Nil

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Autorin einer Fortsetzungsgeschichte in einer Frauenzeitschrift soll ihre Serie zu Ende bringen.
Hauptfigur des Kurzromans ist eine Autorin, die vom Chefredakteur eines Frauenmagazins gebeten wird, ihre Serie zu Ende zu bringen. Sie versucht es, doch immer wieder kommen ihr Zweifel, denn was ist, wenn das dramatische Ende Realität wird? Schon sieht sie sich verhört als potentielle Mörderin. Sie schreibt, doch immer mehr vermischen sich ihre literarischen Ideen mit Reminiszenzen aus ihrer eigenen Vergangenheit, ihre eigene Identität mit der ihrer Figuren. Wie kann sie diesem Circulus vitiosus entkommen, ohne ihr Ich zu verlieren? - Mit außergewöhnlicher sprachlicher Kompetenz schreibt die Autorin diesen knapp 150 Seiten langen Roman, in dem es um das Verhältnis von Realität und Fiktion geht, die Identität des Autors/der Autorin, das Verarbeiten eigener autobiografischer Elemente in literarischer Form, das Wesen, auf einer weiteren Ebene den Einfluss und die Wirkung von Literatur überhaupt auf Autor und Leser. Dieses Buch nimmt gefangen ab der ersten Seite, führt den Leser/die Leserin bewusst in einen Raum, in dem sich die Wirklichkeit und das Literarische so vermischen, dass man keinen festen Halt zu finden vermag. Und diese Erfahrung ist durchaus spannend! - Dieser Roman ist wirklich nur etwas für literarisch geübte Leser/innen, denn die werden hier gefordert, bekommen im Austausch dafür aber eine außergewöhnliche Leseerfahrung.
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Artikelbeschreibung

»Am Ende trifft alles zu, gerade das Ausgedachte.« Über die prophetische Kraft des Schreibens.Eine Geschichtenerfinderin wird beauftragt, ihre Fortsetzungsstory für ein Frauenmagazin in der nächsten Ausgabe zu Ende zu bringen. Fieberhaft entwirft sie ein Endszenario, vernichtet aber die Notizen - nicht, weil es misslungen wäre, sondern aus Furcht, es bewahrheitete sich.Was, wenn sich das Geschriebene als biografisch erwiese - aber nicht rückwärtsgerichtet, nicht memoirenhaft aus dem Leben gegriffen, sondern wahrsagerisch, mitten ins Leben hinein? Existiert die Erzählerin nur in ihrer Geschichte?Gibt es daraus ein Entkommen?Ein hochliterarischer Roman über das Verhältnis von Realität und Fiktion, Erzählen und Erinnern - sprachlich virtuos und packend geschrieben.»Wir werden unsere Geschichten nicht los, ob wir sie nun erzählen oder nicht, manchmal rutscht etwas davon heraus, mitten ins Schweigen hinein, in die stehengebliebene Zeit, zu einem Schwank gekürzt, einer Kurzfilmsequenz. Kann sein, wir tun was hinzu, oder wir lassen was aus, spielen uns zu Helden auf, spielen die andern herunter. Wir stolpern, fallen uns ins Wort. Am Ende trifft alles zu, gerade das Ausgedachte.«Jurybegründung zur Shortlist des Österreichischen Buchpreis 2021:"Ein kleiner, verspielt hintersinniger Roman über die Kraft wie die Untiefen guter Geschichten, mal traurig, mal fröhlich, nachdenklich oder sentimental, aber immer unvorhersehbar. Die Ich-Erzählerin des Romans, Autorin von Fortsetzungsgeschichten, bekommt vom Chefredakteur den Auftrag, das Ganze bald einmal zu beenden, und sei es, indem sich das zentrale Liebespaar "ein Herz nimmt und von der Klippe springt". Anna Baar vertraut auf die Kraft des Erzählens, so sehr, dass sie ihr fast selbst schon unheimlich wird. Da gibt es die Erzählerin als kleines Mädchen, deren Vater Direktor eines Zoos ist, aus dem ein Krokodil verschwindet. Es gibt eine Frau, die in einem Lokal einem fremden Mann aus ihrem Leben diktiert, zum Aufschreiben. Dieser Mann, Sobek mit Namen, ist dann auch schon bald wieder Geschichte, im doppelten Sinne. Als Leser weiß man manchmal nicht, was man noch glauben darf, und eben darum geht es. Schreiben schafft Leben, kann aber auch den Tod bedeuten. Das geliebte, wohlig unheimliche Krokodil wird schließlich ausgestopft und verkauft, als der Vater den Zoo aufgeben muss. Dieser schmale Roman ist eine literarische Selbstbefragung und eine poetische Umkreisung der Macht des Erzählens, geschrieben von einer Autorin, die immer stilsicher ist und feinfühlig in der Wahl ihrer Worte. Manche schönen Sätze bleiben auch noch im Kopf, wenn man das Buch schon ausgelesen hat."

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Personeninformation

Anna Baar wurde in Zagreb (ehem. Jugoslawien) geboren und lebt in Klagenfurt und Wien. Ihre Romane, Kurzgeschichten, Erzählungen und Essays wurden vielfach ausgezeichnet. Ihr Debütroman »Die Farbe des Granatapfels« stand drei Monate auf der ORF-Bestenliste, ihr Roman »Nil« auf der Shortlist des Österreichischen Buchpreises 2021. 2022 erhielt sie den Großen Österreichischen Staatspreis und 2023 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau.
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