Glaubenswelten
25.03.2026

Ortsbesuch

Kräuter und Cremes aus dem Kloster

In Italiens größtem Benediktinerkonvent, der Abtei Praglia in der Nähe von Padua, wurden bereits im Mittelalter medizinische Produkte hergestellt. Seit den 1960er Jahren fertigen die Mönche Kosmetika. Der Chemiker Padre Giustino Pege hat die Palette erweitert.
   

Don Giustino Pege in der alten Apotheke der Benediktinerabtei Praglia. Don Giustino Pege in der alten Apotheke der Benediktinerabtei Praglia. Foto: © Altmann

Padre Giustino Pege erwartet mich im Kreuzgang. Die Sonne strahlt, der Himmel ist blitzeblau, und in der begrünten Mitte plätschert ein kleiner Springbrunnen. Das mittelalterliche Ambiente verströmt eine herrliche Ruhe. Hier ist man auch als Besucher abgeschottet von der Außenwelt.

Die Abtei Praglia, Italiens größter benediktinischer Konvent, liegt am Fuße der Euganeischen Hügel, 15 Kilometer von Padua entfernt. Bis zu dem auch bei deutschen Urlaubern sehr beliebten Kurort Abano Terme sind es nur sieben Kilometer. Dennoch fühlt man sich in Praglia in einer völlig anderen Welt. Mitten in Mais- und Sonnenblumenfeldern liegt die imposante Abtei, die schon von Weitem sichtbar ist. Sie wurde Ende des 11./Anfang des 12. Jahrhunderts gegründet und war seinerzeit der größte Grundbesitz in der Region. Der ursprüngliche Name „Pratalea“ ist abgeleitet vom italienischen Begriff „Prato“ (Wiese) und deutet auf den Standort hin.

Imposante Klosterkirche

Der erste Bau im romanischen Stil wurde 1124 vollendet. In 90-jähriger Bauzeit gestalteten die Mönche ab 1460 einen Neubau im Stil der Renaissance. Die imposante, dreischiffige Klosterkirche mit zwölf Seitenkapellen weihten sie „Maria Verkündigung“. 1805 mussten die Mönche das Kloster im Rahmen der Säkularisation verlassen. Sie kehrten erst 1904 endgültig zurück.

Wie in benediktinischen Klöstern üblich, leben die Mönche hier von eigenen Wirtschaftsbetrieben. „Hier in der Abtei haben wir bereits im Mittelalter medizinische Produkte aus Kräutern hergestellt“, erzählt mir Padre Giustino, „unser Kloster nannte sich ‚Chiostro botanico‘ (botanischer Kreuzgang)“.
 

Zu dem Kloster gehört auch ein weitläufiger Kräutergarten. Zu dem Kloster gehört auch ein weitläufiger Kräutergarten. Foto: © Altmann

Vom Kräutertee zur Kosmetiklinie

In den 1960er Jahren begannen die damaligen Mönche, kosmetische Produkte zu entwickeln. Padre Giustino ist studierter Chemiker. „Als ich 1990 ins Kloster eintrat, stellte man hier nur Tisane, also Kräutertees, vier Cremes und drei Shampoos her. Ich habe dann die Zusammensetzung der Produkte verfeinert und begonnen, die Produktpalette zu erweitern. Unsere Produkte sind zum Teil biologisch und sehr geeignet für sensible Haut. Die neuen europäischen Normen erlauben nur die Verwendung von zertifizierten Bestandteilen. Inzwischen haben wir uns als Hersteller von Pflegeprodukten und Kosmetika einen Namen gemacht. Die Kunden haben großes Vertrauen in unsere klösterliche Angebotspalette“, berichtet der Ordensmann. 

Gemeinsam mit ihm besuche ich das Laboratorium, in dem alle Produkte entwickelt und hergestellt werden. Bis zur Decke sind Kartons gestapelt. Dann gehen wir in den weitläufigen Kräutergarten, der sich hinter dem Kloster erstreckt. „In unserem Kräutergarten bauen wir heutzutage vorwiegend Lavendel an“, erzählt mir Don Giustino. „Die anderen Kräuter bestellen wir bei Firmen, bei denen wir wissen, dass sie unsere Qualitätsstandards erfüllen. Die Kräuter sind alle zertifiziert. Sie sind dadurch etwas teurer, aber von hoher Qualität. Wir verwenden für alle Produkte unsere antiken Formeln. Manchmal variieren wir sie ein wenig, wie beispielsweise bei der ‚Crema Nutriente‘ (Pflegecreme). Wir haben sie früher mit Mandelöl hergestellt, dadurch hatte sie einen hohen Fettanteil. Das mögen unsere heutigen Kunden nicht mehr, deshalb haben wir die Zusammensetzung etwas variiert.“

Inzwischen stellen die Benediktiner rund 30 kosmetische Produkte her. Hinzu kommen etwa 25 weitere Angebote wie Kräuter- und Früchtetees, Kräuterbonbons, Raumdüfte, Badeschaum, Seifen et cetera. Im Klosterladen sind sie alle ausgestellt. Man braucht ein wenig Zeit, um alle Regale abzuwandern und die präsentierte Klosterware zu begutachten. Der Verkaufsshop ist eigentlich zu jeder Tageszeit gut gefüllt, besonders jedoch vor dem sonntäglichen Hochamt um 11 Uhr. In der Angebotspalette ist für jeden Geschmack etwas dabei.

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Hohe Qualitätsansprüche

Ständig arbeiten die Mönche mit ihren Mitarbeitern an der Entwicklung neuer Produkte. „Sie müssen aber unseren hohen Qualitätsansprüchen genügen. Wir kaufen einzelne Bestandteile hinzu, stellen aber alle Produkte in unserem Laboratorium nach unseren Rezepturen her. Wir haben vor rund vier Jahren alle Maschinen, mit denen wir die Produkte herstellen, gegen neue ausgetauscht, die den aktuellen europäischen Standards und Sicherheitsvorkehrungen entsprechen“, erklärt Padre Giustino mir. 

Ich merke, wie sehr ihm diese Wirtschaftssparte des Klosters am Herzen liegt. Früher leitete er die Produktion, bevor er nach Apulien gesandt wurde, um der dortigen Niederlassung von Praglia vorzustehen. Dort war er Abt, bevor die Niederlassung geschlossen wurde. Sein Titel „Don Giustino“ deutet auf diese Führungsposition hin. „Jetzt bin ich hier Cellerar, also Geschäftsführer, und habe keine Zeit mehr, mich dem Produktionsprozess komplett zu widmen. Wir haben jetzt Angestellte mit entsprechender Qualifikation, die die Produktion durchführen. Die Verantwortung für diesen Bereich liegt jedoch nach wie vor bei mir“, erzählt der passionierte Chemiker.

Mit Liebe und Passion hergestellt

Unter den Cremes verkaufen sich die Rasiercreme (Crema Dopobarba) und die Anti-Age-Creme (Crema Antietà) am besten. Verkaufsschlager außerhalb der Kosmetika sind die Kräutertees (Tisane), darunter „Passionsblume“ für besseren Schlaf oder Tees zum Abnehmen. „Wir produzieren Ware, die preislich im mittleren Bereich liegt. Wir legen Wert darauf, dass sie nicht hochpreisig ist. Was uns bei der Herstellung besonders wichtig ist, ist, dass sie mit Passion hergestellt wird, und natürlich mit Liebe. Diesen Inhaltsstoff können wir leider nicht auf die Verpackungen schreiben. Aber er ist wichtig. Es ist uns wichtig, etwas Exzellentes herzustellen. Wir sind aber auch immer dabei, etwas Neues zu entwickeln. Es dauert oft sehr lange, bis ein neues Produkt auf den Markt kommt. An der Entwicklung der Rasiercreme haben wir beispielsweise drei Jahre gearbeitet und diese auch immer wieder im Kloster selbst getestet, bevor sie auf den Markt kam. Die Mitbrüder sind sehr kritisch. Mit einem Badeschaum war es das Gleiche. Der Kosmetikmarkt ist sehr kompliziert. Derzeit sind wir dabei, eine neue Nachtcreme zu entwickeln“, schildert mir Don Giustino. 

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Wirtschaftliche Basis des Klosters

Die Mönche betreiben auch eine Art Marktforschung, indem sie Kunden im Laden nach ihren Erfahrungen und Wünschen fragen. Mit den Kosmetika erwirtschaften die Mönche rund 60 Prozent ihrer Einkünfte. Hinzu kommen noch der eigene, qualitätvolle, aber auch hochpreisige Wein, der selbst hergestellte Honig sowie das eigene Olivenöl. Die Abtei besitzt 600 Olivenbäume. 

„Eine Anlage wie unser Kloster zu unterhalten, verursacht enorme Kosten. Wir haben auch viele Auflagen vom Denkmalamt“, berichtet Don Giustino in seiner Funktion als klösterlicher Geschäftsführer. „Wir haben zwei Kundentypen: einmal die Gäste aus den Hotels von Abano, vorwiegend Deutsche. Dann gibt es einen weiteren Kundenstamm, der vor allem aus Padua kommt. Darüber hinaus verkaufen wir unsere Produkte in anderen Klosterläden, übrigens auch in Deutschland – in der Kleinen Abtei Kevelaer und in Altötting. Vor einer Reihe von Jahren haben wir auch den Online-Verkauf begonnen. Diese Verkaufsschiene hat inzwischen einen Anteil von rund 20 Prozent.“

Insgesamt leben in der Abtei Praglia 40 Mönche, darunter derzeit drei Novizen. Der älteste Mitbruder ist 92 Jahre alt. Rund 25 Ordensmänner arbeiten in den eigenen Wirtschaftsbetrieben. Zwei sind abgeordnet in die Niederlassung „Monte della Madonna“ in den Euganeischen Hügeln und zwei weitere in das Kloster San Giorgio Maggiore in Venedig. Dort betreiben die Benediktiner ein Gästehaus.

Spezialisierungen und außergewöhnliche Produkte

Die Abtei Praglia hat sieben Angestellte. Zwei davon arbeiten gemeinsam mit zwei Mönchen in der Buchrestaurierungswerkstätte, die sich ebenfalls im Kloster befindet und sich in ganz Europa einen Namen gemacht hat.

Man sieht, auch Ordensleute müssen sich mit Spezialisierungen und außergewöhnlichen Produkten auf dem Markt behaupten. In der Abtei Praglia, so scheint es, gelingt dies sehr erfolgreich.

Dr. Petra Altmann

Wissenswert

Weitere Infos und Bestellmöglichkeit unter www.praglia.it; Bestellung von Klosterprodukten allgemein unter www.terraincielo.it.
Dr. Petra Altmann ist Journalistin und Buchautorin, unter anderem mit dem Spezialgebiet „Klösterliche Traditionen“. Siehe auch www.dr-petra-altmann.de.

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