenggries). 

Pestsäule mit Darstellung des heiligen Korbinian in Kranzberg. Pestsäule mit Darstellung des heiligen Korbinian in Kranzberg. Foto: © Burghardt

Alle genannten Objekte sind nicht nur – wie sonst üblich – als unbeschriftetes Kreuzsymbol, sondern auch namentlich in der Topographischen Karte Bayerns verzeichnet. Fast alle sind seit über 100 Jahren kartografisch erfasst. Die heutigen wie auch die historischen Karten sind online kostenlos unter www.bayernatlas.de einsehbar.

Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.