Glaubenswelten
24.02.2026

Heiner Wilmer ist neuer DBK-Chef

Heiner Wilmer ist in Würzburg zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Der Bischof von Hildesheim setzt auf Synodalität, geistliche Klarheit und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche.
    

Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Foto: © KNA

Vom Bauernhof im Emsland über die Bronx in New York bis zur Weltkirche in Rom: Heiner Wilmers Weg zum Bischof ist geprägt von Bodenständigkeit und Internationalität. Seit 2018 steht der Ordensmann an der Spitze des norddeutschen Bistums Hildesheim. Nun ist er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.

Zum Auftakt seiner Amtszeit setzte Wilmer einen deutlich geistlichen Ton. In seinem ersten Statement nach der Wahl stellte er programmatisch fest: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Dieser Vers aus der biblischen Weihnachtsgeschichte sei für ihn Kompass seines Dienstes: „Gott Raum geben und gemeinsam am Frieden bauen.“

Vermittler zwischen Lagern

Wilmer gilt als Vermittler zwischen Konservativen und reformorientierten Kräften in der Kirche. Er ist keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut. Synodalität sei für ihn mehr als ein organisatorisches Konzept: „Synodalität bleibt eine geistliche Haltung – miteinander unterwegs sein, Verantwortung teilen, Entscheidungen gemeinsam tragen“, sagte er in Würzburg.

Geboren wurde Wilmer am 9. April 1961 im Emsland. Er ist bodenständig geblieben, kann Trecker fahren und spricht neben mehreren Sprachen auch Plattdeutsch. Mit 19 trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom – früh begleitet von einem Blick über nationale Grenzen hinaus. 1991 promovierte er in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik in der Philosophie Maurice Blondels.
Er sammelte Erfahrungen in Rom

Wilmer unterrichtete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 ging er nach Rom: Als Generaloberer trug er weltweite Verantwortung für den Orden. Aus dieser Zeit stammen seine vatikanischen Kontakte – und seine Erfahrung, dass Reformen in einer Weltkirche nur Schritt für Schritt gelingen.

Den neuen Papst Leo XIV. traf Wilmer im November. Aus Rom nehme er vor allem ein Signal mit, sagte Wilmer: Schon Papst Franziskus habe betont, dass Synodalität die Grundform der Kirche sei. Papst Leo bestätige diesen Weg.
     

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Heiner Wilmer: Erster Bischofskonferenz-Vorsitzender aus der norddeutschen Diaspora

Mit Wilmer steht erstmals ein Bischof aus dem norddeutschen Diasporabistum Hildesheim an der Spitze der Bischofskonferenz. Dort ist die katholische Kirche eine Minderheit – und zugleich stark international geprägt. „Knapp 40 Prozent unserer Menschen stammen aus anderen Ländern“, sagte Wilmer. Das Bistum sei sehr multikulturell.

Sein Bild für kirchliche Arbeit klingt entsprechend norddeutsch: „Für uns im Zentrum steht die Verkündigung des Evangeliums, und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit ’ner steifen Brise im Haar.“

Aufarbeitung von Missbrauch
bleibt Daueraufgabe

Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt bezeichnet Wilmer als zentral. Kurz nach seiner Bischofsweihe hatte er versprochen, Fälle schonungslos aufzuklären. Daran will er festhalten. „Die Stimme der Betroffenen muss gehört werden, damit wir als Kirche glaubwürdig bleiben“, sagte er jetzt. Der Weg sei mühsam, aber notwendig.

Wilmer meldet sich auch in gesellschaftspolitischen Debatten zu Wort. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. In Würzburg sprach er über die Verantwortung der Kirche in einer polarisierten Gesellschaft. Die Demokratie, sagte er, organisiere die Uneinigkeit einer Gesellschaft in gerechter und friedvoller Weise. Auch die Kirche müsse lernen, mit Konflikten umzugehen: „Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch.“

Mit Blick auf den Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine rief er zu einem gerechten Frieden auf: „Dieser Krieg braucht ein Ende. Jetzt.“


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Neuer DBK-Vorsitzender betont Spiritualität

Daneben bleibt Wilmer ein Mann der Spiritualität. 2024 veröffentlichte er mit „Herzschlag“ einen fiktiven Dialog mit der in Auschwitz ermordeten Jüdin Etty Hillesum. Von Hillesum könne man lernen, dass drei Dinge gut täten, so Wilmer auf Nachfrage eines Journalisten: kaltes Wasser am Morgen, geistliche Stille und ein Tagebuch.

Wilmer fährt gern Rad, liest viel – und hält seinem Heimatverein FC Schapen 27 die Treue. Als Bischof und nun auch als Vorsitzender der Bischofskonferenz dürfte ihm dafür allerdings nur wenig Zeit bleiben.

Michael Althaus

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Artikel von KNA
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