Ökumenischer Bibelsonntag 2026
Das Gottvertrauen der Königin Ester
Die Ökumenische Bibelwoche 2026 rückt eine außergewöhnliche Frau ins Zentrum: Königin Ester. Ihr Mut, ihre Klugheit und ihr tiefes Gottvertrauen machen sie bis heute zu einer beeindruckenden Gestalt der Bibel. Barbara Bertl von der Frauenseelsorge im Erzbistum München und Freising erklärt, warum die Geschichte Esters auch heute noch eine starke Botschaft transportiert.
Königin Ester in Ahasuerus' Palast. Gemälde von Edwin Long (1878). Foto: © Wikipedia - gemeinfrei
Die biblische Ester lebte als Jüdin im fünften Jahrhundert vor Christus in der Diaspora im Perserreich. Ihre Geschichte beginnt in einer politisch und gesellschaftlich angespannten Zeit für das jüdische Volk. Nachdem Königin Waschti sich dem persischen König Ahasuerus widersetzt hatte und abgesetzt wurde, ließ der König im ganzen Reich junge Frauen sammeln. Ein Jahr lang wurden sie auf das Zusammentreffen mit dem König vorbereitet – eine Art antiker Schönheitswettbewerb.
Unter ihnen war auch Ester. Sie fand die Gunst des Königs und wurde zur neuen Königin erwählt. Doch ihr Aufstieg beruhte nicht allein auf ihrer Schönheit. „Ester war eine sehr kluge und willensstarke Frau“, betont Barbara Bertl. Sie traf später mutige Entscheidungen, die das Schicksal ihres Volkes grundlegend veränderten.
Mit Mut gegen die Vernichtung
des eigenen Volkes
Der Wendepunkt der Ester-Erzählung ist der Mordplan des persischen Beamten Haman, der die Auslöschung aller Jüdinnen und Juden betreibt. Der König stimmt dem Vorhaben zunächst zu. Esters Cousin und Ziehvater Mordechai erkennt die Gefahr und fordert sie auf, ihre Stellung zu nutzen.
Für Ester bedeutet das Lebensgefahr. Denn den König unaufgefordert anzusprechen, war streng verboten. Trotzdem zieht sie sich zunächst zurück, fastet, betet und sammelt innerlich Kraft. Dieser Rückzug ist entscheidend: Aus der Stille wächst der Mut zum Handeln. Schließlich tritt sie vor den König – und erreicht, dass der Vernichtungsplan aufgehoben wird. Dieses Ereignis ist bis heute Grundlage des jüdischen Purim-Festes.
Gottvertrauen ohne Gottesnamen
Bemerkenswert ist, dass im hebräischen Buch Ester Gott nicht ausdrücklich erwähnt wird. Und doch ist sein Wirken spürbar. „Gerade dadurch zeigt sich ein tiefes Urvertrauen“, erklärt Bertl. Gottvertrauen müsse nicht immer benannt werden – es zeige sich im Handeln, im Durchhalten und im Mut, Verantwortung zu übernehmen.
In der späteren griechischen Fassung des Buches werden Esters Gebete ausdrücklich ergänzt. Sie machen sichtbar, was im Hintergrund immer mitschwingt: Das Vertrauen darauf, dass Gott sein Volk begleitet, auch in ausweglosen Situationen.
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Eine zeitlose Botschaft – besonders für Frauen
Was macht Königin Ester heute so aktuell? Für Barbara Bertl liegt die Antwort im Zusammenspiel von Rückzug und Aufbruch. Ester nehme sich Zeit, innezuhalten, sich zu besinnen und Kraft zu schöpfen. Erst daraus wachse der Mut, sich einer gefährlichen Realität zu stellen – unabhängig von den Erfolgsaussichten.
Gerade Frauen könnten von Ester lernen, ihrer Stimme Raum zu geben. Sie ist keine stumme Begleiterin, sondern eine Frau, die spricht, handelt und Führung übernimmt. „Eine Frau, die ihren Mund aufmacht und Verantwortung für ihr Volk trägt“, so Bertl.
Esters Geschichte zeigt: Glaube kann Kraft verleihen, selbst dort, wo alles verloren scheint.
Die Ökumenische Bibelwoche ist eine gemeinsame Aktionswoche der christlichen Kirchen in Deutschland, die die Bedeutung der Bibel in den Mittelpunkt stellt. Sie wird in der letzten Januarwoche gefeiert und lädt dazu ein, die Heilige Schrift neu zu entdecken. In Gottesdiensten, Veranstaltungen und Aktionen wird deutlich, dass die Bibel Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen verbindet und Grundlage des gemeinsamen Glaubens ist. Weitere Informationen: www.bibelsonntag.de.



