Rituale
12.02.2026

Beziehung

Valentinstag als spirituelle Chance

Der Valentinstag lädt Paare ein, ihre Beziehung bewusst in den Blick zu nehmen. Wie das gelingen kann und welche Angebote es im Erzbistum München und Freising hierfür gibt, erläutert der Leiter des Fachbereichs Ehe- und Familienpastoral, Johannes Sporrer.
  

„Aufmerksamkeit für den geliebten Mitmenschen ist immer gut und stärkt. Ob man ganz klassisch eine Rose überreicht oder einen Blumenstrauß; ob am 14. Februar oder zu einem anderen Tag, ist nicht so entscheidend“, meint Johannes Sporrer. „Aufmerksamkeit für den geliebten Mitmenschen ist immer gut und stärkt. Ob man ganz klassisch eine Rose überreicht oder einen Blumenstrauß; ob am 14. Februar oder zu einem anderen Tag, ist nicht so entscheidend“, meint Johannes Sporrer. Foto: © AdobeStock/Marko
Herr Sporrer, der Valentinstag gilt vielen als kommerzialisiert und oberflächlich. Welche spirituelle Chance steckt Ihrer Meinung nach dennoch in diesem Tag?

Aufmerksamkeit für den geliebten Mitmenschen ist immer gut und stärkt. Ob man ganz klassisch eine Rose überreicht oder einen Blumenstrauß; ob am 14. Februar oder zu einem anderen Tag, ist nicht so entscheidend. Ich glaube, die Menschen schätzen es einfach, an ihre Beziehung zu denken und dafür dankbar zu sein. Es hat immer auch eine spirituelle Dimension, wenn man sich der Beziehungen, die einem im Leben tragen, bewusst ist.

Wie kann der Valentinstag zu einem Anlass werden, die eigene Beziehung bewusst zu vertiefen – jenseits von Blumen und Geschenken?

Ein einfaches Ritual kann sein, miteinander spazieren zu gehen, sich an der Hand zu halten. Oder man nimmt sich am Abend Zeit, setzt sich am Tisch gegenüber, schaut sich in die Augen und sagt dem Partner, der Partnerin: „Ich lieb dich. Du, es tut mir gut, dass wir zusammen sind.“ Das, glaube ich, ist schon sehr, sehr viel. Vielleicht nimmt man sich dafür im Alltag zu wenig Zeit. Von christlicher Seite ist es eine gute Möglichkeit, sich an den Hochzeitstag zu erinnern, das Hochzeitsalbum aus dem Regal zu nehmen und darin zu blättern oder einfach zurückzuschauen, was man alles an Wertvollem im Leben schon miteinander gemeistert und geschafft hat. Man kann an so einem Tag natürlich auch die Hochzeitskerze anzünden oder irgendein anderes Symbol in die Mitte stellen, das die eigene Liebe ausdrückt.

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Welche Rolle spielen Rituale überhaupt in Beziehungen, gerade in einer Zeit, in der vieles schnell und unverbindlich geworden ist?

Rituale sind immer gut als Unterbrechung im Alltag. Ich nehme da gern das Bild vom „Pflock, den man einschlägt in die dahinschießende Zeit“. Sich einfach mal Zeit füreinander nehmen. Rituale helfen, sich bewusst zu werden, was die eigene Beziehung ausmacht, und dafür dankbar zu sein.

Können Sie aus Ihrer seelsorglichen Praxis ein Beispiel für ein Ritual nennen, das eine Beziehung nachhaltig gestärkt hat?

Wenn wir rund um den Valentinstag einladen zu Gottesdiensten für verliebte und verheiratete Menschen, für Menschen, die zusammen sind in Beziehung, ist es natürlich immer schön zu sehen, wie gut es denen tut, wenn sie gesegnet werden, wie bereichert sie weggehen und wie gerührt und voneinander berührt sie sind. Das, denke ich, ist schon ein Ritual, das guttut, eine christliche Tradition, die Menschen zu segnen und ihnen zu sagen: „Es ist gut, dass ihr zusammen seid, dass ihr einander habt und dass ihr miteinander durch dick und dünn geht und euch dabei stützt.“ Es ist ja nicht immer leicht, es gibt schwerere und leichtere Tage und manchmal kommt es dicke und da beweist sich dann, dass man sich auf den Partner verlassen kann und sich da gegenseitig durchträgt.

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In jüngerer Zeit werden am Valentinstag auch gleichgeschlechtliche Paar gesegnet. Dennoch fühlen sich nach wie vor viele Menschen an diesem Tag ausgeschlossen. Nicht von ungefähr wird am Folgetag, dem 15. Februar, der Internationale Tag der Singles begangen. Wie kann der Valentinstag auch für Singles ein sinnvoller, stärkender Tag sein? Kann Kirche auch hier ein Zeichen setzen?


Es ist natürlich immer schwierig, wenn wir einen Gottesdienst für eine bestimmte Zielgruppe anbieten, dass manche sich dann vielleicht ausgeschlossen fühlen. Sicher spielt auch eine Rolle, ob Menschen für sich selber entschieden haben, als Singles zu leben, oder ob sie Single sind, sich aber im Grunde nach einer Beziehung, nach einer Partnerschaft sehnen oder einen Partner durch Trennung oder Tod verloren haben. Das schmerzt am Valentinstag vielleicht besonders. Trotzdem sind die meisten unserer Gottesdienstangebote am Valentinstag auch für Alleinstehende offen. In dem Gottesdienst, den ich mit einem evangelischen Kollegen zusammen anbiete, laden wir auch Alleinstehende ein – verwitwete Personen oder Menschen, deren Partner nicht mitkommen kann oder möchte. Sie empfangen genauso den Segen für ihre Beziehungen, für das, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Johannes Sporrer leitet den Fachbereich Ehe- und Familienpastoral im Erzbischöflichen Ordinariat München. Johannes Sporrer leitet den Fachbereich Ehe- und Familienpastoral im Erzbischöflichen Ordinariat München. Foto: © privat

Sie haben es vorhin schon angedeutet, Beziehungen sind nicht immer einfach. Wenn es bei jemandem gerade schwierig ist, was kann dem der Valentinstag geben?


Da würde ich empfehlen, dass man für sich selber oder zu zweit gut darauf schaut, ob der Valentinstag für beide in gleicher Weise eine Möglichkeit ist, die Beziehung zu stärken, oder ob man sagt: „Wir umschiffen diesen Tag lieber und nutzen andere Möglichkeiten, um an unseren Problemen und den Schwierigkeiten, die wir miteinander haben, zu arbeiten.“ Dafür gibt es ja vielfältige Angebote innerhalb und außerhalb der der Kirche.

Welche kirchlichen Angebote können Menschen helfen, ihre Beziehungen zu verbessern?


Wir im Erzbistum München und Freising legen seit vielen Jahren einen Schwerpunkt auf Kommunikationskurse. Ich denke, miteinander zu reden und wertschätzend miteinander umzugehen, ist das A und O einer langjährigen und dauerhaften Beziehung. Dazu bieten wir schon seit vielen Jahren die sogenannten EPL-Kurse – EPL steht für „Ein Partnerschaftliches Lernprogamm“ – und KEK-Kurse – KEK steht für „Konstruktive Ehe und Kommunikation“ – an. Für Paare, die frisch beisammen sind oder vor der Hochzeit stehen, bieten wir Ehevorbereitungstage an. Daneben gibt es viele spirituelle Angebote, die den Menschen Gelegenheit bieten, gemeinsam wertvolle Zeit zu verbringen und diese zusammen mit anderen Paaren zu erleben, ob mit Kinderbetreuung oder nur zu zweit. Der Festgottesdienst für Ehejubilare im Herbst, dieses Jahr am 11. Oktober, ist wieder ein großer Anlass, um langjährige Beziehungen – goldene Hochzeiten, diamantene Hochzeiten – wertzuschätzen. Natürlich laden wir auch zu Gottesdiensten rund um den Valentinstag ein. Ich glaube, da ist für viele Paare was dabei. Wir freuen uns, wenn die Menschen kommen und an diesem Tag ihre Beziehung feiern.

In den Tagen rund um den Valentinstag lädt das Erzbistum München und Freising zu zahlreichen Gottesdiensten und Angeboten für Paare ein. Diese finden Sie hier.
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Karin Hammermaier
Artikel von Karin Hammermaier
Redakteurin
Recherchiert und schreibt Geschichten für [inne]halten.