Rituale
20.02.2026

800. Todesjahr

Fasten mit dem heiligen Franz

Franz von Assisi fastete streng. Er tat das nicht, um anderen oder sich selbst etwas zu beweisen. Er wollte mehr auf Gott hören. Zwei Franziskaner verraten, wie das auch Christen heute gelingt.

Wer Mahlzeiten, digitale Medien oder Arbeit weglässt, kann in dieser Zeit beten oder die Bibel lesen. Wer Mahlzeiten, digitale Medien oder Arbeit weglässt, kann in dieser Zeit beten oder die Bibel lesen. Foto: © AdobeStock/shine.graphics

Fastenzeit war für den heiligen Franz von Assisi, dessen Todestag sich heuer zum 800. Mal jährt, fünfmal im Jahr: Den Dreikönigstag am 6. Januar, den Aschermittwoch, das Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni, Mariä Himmelfahrt am 15. August und Allerheiligen am 1. November nahm er jeweils zum Anlass für ein 40-tägiges Fasten. Franziskus fastete also insgesamt 200 Tage – und damit mehr als die Hälfte des Jahres. „Er ist über das normale Maß hinausgegangen. Das kreidet er sich selber am Ende auch an, dass er mit seinem Leib, mit Bruder Esel, wie er ihn nennt, nicht gut umgegangen ist“, erläutert Pater Hans-Georg Löffler, der die Pfarrei und das Franziskanerkloster St. Anna im Münchner Lehel leitet.

Allerdings verlangte Franziskus von anderen nicht, es ihm gleichzutun. Lediglich die Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten schrieb er für seine Mitbrüder verbindlich vor. Zudem berichtet sein Biograph Thomas von Celano, dass einer der Brüder nachts gerufen habe: „Ich sterbe, Brüder, seht doch, ich sterbe vor Hunger!“ Daraufhin habe Franziskus „den Tisch decken und ländliche Leckerbissen auftragen“ lassen, als Erster zu essen begonnen und die anderen ebenfalls dazu eingeladen. „Er wollte nicht den anderen beschämen durch sein Fasten“, erläutert der in Berlin lebende Franziskaner Johannes Küpper – nach dem Motto „Ich kann besser fasten als du“. Überdies habe er einmal gesagt, vom Fasten solle kein Strom der üblen Laune entfesselt werden.
 

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Nicht einmal sich selbst wollte Franziskus mit seinem strengen Fasten etwas beweisen, weiß Küpper. So habe er sich am Aschermittwoch des Jahres 1211 mit zwei kleinen Broten auf eine Insel im Trasimenischen See fahren lassen. „Da hat er dann 40 Tage gefastet und dann ist er zurückgekommen, hat aber nur ein halbes Brot gegessen“, berichtet Küpper. Und dieses habe er auch nur verzehrt, „um seiner Eitelkeit nicht zu frönen“. 

Auf Gott hin transparent werden

Vielmehr sei es ihm beim Fasten darum gegangen, ein „mehr auf Gott Hörender“ zu werden. Küpper veranschaulicht das mit einem Beispiel: „Als Franziskus seine Regel geschrieben hat, da hat er sich auch zum Fasten zurückgezogen, weil er wollte, dass Gott ihm das eingibt.“ Ebenso habe Franziskus die Wundmale Christi im September 1224 nach vorherigem Fasten erhalten. „Er wollte so transparent sein, dass man praktisch durch ihn durchgucken kann auf Gott hin“, meint Küpper.

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Nach Ansicht des Franziskaners sollte Fasten auch heute dazu dienen, „sensibler für Gott zu werden und Gott mehr Zeit zu schenken“ – beispielsweise durch Gebet oder Bibellektüre. Dafür sei es erforderlich, in dieser Zeit etwas anderes sein zu lassen, etwa eine Mahlzeit, die digitalen Medien oder die Arbeit. „Sich jeden Tag eine Zeit nehmen, die realistisch ist, meinetwegen zehn Minuten oder eine Viertelstunde, die nur mir und Gott gehört – das würde ich jedem wünschen, mir auch“, pflichtet ihm sein Münchner Mitbruder Hans-Georg Löffler bei.


Karin Hammermaier
Artikel von Karin Hammermaier
Redakteurin
Recherchiert und schreibt Geschichten für [inne]halten.