Dachau, Moabit und zurück

Eine Begegnung mit Albrecht Haushofer. Literarische Collage
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Bayern im Buch-Rezension
Eindrucksvolle literarische Begegnung mit Albrecht Haushofer und dessen Moabiter Sonetten.
Albrecht Haushofer war der 1903 geborene Sohn Karl Haushofers, eines bekannten bayerischen Generals und Universitätsprofessors und der Halbjüdin Martha Mayer-Doss. Im Gegensatz zu seinem Vater, der streng nationalistisch eingestellt war und auch als Gehirn Hitlers bezeichnet wurde, weil er die These vom Volk ohne Raum propagierte, vertrat der hochbegabte Sohn eine mäßigende Position und ließ sich in geheimen diplomatischen Missionen ins Ausland schicken. Die Familie war befreundet mit Rudolf Heß, dem Stellvertreter Hitlers. Nach dessen Aus geriet die Familie Haushofer in Schwierigkeiten. Albrecht wurde aus dem Außenministerium entlassen, war kurze Zeit im Gefängnis und wurde von der Gestapo überwacht. Schon seit 1933 schrieb er seine regimekritischen Gedanken in Dramen und Gedichten nieder. Seit 1939 hatte er Kontakte zum deutschen Widerstand. Er wusste um den geplanten Umsturz und wurde nach dem gescheiterten Attentat in Berlin inhaftiert. Im Gefängnis schrieb er die Moabiter Sonette, erschütternde Zeugnisse des literarischen Widerstands, aber auch seiner familiären und psychischen Probleme. Noch im April 1945 wurde er ohne Prozess von der SS erschossen. Norbert Göttler hat mit seiner literarisch anspruchsvollen Arbeit einen wesentlichen Beitrag geleistet, die in der Haft geschriebenen Moabiter Sonette wieder in Erinnerung zu rufen. Der Text ist auch deswegen besonders interessant, weil der Autor autobiographische Skizzen zum KZ Dachau einfließen lässt, in dessen unmittelbarer Nähe er offenbar aufgewachsen ist. Sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Albrecht Haushofer wird 1903 als Sohn von Karl Haushofer, einem bayerischen General und überzeugten Nationalisten, und der vermögenden Halbjüdin Martha Mayer-Doss geboren. Anders als sein Vater misstraut er schon früh dem Nationalsozialismus und prophezeit sowohl den Krieg als auch den Untergang Deutschlands. In der Hoffnung, mäßigenden Einfluss auf das System nehmen zu können, übernimmt er wichtige Positionen, lässt sich zu geheimen diplomatischen Missionen ins Ausland schicken und arbeitet als Dolmetscher für Hitler. Nach dem politischen Aus von Rudolf Heß, einem engen Freund des Vaters, geraten die Haushofers in Bedrängnis. Albrecht wird aus dem Außenministerium entlassen, mehrere Wochen inhaftiert und schließlich von der Gestapo überwacht. Von 1933 an hat er seine regimekritischen Gedanken in Dramen, Gedichten und Briefen niedergeschrieben. Nach 1939 nimmt er Kontakt zum deutschen Widerstand auf. Er ist in die Pläne zum 20. Juli eingeweiht und wird nach dem gescheiterten Attentat verhaftet und in das Berliner Gefängnis an der Lehrter Straße gebracht. Hier verfasst er mit den "Moabiter Sonetten" bewegende Zeugnisse literarischen Widerstands, aber auch Dokumente seines tiefen familiären und psychischen Konflikts. Albrecht Haushofer wird in der Nacht vom 22. zum 23.April 1945 ohne Prozess durch die SS erschossen.

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Personeninformation

Göttler, NorbertNORBERT GÖTTLER ist 1959 geboren und aufgewachsen im Gut Walpertshofen am Rande des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau, erlebte noch zu seinen Kindertagen das Areal nicht als Gedenkstätte wie heute, sondern als Flüchtlingslager und Umschlagplatz für menschliches Schwemmgut aus ganz Europa. Dieses Umfeld hat ihn ebenso inspiriert wie Haushofers »Moabiter Sonette«, die er in der Schule kennenlernte. Jahrzehnte später hat er versucht, beide Erfahrungsströme miteinander ins Gespräch zu bringen. Göttler ist Bezirksheimatpfleger von Oberbayern. Zudem ist er Gründungsmitglied von Amnesty International Dachau und der Jugendbegegnungsstätte Dachau. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2004 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
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