Glaubenswelten
22.08.2025


Der heilige Bartholomäus 

Sankt Bartholomäus am 24. August

Der heilige Bartholomäus ist einer der unbekannteren Apostel Jesu. Alte Bauernregeln und festliche Traditionen machen seinen Namenstag zu etwas Besonderem.
    

Die Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Königssee ist ein beliebter Pilgerort – und ein beindruckendes Fotomotiv. Die Wallfahrtskirche St. Bartholomä am Königssee ist ein beliebter Pilgerort – und ein beindruckendes Fotomotiv. Foto: © AdobeStock/Iryna Shpulak

Bartholomäus: Apostel und Märtyrer

Der heilige Bartholomäus gehörte zu den zwölf Aposteln Jesu, dennoch wird er in der Bibel nur vereinzelt erwähnt. Sein Name stammt vom aramäischen Bar-Tholmai ab und heißt übersetzt „Sohn des Tholmai“. In der Theologie wird Bartholomäus meist mit dem Galiläer Nathanael aus Kana gleichgesetzt, der im Johannesevangelium auf Jesus trifft (Joh 1, 45-50). Sein voller Name könnte dementsprechend Nathanael Bar-Tholmai gewesen sein. Der heilige Augustinus und der heilige Gregor der Große waren hingegen der Meinung, Bartholomäus sei nur einer der 75 Jünger Jesu und kein Apostel gewesen. 

Zunächst blieb Bartholomäus zwölf Jahre lang in Palästina und predigte dort. Danach zog er durch Mesopotamien und Indien, wo er eine hebräische Abschrift des Matthias-Evangeliums hinterließ. Später hielt er sich in Armenien auf – dort soll er für zahlreiche Wunderheilungen verantwortlich gewesen sein. So heilte er auch die Tochter des Königs Polymius, deren Familie in Folge der Genesung christlich wurde. König Astyages, der Bruder von Polymius, ließ Bartholomäus für die Missionierung der Familie foltern. Über die Art des Martertodes Bartholomäus wird unterschiedlich berichtet: Teils soll der Apostel kopfüber gekreuzigt worden sein, in den meisten Erzählungen wurde ihm bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen. Daher zeigen ihn Darstellungen häufig mit abgezogener Haut in den Händen. Darüber hinaus trägt er typischerweise ein Messer und ein Buch.

Die Überreste des Heiligen gelangten nach seinem Tod über verschiedene persische Städte nach Italien, erst auf die Liparischen Inseln und nach Benevent, später nach Rom. Reliquien des heiligen Bartholomäus finden sich heute auch in England, Spanien und Deutschland. Im Kloster Andechs zum Beispiel sollen ein Arm und einige Gebeine des Apostels liegen.

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Bartholomäus’ Schädelreliquie im Frankfurter Dom

Die Schädeldecke des heiligen Bartholomäus gilt als wichtigste Reliquie nördlich der Alpen - seit Beginn des 13. Jahrhunderts wird sie im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Main aufbewahrt. Die Reliquie kam über Kaiser Otto III. als Geschenk in die Frankfurter Salvatorkirche, die wenig später dem heiligen Bartholomäus geweiht wurde – seitdem gilt Bartholomäus auch als Stadtpatron von Frankfurt. Erst seit dem Umbau der Wahlkapelle im Frankfurter Dom im Jahr 2019 ist die Reliquie für Besuchende zu sehen, zuvor war sie lange Zeit nicht zugänglich.

An 14 Stellen im Dom ist der heilige Bartholomäus zu sehen. Ein mittelalterliches Fresko im Hochchor der Kirche erzählt die Geschichte seines Martyriums in 28 Bildern. Außerdem erinnert das große Bartholomäus-Relief an der Außenwand des Kaiserdoms an alle Opfer von Gewaltherrschaften. Es wurde in der Nachkriegszeit von dem bedeutenden Frankfurter Bildhauer Hans Mettel angefertigt und zeigt Bartholomäus vor dem thronenden Astyages liegen.

Bartholomäusnacht: Die „Pariser Bluthochzeit“

Die Bartholomäusnacht ist auch mit einem düsteren Kapitel der Geschichte verbunden: der Pariser Bluthochzeit im Jahr 1572. In der Nacht zum 24. August kam es in Paris zu einem Massaker an den protestantischen Hugenotten, das allein in der Hauptstadt 3.000 Leben kostete. In ganz Frankreich sollen in den Tagen danach insgesamt 10.000 Menschen gestorben sein. Auslöser war die Spaltung zwischen den Katholiken und den protestantischen Hugenotten in Frankreich. In den Jahren zuvor hatten dort bereits drei Religionskriege gewütet.

Am besagten Tag wurde die Hochzeit des reformierten Heinrich von Navarra und der katholischen Margarete von Valois gefeiert. Die Mutter der Braut, Katharina de Medici, nutzte die Hochzeit ihrer Tochter, um den Anschlag auf den protestantischen Parteiführer Admiral Gaspard de Coligny zu planen. Sie wollte seinen wachsenden Einfluss auf ihren Sohn, den minderjährigen König Karl IX., stoppen. 

Das erste Attentat überlebte Admiral Coligny, doch in der Nacht auf den 24. August eskalierte die Gewalt. Auf Geheiß König Karls IX. tötete dessen Schweizergarde erst Coligny und dann ca. 3.000 weitere Hugenotten auf den Straßen von Paris. Papst Gregor XIII. nahm die Nachricht der Gewalt mit Freude auf und ließ in Rom Dankfeste feiern.

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Bauernregeln und Schäferläufe

Wenn Barthel vor'm Kirchgang noch ein Sommertraum, reißt Herbstwind nach der Messe die Äpfel vom Baum“ – solche Bauernweisheiten zum Bartholomäus-Tag gibt es einige. Der 24. August markiert für viele noch heute das Ende des Sommers. Die Bauern begannen früher an diesem Tag mit der Aussaat, die Fischer durften mit Ende der Laichzeit wieder fischen, und die Karpfen und Gänse für das Weihnachtsfest wurden ausgewählt. 

Da Bartholomäus auch der Patron der Winzer und Schäfer ist, entwickelten sich regionale Bräuche wie die Schäferläufe. Besonders bekannt ist der Wettlauf in Markgröningen – er zählt zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. 

Die Dorfgemeinschaft des oberbayerischen Ortsteils Hittenkirchen (Bernau am Chiemsee) ehrt ihren Kirchenpatron mit einem eigenen Ortsfeiertag. Traditionell schließen die Geschäfte im Ort am Bartholomäus-Tag. Ein Gottesdienst und eine anschließende Prozession durch den Ort und über die Felder zeugen dort von dem lebendigen Brauchtum. 

St. Bartholomä: Wallfahrtskirche und Ausflugsziel

Die wohl bekannteste Bartholomäuskirche der Welt steht am Königssee im Berchtesgadener Land. Mit ihrer Lage am Königssee und dem gewaltigen Watzmannmassiv im Rücken ist die Wallfahrtskirche nicht nur ein bekanntes Ausflugsziel, sondern auch ein besonders beliebtes Motiv für Fotografen aus aller Welt. Ihre weißen Türme und die roten Kuppeln machen sie zu einem echten Blickfang.

Die erste Kirche an dieser Stelle entstand bereits im Jahr 1134, Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie vergrößert. Wenige Jahrzehnte später folgte eine Erweiterung durch einen kreisförmigen Bau mit Verbindung zum angrenzenden Jagdschloss. Zu ihrer Entstehungszeit wurde sie der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht, später entschloss man sich für das Patrozinium des heiligen Bartholomäus – passend zu den Hirten und Almleuten der Region. 

Um den Namenstag des Heiligen pilgern jährlich ca. 3.000 Gläubige im Rahmen der Almer Wallfahrt zur Hirschauer Halbinsel. Von Maria Alm in Österreich wandern die Pilger durch das sogenannte Steinerne Meer – ein Gebirgsmassiv der Berchtesgadener Alpen – zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Ob zu Fuß, mit dem Zug, oder dem Auto: Einen Besuch ist die Kirche am Ufer des Königssees immer wert.

Lilly Krka
Artikel von Lilly Krka
Volontärin