Maria Magdalena: Die Verkünderin der Auferstehung
Schon Thomas von Aquin nennt sie Apostolin der Apostel: Maria Magdalena ist eine der eindrücklichsten Frauenfiguren in der Bibel und Kirchengeschichte.
Jesus wählt Maria von Magdala als erste Zeugin seiner Auferstehung. Foto: © AdobeStock - Monica
Maria von Magdala trägt nicht wie üblich den Namen eines Mannes, sondern einzig den ihrer Heimatstadt – ein Symbol ihrer Emanzipation. In Wissenschaft und Popkultur ist sie schon immer eine vielseitige Figur. Die Interpretation reichen von der Osterzeugin über die reuige Prostituierte bis hin zur schwangeren Ehefrau Jesu. Was alle Schriften und Theorien gemein haben: Sie zeigen, dass Maria Magdalena Jesus nahe stand wie kaum jemand sonst. Heutzutage wird vor allem ihre Rolle in der Bezeugung der Auferstehung in den Mittelpunkt gestellt. 2016 hat Papst Franziskus ihren Gedenktag am 22. Juli zum Fest erhoben – sie gilt als Apostelin der Apostel und ist den anderen zwölf gleichgestellt.
Maria Magdalena - Zeugin der Auferstehung
Marias wichtigste Rolle in den Schriften des Neuen Testaments ist die Bezeugung und Verkündigung der Auferstehung Jesu. Im Johannestestament wird sie besonders hervorgehoben. Hier geht sie am Sonntagmorgen zum Grab Jesu und sieht, dass es leer ist. Aufgeregt zeigt sie den Jüngern das leere Grab – sie denkt, man habe Jesus weggeschafft und auch die Jünger verstehen noch nicht, dass Jesus auferstanden ist.
Als Maria allein am Grab steht und weint, erscheinen ihr zwei Engel. Sie fragen, warum sie weine und sie antwortet: „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben“. Als sie sich daraufhin umdreht, sieht sie Jesus vor sich stehen. Sie erkennt ihn zunächst nicht und denkt, er sei der Gärtner - bis er ihren Namen ausruft. Jesus spricht daraufhin die Worte „Noli me tangere“. Zu Deutsch wird der Ausdruck meist übersetzt mit „Rühr' mich nicht an“. Dennoch ist gerade dieser Ausdruck in der Rezeptionsgeschichte auffällig viel diskutiert. Die amerikanische Theologin Meggan Watterson übersetzt diese Aussage Jesu zum Beispiel mit „Don’t cling to me“ („Klammere dich nicht an mir fest“). Maria müsse ihn aus Vertrauen loslassen, sie solle nicht an seiner physischen Form festhalten. Dann gibt Jesus Maria den Auftrag, seine Auferstehung zu verkündigen. Erst am Abend offenbart er sich seinen anderen Jüngern.
Einziges Evangelium einer Frau?
Das Evangelium nach Maria könnte das einzige von einer Frau verfasste sein - obwohl nicht eindeutig bewiesen, gilt die Autorenschaft Marias heute als Konsens. Der Text ist Teil der Apokryphen: christliche Schriften im Kontext der Bibel, die jedoch nicht in die Bibel aufgenommen wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auf einem Markt in Ägypten einige fragmentarische Manuskripte in koptischer Sprache gefunden und zur Übersetzung nach Deutschland gebracht. Später wurden gleiche Texte in griechischer Sprache entdeckt. Diese Versionen stammen aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert, während die koptischen Schriften wahrscheinlich im vierten Jahrhundert angefertigt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass Griechisch die Sprache der Originalfassungen ist.
Die Schriften des Evangeliums zeigen eine enge Bindung zwischen Maria und Jesus. Einerseits, weil es dort heißt, er liebe sie mehr als jede andere Frau. Bedeutsamer ist jedoch die Aussage, dass Jesus ihr Offenbarungen zukommen lässt, die er seinen anderen Jüngern vorenthält. So bittet Petrus Maria nach Jesu Aufstieg in den Himmel: „Sage uns die Worte des Erlösers, an die du dich erinnerst, die du kennst, wir aber nicht“, und Maria antwortet: „Was euch verborgen ist, werde ich euch verkündigen“. Sie beginnt, von einer Vision und einem Gespräch mit Jesus zu erzählen, doch nach wenigen Zeilen bricht die Schrift ab – mehrere Seiten fehlen.
Der Inhalt des Evangeliums nach Maria beschäftigt sich hauptsächlich mit den Grundfragen des Seins und der Frage nach der Sünde. Am Anfang steht ein Dialog zwischen Jesus und seinen Jüngern, in den Jesus die Fragen seiner Anhänger beantwortet. Der zweite Teil ist der Offenbarung der bisher ungehörten Worte Jesu an Maria gewidmet.
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Nackt, sündhaft, reuig
In der Kirchengeschickte hat sich das Bild von Maria Magdalena als reuige Sünderin und frühere Prostituierte hartnäckig gehalten. Der Beginn dieses Mythos bilden wohl die Magdalenenpredigten von Papst Gregor dem Großen (590-604). Er vereint Maria aus Magdala mit zwei anderen Frauen aus dem Neuen Testament: der namenlosen Sünderin, die Jesus die Füße salbt und Maria von Betanien. Später vermischten sich auch eine Samariterin und eine Ehebrecherin mit der Figur der Maria Magdalena. Die Sündhaftigkeit Marias fußt auf den sieben Dämonen, von denen Jesus sie befreit – mit ihnen gleichgesetzt werden oft die sieben Todsünden.
Ab dem Mittelalter wird die Figur der Sünderin immer weiter ausgeschmückt. In Kunst und Popkultur wird sie nackt oder leicht bekleidet mit offenem, rotem Haar dargestellt. Basierend auf dem Mythos wurde im 13. Jahrhundert in Deutschland sogar der Orden der Magdalenerinnen zur Rettung und Buße von ehemaligen Prostituierten eingerichtet. Noch heute existieren einige wenige Konvente – auch in Deutschland - jedoch unabhängig von der früheren Tätigkeit seiner Schwestern.
Münchner Magdalenenfest:
Frauen in der Kirche stärken
Das Münchner Frauenforum organisiert in diesem Jahr zum ersten Mal ein Fest, um Maria Magdalena näherzukommen und sie zu feiern – mit dabei ist der Katholische Deutsche Frauenbund, die Frauenseelsorge und Missio. Für Frauenseelsorgerin Barbara Bertl hat Maria Magdalena einen ganz besonderen Wert für alle Frauen in der Kirche: „Sie spricht in einer Welt, in der sie eigentlich nichts sagen soll. Sie stellt ihren Verkündigungswillen trotzdem in den Vordergrund.“
Das Fest ist Teil der Frauenpredigten in der Münchner Innenstadtkirche St. Michael. Hier findet einmal im Monat eine Predigt von und für Frauen statt. Sie sollen zeigen, dass auch Frauen einen Platz in Predigt und Verkündigung haben. Genauso wie Maria Magdalena, meint Bertl: „Ihr Mut zur Verkündigung und Predigt kann ein Vorbild für uns alle sein und eine Rechtfertigung für ein Priesteramt für Frauen.“ Zum Magdalenenfest seien alle willkommen, die Frauen stärken möchten. Denn das wäre wohl auch Maria Magdalenas größter Wunsch gewesen: Frauen Mut zu machen.



