Buchtipp
Eine Reise des Staunens
Wer „Gottes erstaunliche Häuser“ liest, kann wunderbar in die Welt von Kirchen eintauchen. Das Buch begeistert mit Witz, Detailliebe und spannenden Anekdoten.
Der Besuch im Kirdorfer Taunusdom war für die Autorin Johanna Beck ein „Familientreffen der besonderen Art“. An den Wänden sind ihre Verwandten verewigt. Foto: © Johanna Beck
Was klingen mag wie ein Reiseführer für Kirchen, überrascht mit schönster Sprach- und Bildgewalt. „Gottes erstaunliche Häuser“ von Johanna Beck und Stefan Weigand ist kein Roman, sondern ein Bildband, eine Sammlung von „33 Kirchen, die man gesehen haben muss, um den Glauben neu zu entdecken“, wie es der Untertitel verspricht.
Um diese Kirchen zu beschreiben, sind die Autoren durch Deutschland gereist. Im Gepäck: Kamera, Notizbuch, Stift. Das Wichtigste dabei, sagt Beck: „Wir haben diese Räume auf uns wirken lassen, sie gespürt, sind dort zur Ruhe gekommen.“
So entstand etwas, das nicht unbedingt von Anfang an so geplant war: eine sehr persönliche Erzählung, die die Leserinnen und Leser auf eine Reise mitnimmt. In moderne, alte und neue Kirchen. In Sakralbauten mitten im Wald und in solche, die nur aus Holzstämmen bestehen oder aus Beton. In Kirchen mit faszinierender Architektur und cleveren Lichtspielen.
Wie ein Schaufenster
„Nach dem Gottesdienst gehe ich noch an einem 22 Meter langen Fenster an der Unterseite der Rückwand vorbei, das die Kirche wie ein Schaufenster mit der Innenstadt verbindet“, erzählt Beck im Abschnitt zur Propsteikirche in Leipzig. Sie beschreibt, wie auf der Innenseite des Glases das Neue und auf der Außenseite das Alte Testament eingeschrieben sind: „Die Sonneneinstrahlung bestimmt, welcher Text zu lesen ist.“
Fakten zur Architektur mischen sich in diesem Buch mit spannenden, persönlichen Anekdoten der Autoren. Zum Beispiel, als Beck den Taunusdom in Kirdorf besucht und plötzlich feststellt: „Die Gesichter der Täuflinge auf dem Wandgemälde sind mir seltsam vertraut. Ich kenne sie von alten Familienfotos.“ Sie erzählt, ihr Urgroßvater sei Kirchenmaler gewesen: „Er hat seine sieben Töchter und Söhne hier verewigt.“
[inne]halten - das Magazin 10/2026
Uralt und wunderschön
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Heiliger Batman
Das Buch bleibt immer unterhaltsam. Etwa, als Weigand vom Abstecher zur Autobahnkirche Siegerland berichtet und mit „Heiliger Batman, bitte für uns“ einsteigt. Er schreibt: „Zwei Turmspitzen ragen aus dem polygonen Baukörper auf – ikonisch, so wie die Ohren des Comichelden.“ Die Kirche wirkt für ihn, als wäre sie einem Actionfilm entsprungen.
Mit Witz und Detailliebe zieht das Buch die Leserinnen und Leser hinein in die spannende Welt dieser Sakralbauten. Man kommt nicht umhin, zu staunen und während der Lektüre immer wieder zu flüstern: „Wow! Wie schön!“ Bisweilen vergisst man, dass man ein Buch liest. Dann ist es, als folge man Beck und Weigand auf Schritt und Tritt. Und mit jeder Geschichte beginnt die Vorfreude aufs Staunen von vorn.
Kopf im Nacken
So aufgeregt ist man, dass es sich anfühlt, als würde man sich an den Autoren vorbeidrängeln wollen, wenn sie die nächste Kirchentür öffnen – um endlich wieder ins Staunen zu kommen, mit ihnen unter den Kuppeln dieser Bauten zu stehen und, den Kopf im Nacken liegend, zuzuhören, was sie einem erzählen.
Genau das ist es, was die Autoren sich erhofft haben: Begeisterung für Kirchengebäude zu wecken. „Gerade in Zeiten von Kirchenschließungen“, sagt Beck, sei es schön, Kirchen nicht nur als alte Häuser zu sehen, die Strom fressen und Geld kosten. Wer hätte gedacht, dass Texte über die Architektur von Kirchen so viel Spaß machen können?
Lisa Discher



