Singen mit dem Papst
Liturgie, Latein – und Likes
Der Dominikaner Robert Mehlhart lädt ein, mit Papst Leo XIV. zu singen. Seine Online-Videoreihe „Let’s sing with the Pope“ ist äußerst erfolgreich. Im Interview erklärt der 43-Jährige, warum.
Pater Robert Mehlhart aus dem Erzbistum München und Freising leitet das Päpstliche Institut für Kirchenmusik. Foto: © Kiderle
Wie sind Sie auf die Idee zu der Online-Videoreihe „Let’s sing with the Pope“ gekommen?
Es war eine gelungene Überraschung, als der frisch gewählte Papst Leo XIV. zum ersten Mal auf den Balkon des Petersdoms trat. Die Menschenmenge auf dem Petersplatz war groß und voller Erwartung. Dann hat der Heilige Vater begonnen zu singen: „Regina Coeli“, denn es war Osterzeit. Alle waren ganz begeistert und die paar wenigen, die das „Regina Coeli“ kannten, haben ordentlich mitgeschmettert. Der Rest hätte das auch gerne gewollt.
Ich habe das gesehen und mir gedacht: Da können wir doch helfen. Jetzt machen wir einfach mal so ein Online-Tutorial, wie man das singt. Ich habe mich dann selber aufgenommen, als Selfie quasi, und habe es an Elam Rotem, einen lieben Freund in der Schweiz, geschickt, der übrigens auch einen sehr schönen YouTube-Kanal hat, „Early Music Sources“. Der hat das gleich super gefunden und hat die Karaoke drunter gemacht. Das hat so gut ausgeschaut, dass ich das weitergeschickt habe an eine Kollegin von Radio Vatikan. Die hat gesagt: „Ey, das ist super, das machen wir.“
Wie ging es dann weiter?
Dann haben wir mit zwei Studenten das erste Video über das Kreuzzeichen aufgenommen. Dieses Video hat innerhalb kürzester Zeit 500.000 – also eine halbe Million – Klicks gehabt. Mittlerweile hat es über 800.000 Views allein auf Instagram. Wir haben wirklich unglaublich gute Rückmeldungen gekriegt und dann habe ich mir gedacht: Okay, das machst du jetzt einfach weiter. Immer wenn Leo XIV. was singt, machst du ein Tutorial dazu. Das ist wie Papst-Karaoke.
Zuerst erkläre ich ein bisschen was und singe vor. Dann können es die Leute nachsingen und am Schluss singt man es dann wirklich mit dem Papst. Das hat wahnsinnig eingeschlagen, nicht nur bei Rom-Pilgern, sondern auch bei kirchenfernen Menschen, die die Gregorianik interessant finden und jetzt einfach mal die Gelegenheit haben, sie gemütlich daheim auszuprobieren.
Wie erklären Sie sich den Erfolg dieser Videos?
Diese Videos vereinen zwei Dinge: Das eine ist die archaische Gregorianik und das andere ist die total moderne Technik – das Instagram-Tutorial mit Karaoke. Ich glaube, diese Mischung ist einfach ansprechend.
Sie haben inzwischen zwölf Videos zu verschiedenen lateinischen Messgesängen veröffentlicht – von der Begrüßung zu Beginn bis zur Entlassung am Ende. Planen Sie weitere Folgen?
Natürlich. Die letzte war jetzt das Credo, 20 Minuten, ziemlich lang und da haben wir gedacht: Na, das wird ihnen jetzt wirklich zu viel sein, aber das hat jetzt auch wieder eine Viertelmillion Views auf Instagram, sodass wir eigentlich jeden Monat ein Tutorial planen.
[inne]halten - das Magazin 03/2026
Das ist mir heilig
Leserinnen und Leser erzählen von ganz besonderen Gegenständen
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Was sind ansonsten Ihre Aufgaben als Rektor des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik?
Mei, was ein Unirektor oder Schuldirektor halt macht. Vom Management der Infrastruktur über die Personalverantwortung und die Lehrpläne bis hin zu internationalen Verträgen mit anderen Musikuniversitäten ist da alles drin. Außerdem übernehmen wir den einen oder anderen Dienst im Vatikan. Jeden Morgen haben wir zum Beispiel die heilige Messe bei uns in der Kirche, die über Radio Vatikan in der ganzen Welt ausgestrahlt wird, sozusagen als die offizielle Vatikanmesse.



