Glaubenswelten
26.02.2025

Vereint im Gebet für Papst Franziskus

Vor der römischen Gemelli-Klinik, auf dem Petersplatz und in vielen Ländern wird für den schwer kranken Papst Franziskus gebetet. Sogar seine Kritiker in der vatikanischen Kurie beten öffentlich für die Genesung des Kirchenoberhaupts.

Rosenkranz-Gebet auf dem Petersplatz für den schwer erkrankten Papst Franziskus. Rosenkranz-Gebet auf dem Petersplatz für den schwer erkrankten Papst Franziskus. Foto: © IMAGO / ZUMA Press

Papst Franziskus befindet sich schon in der zweiten Woche in der römischen Gemelli-Klinik. Dort versammeln sich immer wieder Menschen zum Gebet an der großen Statue des heiligen Johannes Paul II. Hinzu kommen spezielle Gottesdienste und Gebete für den Papst, etwa in seiner Bischofskirche am Lateran oder in anderen Kirchen Roms. Mittlerweile hat der Vatikan das Mitgefühl und die Gebete der Gläubigen für den schwer erkrankten Papst im Zentrum der katholischen Weltkirche fokussiert - und es so inszeniert, dass Menschen überall auf der Welt online daran teilhaben können. Unter Leitung eines Kardinals beten Kurienmitarbeiter und andere Gläubige auf dem Petersplatz für Franziskus.


 

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Vatikan muss improvisieren

Während es für die meisten Abläufe am Ende eines Pontifikats klare Regeln gibt, ist nicht vorgeschrieben, was in der Zeit einer schweren Erkrankung des Papstes zu tun ist. Und so versucht der Vatikan, auch bei diesen ungewohnten Zeremonien an traditionelle Vorbilder anzuknüpfen. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der das erste Gebet am Montagabend geleitet hat, erinnert denn auch gleich zu Beginn daran, dass laut Bibel schon die frühen Christen für Petrus beteten, als dieser sich im Kerker in höchster Bedrängnis befand.

Und am Ende singt die Schola in lateinischer Sprache das klassische Gebet für den Papst aus dem Römischen Messbuch, das so auch von katholischen Traditionalisten gebetet wird: "Beten wir für unseren Pontifex Franziskus. Der Herr behüte ihn und erhalte sein Leben; er lasse ihn gesegnet sein auf Erden und übergebe ihn nicht dem Hass seiner Feinde."

Auch Kritiker beten für den Papst

Dass unter denen, die auf dem Petersplatz für den kranken Papst beten, Feinde des Papstes sind, ist unwahrscheinlich. Aber es sind manche darunter, die Franziskus im Lauf seiner Amtszeit kritisiert und dafür mit dem Ende ihrer Karriere bezahlt haben. Anlass waren meist Debatten um theologische oder kirchenpolitische Entscheidungen.

Unter den Kardinälen, die auf dem Petersplatz beten, sind überwiegend Männer seines Wohlgefallens. Dazu zählt neben dem Vorbeter Parolin auch Kardinal Robert Prevost, der auf seinen Wunsch die Behörde für die Bischöfe leitet, also quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche. Aber auch der scharfzüngigste konservative Kritiker des Papstes unter den Kardinälen ist dabei: der US-Kardinal Raymond Leo Burke, dem Franziskus kaum noch ein Amt im Vatikan belassen hat und dem er Gerüchten zufolge sogar die Dienstwohnung streitig machen wollte. Er betet einträchtig neben dem vom Papst nach einem millionenschweren Immobilienskandal im Zorn entlassenen Kardinal Angelo Becciu, der später in erster Instanz zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller ist gleichfalls unter den Betern. Ihn hatte Franziskus 2017 nach nur fünf Jahren im Amt nicht mehr in der Schlüsselstellung des obersten Glaubenshüters betätigt und ihn damit - wegen unterschiedlicher Ansichten - weitgehend entmachtet.


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Ungewöhnliche Koalitionen

Die schwere Krankheit des Papstes hat Kardinäle verschiedener Strömungen nicht nur im Gebet auf dem Petersplatz vereint. Aber auch in der seit Tagen anhaltenden öffentlich geführten Debatte um einen möglichen Rücktritt des Papstes rücken führende Kirchenmänner zusammen, die sonst eher gegensätzliche Auffassungen vertreten. So hat sich der als Franziskus-Freund geltende Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi, ebenso klar gegen die Rücktritts-Idee ausgesprochen wie der in dogmatischen Fragen eher konservative Kardinal Müller.

Papst Franziskus wird seit gut anderthalb Wochen wegen einer Lungenentzündung medizinisch behandelt. Zuletzt hatten Ärzte eine beginnende Niereninsuffizienz festgestellt. Der Gesundheitszustand des Papstes wird als kritisch bezeichnet.

Ludwig Ring-Eifel

KNA
Artikel von KNA
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