Mit Gott in der Achterbahn: Kirche im Europa-Park Rust
Kirche und Freizeitpark: Das ist eine merkwürdige Kombination. Was haben Wildwasserfahrt, Kettenkarussell und Pommesbude mit dem Glauben zu tun? Eine Menge, finden der katholische Diakon Thomas Schneeberger und die evangelische Diakonin Andrea Ziegler, die als Seelsorger im Europa-Park Rust arbeiten. Ein Besuch.
Die Achterbahn „Silver Star" im Europa-Park gilt als eine der intensivsten Achterbahnen Deutschlands, mit einer Höhe von 73 Metern und Geschwindigkeiten von bis zu 127 km/h. Foto: © D. Pfleiderer - stock.adobe.com
Schon von der Autobahn sieht man ihn, den Europa-Park Rust, nahe der französischen Grenze auf halbem Weg zwischen Straßburg und Freiburg. Hoch ragen Achterbahnen und andere Attraktionen in den Himmel. Und das Ensemble hochwertiger Hotels, die zum Park gehören.
Eines davon ist das Santa Isabel, das im Stil eines portugiesischen Klosters gebaut wurde. Schon draußen sieht man das Kreuz auf der kleinen Kapelle des Hotels, und wenn man die Lobby betritt, wähnt man sich eher in Rom als in Rust. Porträts der heiligen Isabel hängen dort genauso an den Wänden wie diverse Kreuze, über dem Gepäckraum wacht ein namenloser Bischof. Gleich links steht die zweiflüglige Tür zu einem Saal offen, „Refektorium“ wird er genannt. Der Blick fällt auf einen Kristalllüster – und auf mehr als ein Dutzend großformatige Ölbilder mit Papstporträts, die den Raum rundherum ausfüllen. Papst Leo XIV. fehlt noch – für ihn werden die anderen zusammenrücken müssen.
Die Tür neben dem Refektorium ist geschlossen. „Gottesdienst, bitte nicht stören“, mahnt ein Schild. Ein Paar um die 40 tritt mit Koffern und Rucksack bepackt aus dem Aufzug, geht zu dem Kerzenständer vor der Kapelle, die dem heiligen Jakobus geweiht ist, und entzündet ein Teelicht. „Wir wollen Danke sagen für die wunderbaren Tage hier“, sagen sie, bevor sie die Heimreise antreten.
Taufen und Trauungen im Europa-Park Rust
Ein paar Minuten später öffnet ein Mann in Albe und Stola die Tür der Kapelle. „Sie können jetzt gerne reinkommen“, sagt Diakon Thomas Schneeberger. Drinnen haben sich knapp 20 Menschen versammelt und die Taufe ihrer Lotta gefeiert. „Die Kapelle ist so schön klein und gemütlich“, sagt Lottas Mutter Juliana. Die Familie wohnt in der Nähe, gleich geht es zum Feiern in den Sportverein. „Wir haben eine Dauerkarte für den Europa-Park“, sagt Vater Dennis. „Über Instagram wussten wir von der Möglichkeit, hier die Taufe zu feiern.“
Diakon Thomas Schneeberger hat in der Jakobus-Kapelle des Europa-Parks gerade die kleine Lotta getauft. Foto: © Christof Haverkamp
Thomas Schneeberger packt seine Gitarre ein. „Hat Spaß gemacht mit euch!“, gibt er der Familie noch mit auf den Weg. Viel Zeit hat er nicht, in einer halben Stunde kommt die nächste Tauffamilie. „Wir haben im Jahr rund hundert Taufen und Trauungen“, sagt er. Hier in der Kapelle im Santa Isabel und in der Stabkirche im Park selbst. „Viele Menschen, die zu uns kommen, haben keine Beziehung mehr zu ihrer Ortsgemeinde, dafür umso mehr Beziehung zum Europa-Park.“
Und da kommen auch schon Pirmin und Ann-Kathrin mit ihrem Sohn Valentin. Seine Tante hat ihre Gitarre mitgebracht und blättert noch einmal durch das vorbereitete Heft. „Wir waren letztes Jahr hier zu einer Taufe eingeladen“, sagt Pirmin. „Das hat uns so gut gefallen, dass wir das für Valentin auch wollten.“ Ann-Kathrin ergänzt: „Es ist so schön persönlich hier. In unserer Kirchengemeinde werden nur Sammeltaufen angeboten.“ Außerdem gefällt es ihnen, „hier mitten im Leben“ zu feiern. Pirmin sagt: „Ich finde es schön, dass der Europa-Park daran denkt: dass man hier nicht nur Spaß haben, sondern auch einen Segen bekommen kann.“ Dann gehen sie in die Kapelle. „Gottesdienst. Bitte nicht stören.“
Von der Hotellobby führt Weg, der an einen Kreuzgang erinnert, hinein in den Freizeitpark. Dort ist es vorbei mit der Stille. Es ist ein sonniger Frühlingssamstag, nicht zu heiß, perfekt für einen Ausflug. Vor allem Familien mit Kindern sind heute hier, aber auch viele Gruppen von jungen Erwachsenen. Alles Leute also, die nicht oft in die Kirche gehen.
Der Europa-Park ist in verschiedene Zonen aufgeteilt, die nach Ländern benannt und landestypisch gestaltet sind. In Griechenland heißen die Fahrgeschäfte und Attraktionen Poseidon oder Pegasus und es gibt Gyros in der Taverna Mykonos. In Kroatien snackt man Cevapcici, in England geht man in den Pub und steigt an der Paddington Station in die Panoramabahn.
Unser Ziel ist Skandinavien, denn dort gibt es außer der Schiffschaukel Vindjammer und dem Fjord Rafting etwas Unerwartetes: eine Kirche. Sie wurde mit der Entstehung des skandinavischen Themenbereiches nach dem Vorbild der norwegischen Stabkirchen erbaut: Das sind mittelalterliche Holzkirchen mit Wänden aus senkrecht gestellten Masten und übereinander geschichteten Dächern und Drachenköpfen an den Giebeln. Innen sind sie reichhaltig mit Gemälden geschmückt.
Es ist jetzt kurz vor 14 Uhr. Die evangelische Diakonin Andrea Ziegler hat einige Ehrenamtliche in der Kirche versammelt und verteilt Aufgaben für den Nachmittag: eine Schatzsuche für Kinder, ein Quiz für Erwachsene und Glitzersegen für alle. „Verteilt den besser draußen, sonst glitzert nachher die ganze Kirche“, sagt Ziegler.
Ein Hummel-Engel-Maskottchen, das begeistert
Die jüngste Ehrenamtliche, die neunjährige Patricia, hat sich die Handpuppe Joy übergestreift. Sie setzt sich vor die Kirche und will Besucher hineinlocken. „Die Leute finden Joy alle ganz toll“, sagt sie und strahlt. „Besonders die kleinen Kinder. Die umarmen Joy immer und würden sie am liebsten mitnehmen. Aber ich gebe sie nicht her.“
Joy ist das Maskottchen der „Kirche im Europa-Park“. „Wir sagen manchmal ‚Himmel’ zu ihr, weil sie mit gelben Querstreifen, Heiligenschein und Flügeln eine Mischung aus Hummel und Engel ist“, sagt Ziegler. Joy führt auch durch ein Büchlein, das Tauffamilien bei der ersten Vorbesprechung bekommen. Und es gibt sie als kleines Plüschwesen, dass die Täuflinge mitnehmen dürfen. „Die Figur ist inzwischen richtig wichtig für uns“, sagt Ziegler.
Ehrenamtliche unterstützen Diakonin Andrea Ziegler in der Stabkirche. Foto: © Christof Haverkamp
Die Diakonin ist seit März 2020 Seelsorgerin im Europa-Park. „Ich bin gleichzeitig mit Corona gekommen“, sagt sie und lacht. „Einen Tag nach meiner ersten Taufe wurde der Lockdown bekannt gegeben. Der Europa-Park, der Mitte März geschlossen war, durfte nicht wie geplant öffnen.“ Die Zeit hat sie genutzt, um für die Kirche im Europa-Park einen Instagram-Kanal aufzubauen – eine Not-Beschäftigung mit nachhaltiger Wirkung. „Insta ist für uns inzwischen das wichtigste Instrument, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen und zu bleiben“, sagt Ziegler. Termine und Aktionen werden über den Kanal verbreitet, aber auch Fragen beantwortet und Bilder geteilt. „Viele von denen, die bei uns geheiratet oder ein Kind getauft haben, lassen uns via Instagram an ihrem weiteren Leben teilhaben“, sagt die Diakonin, die zuvor in einer evangelischen Gemeinde gearbeitet hat.
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Auch Thomas Schneeberger ist inzwischen vom Hotel zum Team gestoßen und unterhält sich in der Kirche mit einem jungen Paar. „Mit den beiden feiere ich hier demnächst Hochzeit“, sagt er hinterher. „Sie haben auf Insta gelesen, dass wir heute hier sind, und sind spontan vorbeigekommen, um Hallo zu sagen.“ Auch sie sind Dauerkartenbesitzer, natürlich. Angst vor zu viel Rummel und Zufallsgästen müssen sie bei ihrer Feier nicht haben. „Wenn wir in der norwegischen Stabkirche Trau- oder Taufgottesdienste feiern, können die Familien ohne Besucherverkehr unter sich bleiben“, sagt Schneeberger.
Europa-Park-Fans, Dauerkartenbesitzer
und Mitarbeiter als Zielgruppe
Zielgerichtet ist auch Familie Hausmann gekommen. Nächste Woche wird Maximilian, ihr Junge im Kindergartenalter, hier in der Stabkirche getauft. „Er kann sich heute noch mal ein bisschen vertraut machen mit der Kirche und mit Andrea“, sagt seine Mutter Katrin. Warum sie die Stabkirche als Taufort gewählt haben? „Wir wollten einen Ort nehmen, der für uns mit Freude verbunden ist“, sagt die Mutter. „Erst dachten wir an die Kapelle im Hotel, aber dann sagte mein Mann: ‚Wenn schon, denn schon mitten hinein ins Leben!‘“
Thomas Schneeberger steht draußen vor der Kirche in der Sonne. „Eine unserer Hauptzielgruppen sind die echten Park-Fans“, sagt er. „Es gibt zum Beispiel jährliche Fantreffen, bei denen wir uns auch schon vorgestellt haben.“ Eine andere Zielgruppe sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Europa-Parks. „Mehr als 5000 sind das“, sagt Schneeberger. Auch von ihnen feiern manche hier Hochzeit oder Taufe. Es gibt aber auch traurige Anlässe. „Wir hatte es schon, dass jemand plötzlich gestorben ist und wir eine Gedenkfeier gestaltet haben, direkt dort, wo er kürzlich noch gearbeitet hat.“
Es gibt aber auch Laufkundschaft. „Manche Leute sind einfach neugierig, was das für eine Kirche ist und warum die hier steht“, sagt Schneeberger. Oft komme man dann kurz ins Gespräch: „Und manchmal auch länger.“ Einmal habe sei bei einem solchen Gespräch herausgekommen, dass Oma und Opa Goldene Hochzeit haben und deshalb mit der Familie in den Park gekommen sind. „Da haben wir ganz spontan einen kleinen Segensgottesdienst gefeiert“, sagt der Diakon. „Das war für alle sehr berührend.“
Spontan sind offensichtlich auch vier junge Männer in die Kirche gekommen. Etwas irritiert schauen sie sich um: Nach einer spannenden Attraktion sieht das nicht aus. Da kommt auch schon Tim, einer der Ehrenamtlichen, auf sie zu und lädt sie ein, beim Quiz mitzumachen. „Quiz? Hier in der Kirche“, fragt einer der vier mit Schweizer Akzent hörbar irritiert. „Ja klar, ist nicht schwer, das kriegt ihr hin!“
Tatsächlich lassen sich die Schweizer darauf ein – und nehmen sich am Ende lachend eine Belohnung aus der Schatzkiste. Tim ist zufrieden. „Ich finde es total cool hier“, sagt der 17-Jährige, der in seiner Heimatgemeinde Ministrant ist. „Es macht total Spaß mit den Leuten. Und außerdem finde ich es gut, dass hier alle willkommen sind und dass es egal ist, ob katholisch oder evangelisch.“
Auch Solveigh Petersen, über 70, ist als Ehrenamtliche dabei. Von Anfang an, also seit 20 Jahren. „Mich begeistern das ganz andere Umfeld und die überraschenden Begegnungen“, sagt sie. „Das hat man in einer normalen Kirchengemeinde so nicht.“ Außerdem mag sie das Team der Ehrenamtlichen: „Dass wir so unterschiedlich sind, auch im Alter. Ich habe hier richtige Freundschaften geschlossen.“
Kirche im Europa-Park: Fernstehende
sind oft positiv überrascht
„Ja“, sagt Diakonin Andrea Ziegler, „unsere Ehrenamtlichen sind schon sehr wichtig.“ Auch von ihnen fänden viele über die sozialen Medien zu ihnen, gerade die jüngeren. Sie unterstützen – so wie heute – bei Aktionen rund um die Stabkirche und bei den großen Gottesdiensten am Ostermontag, am Erntedankfest und am ersten Advent. Niedrigschwellig ist das Engagement. „Man trägt sich in unseren E-Mail-Verteiler ein, bekommt regelmäßig unsere Infos und Anfragen“, sagt Ziegler. „Wenn es passt, klickt man auf den Button ‚Da hab ich Lust drauf‘, wenn es nicht passt, ist es auch gut.“
Heute sind alle bestens gelaunt. Aber wie ist es mit anderen Erfahrungen, mit negativen? Gibt es Besucherinnen und Besucher, die über die Kirche nörgeln? Ziegler denkt nach. „Selten“, sagt sie. „Kritik kommt hin und wieder von kirchennahen Leuten, denen die klassische Gemeindearbeit wichtiger ist, oder von Leuten, die schlechte Erfahrungen mit Kirche gemacht haben“, sagt sie. Viele ließen sich „durch ein freundliches Gespräch ins Nachdenken bringen“. Fernstehende seien oft positiv überrascht: „Die sagen uns: Wenn Kirche öfter so wäre, so nahbar und fröhlich, dann wäre ich auch dabei.“
Was antwortet sie auf die innerkirchliche Kritik? „Ich versuche zu erklären, was wir hier machen“, sagt die Diakonin. „Und dass Freizeitpark und Glauben durchaus etwas miteinander zu tun haben.“ Aha, und was zum Beispiel? „Unser Slogan ist: Mit Gott in der Achterbahn“, sagt Ziegler. „Das passt super, denn das Leben ist oft auch wie eine Achterbahnfahrt. Man setzt sich rein und es geht los und man kann nicht immer viel daran ändern, ob es bergauf oder bergab geht, ob man vor Angst oder vor Begeisterung schreit.“ Und irgendwann, erzählt Ziegler weiter, komme man ans Ziel. „Und dann sagt Gott: Herzlich willkommen. Hast du es gemerkt? Ich habe die ganze Zeit neben dir gesessen und habe dich begleitet!“
Der Europa-Park feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. 1975 hat Franz Mack das Familienunternehmen gegründet. Nach Sohn Jürgen (75) sind auch dessen Söhne Michael und Thomas in die Geschäftsleitung nachgerückt. Seit 20 Jahren entsenden die Kirchen zwei Seelsorger für die ökumenische „Kirche im Europapark“.
Infos: www.kirche-im-europapark.de; Instagram: @kirche-im-europa-park und #mitgottinderachterbahn.
Der Tag im Europa-Park neigt sich dem Ende zu. „Wenn Sie zum Ausgang gehen“, sagt Thomas Schneeberger, „dann achten Sie doch mal darauf, was es noch alles Religiöses im Park gibt.“ Die Böcklin-Kapelle zum Beispiel, um die herum der Park gebaut wurde. „Oder Sie trinken in Italien noch einen Cappuccino im Benedetto, das ist voll mit Bildern von Papst Benedikt.“ Oder man trifft auf kleine Marienfiguren. Auf bunte Fenster mit christlichen Motiven. „Wir haben unter dem Namen ‚Instawalk‘ ein Spiel auf Instagram daraus gemacht“, sagt Andrea Ziegler. „Die Leute posten Fotos von ihren religiösen Entdeckungen und wir reposten sie. Da kommen interessante Sachen zusammen.“ Es ist eben so, wie es auf der Tafel an der Stabkirche steht: „Gott wohnt da, wo man ihn einlässt. Auch an jeder Ecke des Europa-Parks können wir ihm begegnen.“
Interview mit Jürgen Mack,
Seniorchef des Europa-Parks Rust
Europa-Park Seniorchef Jürgen Mack. Foto: © Europa-Park
Herr Mack, das älteste Gebäude des Europa-Parks ist eine Kirche. Wie kam es dazu?
Das hat damit zu tun, dass ein Teil des Geländes dem Adelsgeschlecht Böcklin von Böcklinsau gehörte. Im Schlosspark errichtete die Familie eine Kapelle, die auch Grabstätte ist und erhalten bleiben sollte. Sie ist heute im Besitz des Erzbistums Freiburg.
War das nicht merkwürdig, den Park um eine Kapelle herum zu bauen?
Auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen, und am Anfang war die Kapelle auch eingezäunt, sodass Besucher sie nicht betreten konnten. Aber irgendwann dachten wir: Das ist ja schade. Vielleicht würden unsere Gäste gerne hineingehen, ein Gebet sprechen, eine Kerze anzünden. Wir haben dann mit dem Erzbistum gesprochen und jetzt ist die Böcklinskapelle schon lange offen und wurde in der Vergangenheit für viele Gottesdienste genutzt. Auch unsere Kinder sind dort getauft worden.
Als Sie im Park den Bereich Skandinavien gebaut haben, haben Sie auch die Stabkirche hineingesetzt. Warum?
Der Europa-Park ist nach Ländern gegliedert und wenn wir neue Bereiche planen, achten wir darauf, was für die Länder typisch ist: in der Kultur, in der Architektur. Kirchen sind ein wichtiger Teil davon. Deshalb haben wir auch kirchliche Elemente im Bereich Kroatien oder Italien. Oder in den Hotels, die zum Park gehören. Oder die norwegische Stabkirche. Für uns gehört das ganz selbstverständlich dazu.
Warum ist das so?
Unsere Familie ist christlich geprägt, wir stehen für christliche Werte. Das war immer schon so, ganz besonders bei meiner Mutter. Ich erinnere mich, was sie oft sagte, wenn wir uns über geschäftliche Dinge unterhalten haben: „Vergesst mir bei alldem den Herrgott nicht!“
Woran erkennt man das, dass Sie den Herrgott nicht vergessen?
Zum Beispiel daran, dass zum Mitarbeiter-Kickoff für die neue Saison auch ein geistlicher Impuls gehört. Oder daran, dass wir jetzt gerade unser Jubiläum „50 Jahre Europa-Park“ mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Erzbischof Stephan Burger und Landesbischöfin Heike Springhart gefeiert haben. Auch daran, dass wir neue Attraktionen immer segnen lassen. Wir betreiben ja nicht nur Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, wir stellen sie mit unserem Stammhaus MACK Rides auch für den weltweiten Markt her. Uns ist wichtig, um Gottes Segen zu bitten.
Finden die Gäste des Parks diese Kirchlichkeit nicht seltsam?
Ganz im Gegenteil bekamen wir immer mehr Anfragen von Menschen, die bei uns heiraten oder ihre Kinder taufen wollten. Zu Beginn wurden von uns nur die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, aber vor gut 20 Jahren haben wir gemeinsam mit dem Erzbistum Freiburg und der evangelischen Landeskirche in Baden eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die es uns ermöglicht, im ökumenischen Miteinander zwei Seelsorger zu beschäftigen. So konnte sichergestellt werden, dass die Kasualien korrekt ablaufen und wir immer die gleichen Ansprechpartner haben. Gleichzeitig erhielt die Kirche im Europa-Park zwei sympathische Gesichter nach außen.
Wie wichtig ist das Projekt heute?
Das Projekt ist etabliert, aber entwickelt sich auch weiter, ein großes Experimentierfeld. Kürzlich gab es zum ersten Mal ein Tauffest in unserer Wasserwelt Rulantica und für nächstes Jahr ist ein Motorradgottesdienst in Planung. Uns als Familie ist wichtig, mitzuhelfen, neue Wege zu finden, die christliche Botschaft und die damit verbundenen Werte zu den Menschen zu bringen. Zu unseren Gästen, aber natürlich auch zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Machen andere das nach?
Die Kirchen sind auf der Suche, wie sie zu den Menschen kommen können, wenn die Menschen nicht mehr in die Kirchen kommen. Deshalb: Ja, wir bekommen regelmäßig Besuch von Leuten, die sich für das Konzept interessieren und etwas Ähnliches ausprobieren wollen.
In einem Ihrer Hotels hängen Fotos von Begegnungen Ihrer Eltern mit Päpsten. Ist Ihnen das auch wichtig?
Eine persönliche Begegnung mit einem Papst hatten meine Frau und ich noch nicht. Aber wir waren schon mehrmals in Rom. Zum Beispiel zum Konzert des Symphonieorchesters Stuttgart zum 80. Geburtstag von Papst Benedikt in der Audienzhalle des Vatikans. Und der frühere Schweizer Zirkuspfarrer, Ernst Heller, mit dem wir guten Kontakt haben, hat uns einmal mitgenommen zur Vereidigung der Schweizergarde. Das war sehr eindrücklich für uns. Und was eine Privataudienz betrifft: Was nicht ist, kann ja noch werden.



