Glaubenswelten
07.02.2026

Neubeginn mit Musik

Christuskirche im oberbayerischen Utting am Ammersee: Interview mit Pfarrerin Alexandra Eberhardt über Brand, Neubau und die Kraft des Singens.
    

Alexandra Eberhardt (Mitte). Alexandra Eberhardt (Mitte). Foto: © Bild: privat.

Im August 2021 ist in Utting die fast 100 Jahre alte evangelische Christuskirche abgebrannt. Was denkt man als Pfarrerin, wenn das Telefon im Urlaub klingelt und am anderen Ende gesagt wird: „Ihre Kirche ist abgebrannt?“ 

Da habe ich gar nicht gedacht. Es hat sich eine Schockstarre eingestellt. Dann habe ich unsere Kirche gegoogelt und langsam drang es in mein Hirn: Das ist wirklich passiert. An diesem Tag haben wir in den Überlebensmodus geschaltet: Sachen packen, auschecken auf dem Campingplatz in Italien, zur Corona-Teststation und heimfahren.

Was war der erste Gedanke? Was gab Hoffnung? 

Meinem Mann und mir kam relativ bald das Bild von dem Hirten und der Herde. Unsere Aufgabe ist jetzt, die Herde zusammenzuhalten, Raum zum Trauern zu geben und zu beschützen. Wir haben dann am Sonntag nach dem Brand einen Abschieds-, Trost- und Hoffnungsgottesdienst gefeiert. Jede und jeder konnte erzählen, was die Kirche ihr bzw. ihm bedeutet hat. Unmengen von Blumen wurden am Bauzaun befestigt. Das gab mir große Hoffnung. Ich fühlte mich geborgen in einer starken Gemeinschaft, die zusammen und mit Gottes gutem Geist zu ganz viel fähig ist. 

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Grundsteinlegung der neuen Kirche war im Sommer 2024, die Einweihung der neuen Christuskirche im Dezember 2025. Ein Turbotempo. Wie konnte das gelingen?

Ein Sprichwort sagt: „Not macht erfinderisch.“ Und ich würde ergänzen: Not schweißt zusammen. Ganz viele Menschen haben dazu beigetragen, dass die Kirche aus Holz zügig wieder aufgebaut werden konnte: Menschen in der Gemeinde, im Kirchenvorstand und den Ausschüssen; Menschen, die gespendet und gebetet haben und Menschen, die Hand angelegt haben – beim Schepsen der Fichten für die Außenfassade. Außerdem Handwerksbetriebe und der Architekt, Menschen in Ämtern und bei der Versicherung, die Kommune und unser Landesbischof. Es gab ein gemeinsames Ziel, und zusammen waren wir stark! 


Welche Bedeutung hat Musik für Sie? 

Ich mag den alten Satz: „Wer singt, betet doppelt.“ In meiner Spiritualität erlebe ich eine Gottesnähe und eine Kraft durch Worship-Lieder, Gospels, aber auch Choräle. Hier geht das Evangelium direkt ins Herz. Und gerade auf Freizeiten erlebe ich eine Gemeinschaftsbildung durch gemeinsames Singen und Musizieren. 

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Welche Bedeutung hat Musik für Ihre Gemeindearbeit? 

Ich liebe es, wie in unserer Gemeinde musiziert wird. Auch deshalb, weil ich selbst in diesem Bereich wenig Begabungen mitbekommen habe. Daher bin ich richtig glücklich, wenn ich mit unserem Gospelchorleiter, dem Posaunenchorleiter, den Jugendbandleiter oder meinem sehr musikalischen Kollegen zusammen einen Gottesdienst konzipiere. Wir werfen unsere Begabungen zusammen, inspirieren uns gegenseitig, und es entsteht meist etwas Wunderbares.

Hatte (auch) die Musik über den Schrecken des Brandes geholfen? Kann Musik nachhaltig trösten? 

In Bezug auf den Brand denke ich: Gott hat sicher auch Musik benutzt, um uns zu trösten und zu stärken – und die Gemeinschaft weiter zu formen. In seelsorgerlichen Gesprächen habe ich manches Mal erfahren, wie Menschen durch Musik Trost und mentale Stabilität in dunklen Zeiten erfahren haben. Ja, Musik hat eine enorme Kraft, Menschen aufzurichten. 


Man singt im evangelischen Gottesdienst gerne viele oder auch alle abgedruckten Strophen aus den Liederblättern oder dem Gesangbuch. Woher stammt diese Singfreude? 

Historisch gesehen war die Reformation auch eine Empowerment-Bewegung für die Gemeinde. Es ging ums Mitmachen, miteinander Gottesdienst feiern. Dies wurde auch durch das gemeinsame Singen gelebt. Zudem ist uns natürlich die Bibel sehr wichtig. Viele Bibelstellen werden immer wieder neu vertont und gelangen durchs gemeinsame Singen in Herz und Kopf. Ich denke da z. B. an gesungene Psalmen oder Gospels. Ich persönlich liebe das Gospellied „Go Tell It on the Mountain“ – im Singen erzählen wir das Evangelium. Nicht nur in unseren Kirchen, sondern auf dem Berg, am See, auf dem Weihnachtsmarkt – überall. 

Welche Musik musste unbedingt erklingen zur Einweihung?
„Großer Gott, wir loben dich!“ Und zwar im Stehen. 

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Monika Drasch
Artikel von Monika Drasch
Musikerin, Podcasterin
Alpenrock-Fans kennen sie als die Frau mit der Grünen Geige. "Lieder zwischen Himmel und Erde" heißt ihr monatlich erscheinender Podcast auf innehalten.de.