Glaubenswelten
14.08.2025


Malende Barocknonne aus Altomünster

Katharina Kreitmayr: Die einzige Nonnenmalerin des Barock neu entdeckt

Katharina Kreitmayr gilt als bislang einzige Nonnenmalerin der Barockzeit im deutschsprachigen Raum. Die Theologin und Kunsthistorikerin Veronika Jung aus Altomünster hat über sie promoviert und stellt die Künstlerin vor. 
    

Katharina Kreitmayr hat zahlreiche Heilige dargestellt, etwa Birgitta von Schweden und ihre Tochter Katharina Katharina Kreitmayr hat zahlreiche Heilige dargestellt, etwa Birgitta von Schweden und ihre Tochter Katharina Foto: © Benedikt Jung

München, 1640: Es herrschte der Dreißigjährige Krieg; Plünderungen, Hungersnöte und Seuchen hatten verheerende Auswirkungen auf die Stadt und ihre Bevölkerung. Wie war es wohl den Eltern zumute, die ihr drittes Kind, Anna Maria, am 21. Dezember in der Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ taufen ließen? Wir wissen es nicht. Was wir annehmen können, ist, dass dieses Mädchen ein besonderes Talent in die Wiege gelegt bekommen hat, denn bereits in jungen Jahren erhielt sie eine malerische Ausbildung. Das war eine Seltenheit für Mädchen jener Zeit, denn eine künstlerische Ausbildung war nur möglich, wenn die Familie über entsprechende Kontakte verfügte und finanziell begütert war, oder es in der eigenen Familie beziehungsweise Verwandtschaft bereits einen Künstler gab, oder ein Künstler in unmittelbarer Nachbarschaft lebte. Alle diese Faktoren trafen glücklicherweise bei ihr zusammen.
    

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Vergessene Künstlerin 

Als erste Lehrer kommen vermutlich der ehemalige Hofmaler Ulrich Loth und seine Frau sowie der ebenfalls in der Nachbarschaft lebende Nikolaus Prugger, der Hofmaler des Kurfürsten und Großvater der bekannten Asambrüder, und dessen beide Frauen in Frage. Auch ihr zukünftiger Schwager Johann Zäch könnte Anteil an ihrer um das Jahr 1659 abgeschlossenen malerischen Ausbildung gehabt haben. Unter anderem durch ihre Lehrer fand sie bald Anerkennung als Hofmalerin unter Kurfürst Ferdinand Maria am Münchner Hof, von dem sie 1663 für ihre Miniaturen entlohnt wurde.

Im Jahr 1664 trat Anna Maria Kreitmayr in den Konvent des Birgittenordens in Altomünster ein, wo sie den Ordensnamen Katharina annahm. Trotz der strengen Klausur konnte sie ihre künstlerische Arbeit fortsetzen, war womöglich sogar von mancher Klosterpflicht befreit, denn Malen galt als eine Form des Gebets.

Kreitmayr war eine außergewöhnliche Miniaturmalerin, die es verstand, ihre individuelle Malweise in Techniken wie Aquarell, Gouache und Tempera zu perfektionieren. Trotz der damals wenig angesehenen Bedeutung dieser Randmalarten integrierte sie gekonnt die in der Ölmalerei üblichen Kriterien in ihre Werke. Zudem entwickelte sie ihre eigene Technik, die ihr Œuvre unverwechselbar macht. Das Kolorit ihrer Miniaturen ist geprägt von kräftigen Farben, die eine malerische Wirkung erzielen – ähnlich wie in der venezianischen Malerei.

Manche Werke zeigen ein helles, pastellartiges Farbklima, bei dem die übereinandergelegten Farbtöne durchschimmern. Andere Miniaturen weisen eine starke Hell-Dunkel-Manier auf, die an den Stil Caravaggios erinnert. Besonders auffällig ist der markante Blauton, der in fast allen ihren Miniaturen vorkommt. Ergänzt wird dieser durch kräftiges Rot und Rosa, die ihrer Farbpalette einen lebendigen Ausdruck verleihen.

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Miniaturen im Freisinger Diözesanmuseum 

Ihre auf kostbarem Pergament gemalten Miniaturen galten daher als Raritäten. Diese waren bei bedeutenden Persönlichkeiten wie Fürstbischof Johann Franz Eckher, Kardinal Alexander Albani und sogar Papst Clemens XI. sehr gefragt, der ihre Miniaturen „aufs hechste geschätzet“ hat.

Kreitmayrs Werk umfasst sowohl christo-logische als auch mariologische Themen und Darstellungen von Heiligen, unter anderem der sechs Bistumspatrone. Zwei dieser in Retabel-Reliquiare eingearbeiteten, minutiös in ihrem Detail ausgearbeiteten Miniaturen sind im Diözesanmuseum Freising zu sehen.

Eine davon zeigt den heiligen Sigismund. Der Burgunderkönig, gekleidet in Rüstung und mit Hermelinfell gefüttertem Mantel, ist in Form eines Hüftstückes im Bildmittelgrund zu sehen. Ebenso wie die Krone und das Schwert, die er bei sich trägt, gehört der vor ihm auf einem purpurfarbenen Kissen liegende Reichsapfel zu den königlichen Insignien. Während im Vordergrund der linken Bildecke ein Putto mit einem blauen gevierten Wappenschild zu sehen ist, werden im Hintergrund in Simultanszenen die Enthauptung des Königs und die anschließende Versenkung seines Leichnams in einem Brunnen wiedergegeben. In dem die Miniatur umgebenden goldenen Rahmen hat die Nonne ihre Signatur geschrieben, die Zeugnis für ihr Selbstbewusstsein und ihre künstlerische Eigenständigkeit gibt.

Auch Kreitmayrs Darstellung des heiligen Sigismund ist im Diözesanmuseum in Freising zu finden. Auch Kreitmayrs Darstellung des heiligen Sigismund ist im Diözesanmuseum in Freising zu finden. Foto: © Diözesanmuseum Freising/Walter Bayer

Inspiriert durch die heilige Birgitta von Schweden 

Inspiration fand sie unter anderem in Kupferstichen, von denen sich einige in der „Bavaria Sancta“, einem damaligen Standardwerk über Heilige und Selige aus Bayern, befinden, und Gemälden sowie in den Offenbarungen der heiligen Birgitta von Schweden. So gibt es neben der in der Barockzeit üblichen Ikonographie in Kreitmayrs Werken Bildfindungen, die eigenartig und untypisch sind, die sich aber durch die Offenbarungen der heiligen Birgitta von Schweden und die daraus resultierende birgittinische Spiritualität erklären lassen, die auch Kreitmayrs persönliche Spiritualität widerspiegelt. Zudem stand Kreitmayr in Kontakt mit den bedeutenden Freisinger Hofmalern wie Franz Josef Lederer und Johann Andreas Wolff, was in ihren Werken Niederschlag findet.

Kreitmayr verstarb am 28. Februar 1726 im Alter von 85 Jahren. Als „fyrtreffliche Miniatur Mahlerin“, wie es in einem Totenbuch des Klosters Altomünster heißt, hat sie einen bleibenden Eindruck in der religiösen und künstlerischen Tradition hinterlassen, denn ihre Werke zeugen von ihrer meisterhaften Technik und ihrer einzigartigen Handschrift.

Theologin und Kunsthistorikerin Veronika Jung aus Altomünster hat über Katharina Kreitmayr promoviert.  Theologin und Kunsthistorikerin Veronika Jung aus Altomünster hat über Katharina Kreitmayr promoviert. Foto: © studioline Augsburg

Interview mit Autorin Veronika Jung 

Frau Jung, Sie haben über Schwester Katharina Kreitmayr promoviert. Wie sind Sie auf diese malende Nonne aufmerksam geworden?

Ich bin auf diese malende Nonne durch eine Exkursion, die ich im Rahmen meines Theologiestudiums organisiert habe, aufmerksam geworden. Da durften wir das erste Mal in das streng klausurierte Birgittenkloster in Altomünster. Bei einer Führung sind wir in den Kapitelsaal gekommen. Darin befand sich ein Teil ihrer Werke. Da habe ich damals gedacht: Diese Werke sind sehr qualitätvoll und ansprechend, diese müsste man doch wissenschaftlich untersuchen und diese Nonne erforschen.

Was ist denn das Besondere an ihr?

Katharina Kreitmayr war eine begnadete Miniaturmalerin. Sie verwendete in ihren Miniaturen einen sehr prägnanten Rot- und Blauton. Und sie hat versucht, die Techniken, die in der Ölmalerei üblich waren, in ihre Maltechniken – die Gouache, Tempera und Aquarellmalerei – zu übertragen Sie hat dabei auch eine eigene Technik entwickelt, die sogenannte Stricheltechnik. Und sie hat ihre Werke signiert, was für Klosterschwestern eher unüblich war. 

Was versteht man unter der Stricheltechnik?

Man kann sich darunter vorstellen, dass sie mit einem wirklich ganz feinen Pinsel einzelne Striche direkt nebeneinandergesetzt hat, wie im Pointillismus von der Stilrichtung her, aber es dann geschafft hat, das so flächig zu malen, dass es wie ein Farbfeld ausschaut.

Wie hat ihre Umwelt auf diese malende Ordensfrau reagiert?

Die war ganz begeistert von ihrer Malweise. Sie verwendete sehr bunte, lebhafte Farben, mit denen sie sich von der eher dunklen Ölmalerei abhob, und, ich glaube, das hat die Leute damals schon angesprochen. 

Sogar der Papst hat ihre Miniaturen ja aufs Höchste geschätzt. Wie kam es denn dazu?

Die Altomünsterer Patres hatten eine Wohnung im Haus der heiligen Birgitta von Schweden an der Piazza Farnese in Rom. Da gab es eben auch Verbindungen zum Papst und gelegentlich wurden ihm Miniaturen von Katharina Kreitmayr überreicht. Diese Miniaturen hat er, so steht es in den Totenbüchern, aufs Höchste geschätzt aufgrund ihrer Technik, die so einzigartig war, und weil sie nicht, wie es damals üblich war, auf gebräuchliches Papier gemalt waren, sondern auf kostbares, teures Pergament, was die Qualität der Bilder unterstreicht.

Was fasziniert Sie persönlich an Schwester Katharina Kreitmayr?

Mich fasziniert die Art und Weise, wie sie die Miniaturen gemalt hat, und dass sie es geschafft hat, sich durchzusetzen, und einfach ihrem Talent nachgegangen ist und sich von den Umständen der damaligen Zeit nicht hat kleinkriegen lassen. Sie hat während ihrer Zeit im Kloster – das waren ungefähr 60 Jahre – eine Menge Bilder gemalt. Wenn man einer Quelle glaubt, die überliefert, dass sie mindestens zwei Stück pro Jahr gemalt hat, dann war das schon eine Meisterleistung.

Interview: Karin Hammermaier

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"MKR - Magazin" Wochenrückblick vom 04.08. bis zum 08,.08.2025, Kapitelmarke "Die malende Barocknonne ab Min. 00:16. 

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