Glaubenswelten
08.01.2026

Über Musik, Glauben und Hoffnung

Gegen die „digitale Demenz“

Traudi Siferlinger (59) ist als Moderatorin, Musikerin und Fernsehautorin bekannt und beliebt. Im Interview spricht sie über ihren musikalischen Werdegang, die Rolle des Glaubens in ihrem Leben und ihre Hoffnungen fürs neue Jahr.
    

Traudi Siferlinger in der Fernsehsendung „Wirtshausmusikanten“. Traudi Siferlinger in der Fernsehsendung „Wirtshausmusikanten“. Foto: © Ralf Wilschewski
Wenn man am Chiemsee aufgewachsen ist, …

… dann geht mir jedes Mal, wenn ich von München in Richtung Chiemsee fahre, am Irschenberg das Herz auf. 

Dreistimmigkeit, reines Singen – niemand hat feiner, perfekter und berührender gesungen als der Dreigesang der Geschwister Siferlinger. Singt ihr noch immer zusammen? 

Danke, liebe Monika, für das Kompliment. Ja, wir singen noch immer miteinander, zum Beispiel auf Familienfesten oder seit drei Jahren auch im Advent. Da sind meine Schwester Maria, mein Bruder Hermann und ich zusammen mit Pfarrer Rainer Maria Schießler unterwegs und führen die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma auf. Der Pfarrer liest, und wir singen die Original-Lieder. Das ist jedes Mal eine seelenwärmende Veranstaltung. Beste Vorbereitung auf Weihnachten.

Kannst du dich an das erste Lied erinnern, das du gesungen hast?

Nein, aber an eines der ersten Lieder, die ich öffentlich gesungen habe. Das war im Jahr 1977, auch im Advent. Mein erster Auftritt im Deutschen Theater und gleich vor 2.000 Zuschauern. Damals musste ich von heut’ auf morgen einspringen, weil meine Schwester Christine ein Kind bekam. „Kloanes Kindl, großer Gott“ hat dann das Lied geheißen, das ich zusammen mit meinen Geschwistern dort bei einem Adventssingen gesungen hab. Es war sehr aufregend ...

Haben deine Eltern mit dir und deinen Geschwistern musiziert?

Mein Vater hat Zither gespielt und meine Mutter Klavier. Als Kinder und Jugendliche haben wir fast täglich bei uns in der Küche gesungen und musiziert. Von unserem Papa haben wir Präzision, Feinheit, Sauberkeit und Ausdruck gelernt. Woher er das wusste, kann ich nicht sagen, denn er war kein studierter Musiker, sondern Wasserwart für Bad Endorf. Er war auf alle Fälle sehr genau ...

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Welche Bedeutung haben geistliche Volkslieder für dich?


Geistliche Volkslieder haben eine unglaubliche Kraft. Die Texte sind ausdrucksstark, und wenn sie gemeinsam in der Gruppe oder im Chor gesungen werden, geben sie einem Kraft und Hoffnung. Deshalb sollte gerade in diesen schweren Zeiten so viel wie möglich gemeinsam gesungen werden.

Hast du viel in Kirchen gesungen und gespielt?

Ja! Und zwar an vielen Festtagen, wenn der Kirchenchor nicht gesungen hat, zusammen mit meinen Geschwistern als Dreigesang. Beeindruckend und unvergesslich waren für mich vor allem die Gründonnerstage und Karfreitage. Hier durften wir a cappella singen. Die Lieder: „Da Jesus in den Garten ging“ und „In der ganzen Stadt da brennet kein Licht“ bewegen mich heute noch. Da spürt man die Kraft unseres christlichen Liedguts mit seinen stimmigen Texten ganz besonders. Es war sehr bewegend, und ich bin dankbar, dass ich mit meinen Geschwistern solche Momente erleben durfte. Ansonsten habe ich natürlich auch viele Mozart- oder Schubertmessen mit der Geige gespielt, aber seit ich beim BR arbeite, hat sich einiges verändert und die Zeit ist knapp geworden. 

Hat Musik für dich eine spirituelle Dimension?

Absolut! Musik ist eine Weltsprache, Musik heilt, Musik tröstet, Musik verbindet. Musik hat eine Kraft und Energie, die die Gefühle bewegt und uns in andere Sphären versetzen kann.

Ist der Glaube wichtig für dein Leben? In welchen Momenten besonders? 

Ich bin fast täglich mit meinen Heiligen in Verbindung, mit dem heiligen Antonius und vor allem mit dem heiligen Thaddäus. Die Stoß- und Dankesgebete haben für mich eine enorme Kraft und helfen mir über viele schwere Situationen hinweg. Außerdem glaube ich an Wunder und deshalb hoffe und bete ich nach wie vor dafür, dass die Menschen endlich zur Vernunft kommen und einander wieder vertrauen, helfen und vor allen Dingen keine Kriege mehr führen.

Gab’s in deiner Umgebung die Kirchenzeitung – den Vorläufer dieses Magazins?

Ja, lustig – du erinnerst mich an etwas: Die Münchner Kirchenzeitung und den Altöttinger Liebfrauenboten hab ich sogar wöchentlich als Jugendliche ausgetragen. Immer am Freitagnachmittag bin ich in Bad Endorf von Haus zu Haus gegangen und hab einen großen Packen Kirchenzeitungen verteilt. 

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Das Unterrichten hast du neben deiner Fernsehkarriere nie aufgehört. Warum?


Weil mir die Kinder und die Vermittlung der Musik an sie außerordentlich wichtig sind. Und weil ich meinen Lehrern unendlich dankbar bin, die mir die Musik nähergebracht haben. Das möchte ich auch an junge Leute weitergeben, die, anders als ich, in einer in zunehmendem Maße von künstlicher Intelligenz bedrohten Welt unglaubliche Herausforderungen meistern müssen. Das direkte Erlebnis des Musizierens mit einem Instrument wie der Geige ist für mich das beste Gegengift gegen die „digitale Demenz“, die heute leider vielen jungen Menschen droht.

Kann man über das Medium Fernsehen die Menschen anders erreichen als im direkten Kontakt? 

Gute Frage! Im Fernsehen erreichst du auf alle Fälle viel mehr Menschen und ich versuche auch, meine Sendung sehr authentisch zu gestalten, so wie ich halt bin. Trotzdem ist ein Liveauftritt mit Publikum und Blickkontakt für mich immer noch viel natürlicher, persönlicher und direkter. Du bekommst Reaktionen direkt widergespiegelt und kannst mit dem Publikum agieren, was mir bei den „Wirtshausmusikanten“ im BR Fernsehen nur mit dem im Wirtshaussaal anwesenden Publikum möglich ist. Trotzdem denke ich bei jeder Aufzeichnung an die vielen Menschen, die die Sendung später einmal sehen werden, und versuche, einen zeitversetzten Kontakt mit ihnen aufzubauen. Fazit: Es ist wunderschön, dass ich beides machen kann und darf. Übrigens am 18. Januar 2026 um 20.15 Uhr kommt wieder eine neue Aufzeichnung von den „Wirtshausmusikanten“ im BR Fernsehen.

Was wünschst du dir vom neuen Jahr?

Mehr Achtsamkeit und Liebe unter den Menschen. Dass wir wieder ehrlicher und zugewandter miteinander umgehen und dass wir in diesen von künstlicher Intelligenz, Chatbots und sogenannten „sozialen“ Medien geprägten Zeiten den persönlichen Kontakt zu unseren Mitmenschen wieder in den Mittelpunkt stellen.

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Monika Drasch
Artikel von Monika Drasch
Musikerin, Podcasterin
Alpenrock-Fans kennen sie als die Frau mit der Grünen Geige. "Lieder zwischen Himmel und Erde" heißt ihr monatlich erscheinender Podcast auf innehalten.de.