Striabäsn-Blues. Lyrik und Prosa

Poetisches in bairischer Mundart und auf Hochdeutsch
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Bayern im Buch-Rezension
Gedichte, z.T. in bayerischer Mundart, und Kurzprosa.
Das neueste Buch von Norbert Göttler erscheint mit einem goldfarbig gezeichneten Gegenstand, einem Pinsel oder Besen auf einem grauen Buchdeckel. Blättert man hinein, fallen einem graue, verwaschen wirkende Zeichnungen von Martin Off auf. Keineswegs Grau in Grau erscheint dagegen der Inhalt. Der Striabäsn, was wohl in der Dachauer Gegend einen Herumstreuner bezeichnet, führt gleichsam die Leser in meist kürzeren Gedichten und kleinen Prosatexten durch ganz verschiedene Lebensbereiche. Er trifft auf ältere Leute, die den Anschluss an die Zeit verpasst haben, Sonderlinge oder begleitet das lyrische Ich durch verschiedene Seelenzustände. Viele Gewissheiten werden hinterfragt, besonders in den „Grübelwürfeln“, halbseitigen Texten, die sich mit Lehren großer Denker beschäftigen und dabei jede hochdeutsch formulierte These in oberbayerischem Dialekt skeptisch kommentieren. So entsteht eine Art Zwiegespräch. Das lyrische Ich ist in hochdeutschen Gedichten wie auch in Mundart-Versen indirekt auf der Suche nach dem, was letztlich wahr ist und trägt, so in dem Gedicht „gespaltene existenz“. Schwierige Selbstfindung wie in den Versen unter der Überschrift „gschpensterwoid“ ist das Thema eines älter gewordenen Menschen, ist das Grundthema der verschiedenen Texte dieses schmalen Büchleins. Norbert Göttler gelingen dabei aussagekräftige Bilder und pointengleiche Aussagen. Bei seinen kritischen Beleuchtungen bedient sich Göttler gerne auch religiöser Bilder. Natürlich fehlt nicht Kritik an gesellschaftlicher Heuchelei und kirchlichen Miss-Ständen. Die Gedichte sind ohne Reim, die Verszeilen haben ihren eigenen Rhythmus. Zu den 6 Kapiteln dieses Büchleins führt der Autor seine Leser thematisch hin. Im Anhang skizziert Göttler journalistisch die Kulturgeschichte Oberbayerns als von Migration geprägt. Seine Liste von aussterbenden hochdeutschen wie auch bairischen Wörtern wird man je nach eigener Herkunft unterschiedlich sehen. Witzig wirkt die Zusammenstellung von seltsamen Vor- und Familiennamen. Also, die Lektüre lohnt sich!
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Artikelbeschreibung

»Striabesn-Blues« ist den Außenseitern unserer Gesellschaft gewidmet. Sie vagabundieren herum, strawanzen und stehlen dem Herrgott (und nicht nur ihm) den Tag - so meint man landläufig. Ein »Striabesn« ist also einer, der herumstreunt und überall ein bisschen »hineinschmeckt«, um sich dann sein eigenes Urteil zu bilden. Manchmal geht das gut und führt zu philosophischen Erkenntnissen, oft genug aber auch nicht. Dann verfällt der ein oder andere dem »Blues«. Aber sind wir nicht alle »Striabesn«? Strawanzen kann man nämlich physisch, freilich auch geistig, literarisch und poetisch. »Rumstrian« kann auch die Sprache. Die Prosa- und Lyriktexte von Norbert Göttler sind sowohl in bairischem Dialekt als auch in Hochsprache geschrieben. Das widerspricht sich nicht, sondern ergänzt sich. Beide Formen spielen sich den Ball gegenseitig zu. Oder treiben sich, im Idealfall, gegenseitig an. Ebenso ist es im Miteinander von gereimten und ungereimten Gedichten. Der Reim, von zeitgenössischen Autoren und Autorinnen nur mehr selten verwendet, hat seine bleibende Bedeutung in der Ballade. Gerade in ihrer mundartlichen Form hat sie ihren Charme in bissiger Authentizität und politischer Aufmüpfigkeit bewahrt.

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Personeninformation

Norbert Göttler wurde 1959 in Dachau geboren und studierte in München Philosophie, Theologie und Geschichte. Er arbeitete als Publizist und Fernsehregisseur (BR, ARD, 3sat, arte) sowie als Schriftsteller. Von 2012 bis 2022 war er Bezirksheimatpfleger des Bezirks Oberbayern und Lehrbeauftragter zahlreicher Hochschulen. Göttler ist Mitglied des PEN Deutschland, der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste EASA (Salzburg) und der Schriftstellervereinigung Münchner Turmschreiber. 2004 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 2008 den Bayerischen Poetentaler.
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