Glaubenswelten
06.11.2025

Mit dem E-Bike durch Europa: Wie Carola Mehltretter christliche Gemeinschaft neu erlebt

4.000 Kilometer in einem Jahr: Carola Mehltretter entdeckt auf ihrer E-Bike-Reise durch Europa, wie Glaube und Gemeinschaft Christen verbinden.
    

Beeindruckende Landschaftskulisse mit Leuchtturm und Meer in Spanien: Carola Mehltretter (1. v.r.) hat auf ihrer Europareise viel erlebt. Beeindruckende Landschaftskulisse mit Leuchtturm und Meer in Spanien: Carola Mehltretter (1. v.r.) hat auf ihrer Europareise viel erlebt. Foto: © privat

Ein Jahr, zehn Länder, unzählige Begegnungen: Carola Mehltretter hat sich mit ihrem E-Bike auf eine außergewöhnliche Reise durch Europa begeben. Ihr Ziel: herausfinden, was christliche Gemeinschaft heute bedeutet – und erleben, wie Glaube Menschen über Grenzen hinweg verbindet.

Früher hätte sie sich wohl für die Couch entschieden, denn sportlich war sie nie. Umso größer das Erstaunen, als die damals 27-Jährige ihr E-Bike sattelt, rund 20 Kilo Gepäck verstaut – Kamera, Laptop, Drohne und ein paar Kleidungsstücke – und zu einer Reise aufbricht, die ihr Leben verändert. „Ich wollte wissen, was meine christliche Familie überall auf der Welt tut und wie wir füreinander beten können“, erzählt sie. Ihre Mission: die Vielfalt und Einheit des Christentums sichtbar machen.

Die Social-Media-Managerin aus der Nähe von Frankfurt am Main kennt verschiedene freie evangelische Gemeinden und wurde auch durch ihre Konfirmation in der Landeskirche geprägt. „Mein Glaube hat mich mein Leben lang begleitet“, sagt sie. Diese Überzeugung will sie unterwegs auf den Prüfstand stellen – und erfährt schnell: Christen sind trotz aller Unterschiede verbunden.

Von München bis Schottland –
und mitten durchs Herz Europas

Schon zu Beginn ihrer Reise erlebt Carola Mehltretter etwas, das sie bewegt. In München besucht sie einen katholischen Gottesdienst. Zunächst fühlt sie sich fremd – doch dann tief berührt: „Ich habe gespürt, dass wir alle Teil derselben christlichen Familie sind. Und dass ich von jedem Teil dieser Familie etwas lernen kann.“
    

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Auf ihrem YouTube-Kanal „Rooted as One“ dokumentiert sie ihre Etappen: Von München über Augsburg in den Norden Europas, weiter durch die Niederlande, Irland, Nordirland, Schottland bis nach England. Dort wird sie Zeugin, wie lebendig der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten bis heute ist – und wie groß zugleich die Hoffnung auf Einheit ist.

Unterwegs erlebt sie riesige Gastfreundschaft: Über WhatsApp-Gruppen findet sie Gemeinden, Schlafplätze und neue Freunde. Ihre größte Sorge – das Geld – erweist sich als unbegründet. Am Ende der Reise hat sie sogar die Hälfte ihres Budgets übrig, weil sie so oft eingeladen wird.

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Pannen, Sturm und leere Batterien fordern sie heraus. Einmal bleibt sie in England liegen – und betet: „Gott, bitte schick mir Hilfe.“ Kurz darauf hält eine Frau an und bringt sie in die nächste Werkstatt. „Ich habe gespürt: Ich muss nicht alles allein schaffen.“

Ob in einer Surf-Church in Portugal, einer stillen Dorfkirche in Dänemark oder einer anglikanischen Gemeinde in England – überall spürt sie dieselbe Liebe zu Jesus.

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„Einheit heißt, einander zuzuhören
und füreinander zu beten“

Nach über 4.000 Kilometern, unzähligen Begegnungen und einem Jahr auf dem Fahrrad zieht Carola Mehltretter Bilanz: Wer als Christ unterwegs ist, findet überall Gemeinschaft. Ihre Erfahrungen hat sie im Buch „1 Jahr, 10 Länder und die Challenge meines Lebens“ festgehalten, das mit ihren Videos über QR-Codes verknüpft ist.

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Heute lebt sie wieder im Raum Frankfurt. Die Gastfreundschaft, die sie erlebt hat, möchte sie weitergeben – ihr Arbeitszimmer dient zugleich als Gästezimmer. Auf YouTube und Social Media führt sie ihr Projekt fort, sucht weiter den Austausch mit Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen.

Was sie gelernt hat?

„Einheit heißt nicht, in allem einer Meinung zu sein. Einheit heißt, sich zu begegnen, zuzuhören, füreinander zu beten – und sich den Glauben nicht abzusprechen. Wir sind schon verbunden, ob wir es wahrnehmen oder nicht.“

Ihre wichtigste Erkenntnis nach der Tour: „Mein Vertrauen auf Gott ist gewachsen.“

Stefan Branahl


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