Tschikago

Roman
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Buchprofile - Rezension
Autobiografischer Roman über das Altwerden.
Alexandra Stahl, in einem unterfränkischen Dorf aufgewachsen, bezeichnet „Tschikago“ selbst als einen autobiografischen Roman, was dieses Buch treffend charakterisiert. In einem Teil des Buches beschreibt sie das Leben ihrer Großeltern in diesem Dorf, im anderen erzählt sie von den Menschen in einem Berliner Seniorenheim, in dem sie ehrenamtlich eine Biografiegruppe leitet und dabei den meist dementen BewohnerInnen oft sehr nahe kommt. Ihre von ihr geliebten Großeltern haben eine eigentlich typische Biografie für Menschen ihrer Generation, im Nachhinein bedauert die Autorin, sie nicht intensiver über ihr Leben befragt zu haben. Das holt sie in gewisser Weise als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Heim nach, in dem sowohl Ost- und Westberliner Seniorinnen mit ihren systembedingt oft doch ziemlich unterschiedlichen Schicksalen und den wenigen Erinnerungen darüber leben. – Alexandra Stahl schreibt weder inhaltlich noch chronologisch stringent, sondern episodisch bzw. fragmentarisch, was das Buch ausgesprochen kurzweilig macht, wozu auch die trotz der oft schwierigen Lebenssituation der ProtagonistInnen sensibel-humorvollen Schilderungen beitragen. – Ein inhaltlich wie stilistisch tolles Buch über das Altwerden, das Verschwinden von Erinnerungen und das Abschiednehmen, keineswegs sentimental, aber doch sehr einfühlsam und warmherzig geschrieben. Uneingeschränkte Empfehlung!
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Susanne Steufmehl empfiehlt:

„Frangfodd ist schlimmer als Tschikago“ Dieser häufig verwendete Spruch ihres verstorbenen Großvaters ist der Ich-Erzählerin in lebhafter Erinnerung. Der erste Teil dieses bewegend erzählten Romans von Alexandra Stahl ist ihren Großeltern gewidmet, bei und mit denen sie in Unterfranken nach der Trennung ihrer Eltern aufwuchs. Oma und Opa hatten eine ausgesprochen eigenwillige Art der Kommunikation, dennoch spürte das Mädchen die tiefe Liebe und Verbundenheit der beiden.

Während es für sie als Kind nichts Schöneres gab, als mit dem Opa Rätsel zu lösen, verlor sie als Studentin und junge Erwachsene zunehmend den Kontakt und nach dem Tod der beiden bedauert sie, nicht mehr Zeit mit ihnen verbrach und sie nicht eindringlicher nach ihren Erinnerungen und Gefühlen gefragt zu haben. Später, in ihrer neuen Heimat Berlin, engagiert sich die Ich-Erzählerin ehrenamtlich in einem Seniorenheim und bietet dort Erzählnachmittage an. Hier kommen die Bewohner_innen zusammen und berichten aus ihrem Leben, manchmal vermischt mit aktuellen Alltagserlebnissen. Die Ich-Erzählerin ist eine begeisterte und mitfühlende Zuhörerin, erkennt in vielen Episoden ihre Großeltern wieder, andere haben ein komplett anderes Leben geführt. Besonders interessant ist, wie Alexandra Stahl hier Ost- und Westschicksale nebeneinanderstellt und ihre Empathie für ihre Schützlinge ständig wächst. Sie sorgt mit ihrem autofiktional anmutenden Roman für eine humorvolle, berührende und bereichernde Lektüre über Abschiede, Trauer, Vergänglichkeit und den Wert von geteilten Erinnerungen.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

Frangfodd is schlimmer als Tschikago!

Mit dieser Warnung des Großvaters, der fast Amerikaner geworden wäre, aber doch Elektriker in Unterfranken blieb, wächst die Ich-Erzählerin auf. Ihre Großmutter hat es mit Katzen und Puppen, ihr Großvater hält sich an Steckdosen und Kabel. Auch wenn die beiden zanken wie Laurel und Hardy - sie verbindet diese eine Art von Liebe, die siebenundfünfzig Jahre hält. 

Als der Großvater stirbt, beginnt die Erzählerin als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim - ohne zu ahnen, wie sehr ihre alte und ihre neue Welt zusammengehören. Frau Bellmann, die Wasserratte vom Werbellinsee. Herr Uhlig, der Träumer, der Schach mit der dänischen Königin spielen will. Frau Schubert mit ihrem scheuen Lächeln. 

Mit scharfem Blick und großem Herz erzählt Alexandra Stahl vom Älterwerden. Von den Dingen, an die man nicht denkt, bis sie passieren. Und von den Dingen, an die man nicht denken will, bis sie passieren. Ein atemberaubend zärtliches Buch über unsere Vergänglichkeit und das Abschiednehmen - und darüber, was wir festhalten können, wenn alles andere verschwindet.

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Personeninformation

Alexandra Stahl, 1986 geboren, ist freie Schriftstellerin und Journalistin. Sie hat Amerikanistik, Englische Literaturwissenschaft und Geschichte an der Universität Würzburg studiert und danach lange für die Deutsche Presse-Agentur gearbeitet. Sie schreibt Prosa, Essays und Reisereportagen, die vielfach ausgezeichnet wurden. 

Pressestimmen

»Alexandra Stahls Roman "Tschikago" ist das berührenste, einfühlsamste und humorvollste, was ich seit langem gelesen habe.« Claudia Cosmo WDR5 Westart Lesen 20260822
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