Rituale
27.03.2025


Ramadan

Gemeinsamer Iftar am Gymnasium Feldmoching: Ein Abend der Begegnung und des interreligiösen Austauschs

Die Fastenzeiten von Christen und Muslimen finden dieses Jahr nahezu gleichzeitig statt. Beim gemeinsamen Fastenbrechen – dem Iftar – an einem Münchner Gymnasium zeigt sich: Gemeinsamkeiten zählen mehr als Unterschiede. 


Interreligiöses Fastenbrechen am Gymnasium Feldmoching in München. Interreligiöses Fastenbrechen am Gymnasium Feldmoching in München. Foto: © SMB/Bauer

Um kurz nach halb sieben fallen die letzten Sonnenstrahlen durch die großen Fenster der Aula über der Sporthalle des Gymnasiums Feldmoching. Orangerot glüht der Horizont hinter den noch kahlen Bäumen – dann beginnt die Dämmerung und Belmin Mehic stimmt den Gebetsruf an: „Allahu akbar“ – Gott ist groß. Größer als der Hunger und auch größer als das eigene Ego und die Unterschiede, die uns als Menschen trennen. So hat es der Imam des Münchner Forums für Islam in seiner kurzen Ansprache zuvor erklärt.

Iftar unter Freunden

Der Raum ist gut gefüllt. Lehrer und Schüler sitzen gemeinsam mit ihren Familien an den Tischen. Einige Frauen tragen Kopftuch, aber den meisten Teilnehmern ist keine Konfession anzusehen. Das Schulorchester spielt zwei verspielte, aber ruhige Stücke. Vom Buffet dringt der Duft von Nusszopf und Linsensuppe zu den Sitzenden. Jeder hat etwas mitgebracht. Der gemeinsame Iftar kommt in der Schulfamilie gut an. Schon das dritte Jahr in Folge wird gefeiert. Angestoßen hat die Veranstaltung die Fachschaft Religion und Ethik, erklärt Religionslehrerin Theresia Reichhold. Was gebe es auch Verbindenderes als gemeinsam zu essen, sich auszutauschen und einen schönen Abend zu haben? „Selbst zu spüren, was der Abend Muslimen bedeutet, ist bereichernd und ein schönes Gefühl“, findet die 32-Jährige. Dabei zu sein und auch als Nichtmuslim Teil der Gemeinschaft zu werden, ist für sie etwas völlig anderes, als nur davon zu hören oder darüber zu lesen.  

Anzeige

Fasten als Grundlage für
Begegnung und Austausch

In der Schule wird der Islam zwar besprochen, der Religionsunterricht trennt die Schüler aber vor allem zunächst nach christlicher Konfessionszugehörigkeit. Die einen katholisch, die anderen evangelisch, der Rest – darunter die muslimischen Schüler – Ethik. Imam Mehic lobt den gemeinsamen Iftar deshalb als Initiative für Verständigung. „Wie hier muslimische und nicht-muslimische Kinder mit ihren Eltern zusammenkommen, zeigt, dass wir einfach eine große Gemeinschaft sind.“ Viel zu häufig werde im restlichen Leben darauf geschaut, was Menschen trennt. Zu selten auf das, was sie verbindet. Gerade der Ramadan biete die Gelegenheit, sich das bewusst zu machen, betont Mehic. Das Fasten sei nämlich eine spirituelle Übung, die nicht nur in der muslimischen Tradition, sondern auch in der christlichen und jüdischen gepflegt werde. „Das empfinde ich als eine gemeinsame Grundlage für Austausch und Begegnung, um über Gemeinsamkeiten zu sprechen.“ 


[inne]halten - das Magazin 08/2026

Mein Draht zum Himmel

Wie kann ich den Kontakt zu Gott finden und stärken? Unsere neue Serie gibt Antworten

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.

„Genauso wie wir auch die
Weihnachtszeit gemeinsam erleben“

Seit es den Iftar am Gymnasium Feldmoching gibt, ist Zehntklässlerin Leonie jedes Mal dabei. Als Christin fühlt sie sich hier wohl. Auch für sie ist die Fastenzeit eine Zeit der Vergebung, in der man das eigene Verhalten reflektieren kann, erklärt die 16-Jährige. Außerdem genießt sie es, einen Einblick in eine andere Religion zu bekommen. „Es ist einfach schön, dabei sein zu können – immerhin ist das ja für viele meiner Freunde in diesem Monat ihr Alltag.“ Normalerweise bricht Klassenkameradin Tala das Fasten im Ramadan mit ihrer Familie daheim. Drei Datteln und etwas Wasser – so wie es auch der Prophet Mohammed getan hat. In Feldmoching hat sie die Möglichkeit, den Iftar mit ihren nicht-muslimischen Freundinnen zu feiern, „genauso wie wir auch die Weihnachtszeit gemeinsam erleben“. Solche Feste können dazu beitragen, die Gemeinschaft zu stärken und Vorurteile gegenüber anderen Menschen oder Religionen abzubauen, ist die Schülerin überzeugt. „Ich fände es schön, wenn auch andere Schulen so etwas anbieten würde – auch über Islam und Christentum hinaus.“ 

Gymnasium plant Islamkundeunterricht

Und genau dafür möchte man am Gymnasium Feldmoching auch Vorbild sein. Ein gemeinsamer Iftar wäre an vielen Schulen möglich und würde dort gut ankommen, glaubt Religionslehrerein Reichhold. „Noch trauen sich das viele aber nicht, aus Sorge jemandem auf die Füße zu treten.“ Gerade deshalb wolle man in Feldmoching zeigen, wie ein solcher Abend gelingen kann. In Zukunft soll es am Gymnasium Feldmoching außerdem Islamkundeunterricht als neues Fach geben. Mit dem Zuckerfest Eid al-Fitr endet der diesjährige Ramadan am 30. März. Bis dahin feiern Muslime noch jeden Tag einen Iftar, meist in der Moscheegemeinde oder in der Familie. Nächstes Jahr wird das Fasten dann noch etwas früher am Abend gebrochen, denn der Ramadan beginnt dem islamischen Mondkalender gemäß dann schon Mitte Februar. Die kürzesten Fastentage stehen im Jahr 2031 an, wenn der Ramadan auf die christliche Advents- und Weihnachtszeit fällt.

Innehalten-Leseempfehlung
Innehalten-Hörtipp
Korbinian Bauer
Artikel von Korbinian Bauer