Er ist Gottes Sohn
Auf dem Konzil von Nizäa vor 1700 Jahren haben Bischöfe definiert: Jesus ist „wesensgleich“ mit Gott. Wir bekennen dies im Glaubensbekenntnis. Aber glauben wir auch, was wir sagen? Pater Andreas Batlogg SJ stellt sich in seinem neuen Buch den Fragen eines zeitgemäßen, verantworteten Glaubens an Jesus Christus heute.
Christus als Weltenherrscher - byzantinisches Goldgrund-Mosaik in der Kathedrale Santa Maria Nuova, Monreale, Provinz Palermo, Sizilien. Foto: © IMAGO / imagebroker
Pater Batlogg, als Titel für Ihr neues Buch haben Sie gewählt „Jesus glauben“. Das ist doppeldeutig – einerseits könnte gemeint sein, an die Lehre des Mannes aus Nazareth zu glauben, andererseits aber auch all jene Aussagen glauben, die in 2000 Jahren Kirchengeschichte über seine Person gemacht wurden. Wie haben Sie es gemeint?
Genauso doppeldeutig.Meine These ist: Wenn ich ihm, Jesus, glaube und traue, dann kann ich auch an ihn glauben und damit auch all dem, was die Kirche im Laufe von 2000 Jahren
über ihn ausgesagt hat. Ich bin zwar kein Zeitgenosse von Jesus, aber kann ich denn glauben, dass meine Ururur-Großmutter gelebt hat, die ich nie kannte? Auch da sagen mir andere, dass es sie gegeben hat.
Wer ist Jesus für Sie?
Im Zusammenhang mit meiner Krebserkrankung habe ich das jesuitische Kürzel „IHS“ – „Iesum Habemus Socium“ („Wir haben Jesus zum Gefährten“) neu für mich entdeckt. Ich wurde damals als Jesuit und Mitglied der Gesellschaft Jesu quasi noch einmal geeicht. Er ist für mich Freund und Gefährte. Meine Hoffnung gründet auf einer Person, und die ist Jesus von Nazareth. Er ist für mich Gottes Sohn. Das ist für mich eine Perspektive, auch über meinen eigenen Tod hinaus.
Anlass für Ihr Buch ist das Jubiläum 1.700 Jahre Konzil von Nizäa, auf dem erklärt wurde, dass Jesus „eines Wesens mit dem Vater“ sei. Eine der Hauptfragen des Buches lautet: „Verstehen wir denn (noch), was wir bekennen oder behaupten? Glauben wir auch, was wir bekennen? Oder behaupten wir es nur?“ Zu welcher Antwort kommen Sie?
Maria Katharina Moser (evangelische österreichische Sozialethikerin und Theologin, Anm. d. Red.) sagte einmal in einem anderen Zusammenhang: „Oft wird das apostolische Glaubensbekenntnis automatisiert dahingemurmelt.“ Wir sprechen also oft irgendwelche Bekenntnisse, ohne uns Rechenschaft darüber abzulegen: Glaube ich das wirklich? Will ich das glauben? Wenn es hierbei um die Stellung Jesu geht, ist diese Frage schon sehr zentral. Er ist ja nicht nur ein Rabbi, ein Heiler oder ein sympathischer Mensch, sondern Gottes Sohn. Und das war die Streitfrage.
Die Arianer sagten: Naja, den hat Gott sozusagen adoptiert. Dem hielten die Bischöfe in Nizäa dagegen: Nein. Er war immer schon Gott. Aber natürlich fragt man sich: Wie geht das? Was heißt denn „eines Wesens mit dem Vater“? Der dafür verwendete Begriff „homoousios“ (lateinisch „consubstantialis“) taucht im Neuen Testament nicht auf, man hat ihn aus der griechischen Philosophie entnommen und somit wieder ganz andere Hintergründe mit eingebracht. Dieses „eines Wesens“ ist eine zentrale Frage. Was heißt das? Jesus ist kein Klon und kein Doppelgänger. Das ist alles nicht so leicht zu erklären und doch hören wir diesen Begriff, dieses „consubstantialis Patri“, bei jeder lateinischen Messe, egal, ob von Mozart oder sonst wem.
Sie schreiben: „Das Bekenntnis hält wach, dass Gott sich selbst in der Person und Geschichte Jesu Christi geoffenbart hat. Der ewige Sohn ist uns Menschen als Mensch in der Zeit nahegekommen. Gott hat in ihm sein Antlitz gezeigt. Darin liegt Rettung und Heil. Hinter die Punktsetzung von Nizäa können wir nicht zurück, aber wir müssen sie neu erschließen.“ Wie sollte das aus Ihrer Sicht am besten geschehen?
Wir können Vokabeln und Definitionen nicht beliebig austauschen. Dogmen oder konziliare Definitionen sind Festlegungen. Und trotzdem müssen wir immer wieder die Verbindung zur biblischen Sprache finden, was heute natürlich auch Lyriker oder Poeten machen. Ein Andreas Knapp (deutscher Ordensmann, Priester, Dichter, Anm. d. Red.) macht das in seinen Gedichten sehr gut, oder auch die Benediktinerin Charis Doepgen. Der Punkt ist, sich nicht in Begrifflichkeiten zu verlieren und gleichzeitig auch den Wortlaut zu achten und zu respektieren. Denn zu sagen: „Ich definiere alles ganz neu“, hieße zugleich auch, keinerlei Respekt vor den Denkleistungen und dem Ringen früherer Generationen zu haben. Für mich heißt es auch, dass wir nicht immer bei Adam und Eva beginnen müssen. Karl Rahner SJ hat es aus meiner Sicht in einer Predigt von 1949 unüberbietbar gesagt: „In und an Jesus wissen wir, was wir an Gott haben. Anders nicht.“
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Sie sagen aber auch, dass Theologensprache dabei oft zur Fremdsprache geworden sei. Welche Rede ist aus Ihrer Sicht also angemessen?
Es hat keinen Sinn, wenn wir uns in einer theologischen Fachsprache unterhalten. Eine Predigt ist keine Vorlesung und eine Vorlesung ist keine Meditation. Man muss die verschiedenen Genera beachten. Und heute konkurrieren wir dabei noch dazu mit dem Herumgoogeln und dem Wikipedia-Wissen der Zuhörer. Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber in der Verkündigung muss ich vor allem auf eins achten: Werde ich verstanden; will ich verstanden werden? Papst Franziskus hätte gesagt, Glaube wird im Dialekt weitergegeben. Ich muss wie Martin Luther den Leuten „aufs Maul schauen“, ihnen dabei aber nicht „nach dem Maul reden“.
Andreas Batlogg. Foto: © privat
Feedback ist immer gut. Man ist auch nicht immer gleich gut drauf. Ich habe in St.Michael in München viel gelernt, was etwa das Timing angeht. Mein Mitbruder Karl Kern hat mir oft gesagt, weniger theologisch, mehr Emotion in die Stimme, in die Inhalte. Das ist ein Lernprozess. Für mich ist Predigt weniger Belehrung, sondern mehr Verkündigung, die in Erinnerung ruft, was allen zugänglich sein kann.



