Glaubenswelten
17.08.2026


Ausstellung in Kloster Beuerberg

Was die Seele tröstet

Zwischen alten Andachtsbildern, Votivtafeln und persönlichen Erinnerungen stellt eine neue Dauerausstellung im ehemaligen Kloster Beuerberg die Frage: Was gibt uns Trost – und was können wir selbst dazu beitragen, dass die Welt ein wenig heiler wird?
   

In einem Herz aus Holz können die Besucher der Seelentrost-Ausstellung in Kloster Beuerberg nachsinnen, was ihr Herz weit oder eng macht. In einem Herz aus Holz können die Besucher der Seelentrost-Ausstellung in Kloster Beuerberg nachsinnen, was ihr Herz weit oder eng macht. Foto: © Diözesanmuseum Freising

Mit der Seele und den Tröstungen der Religion kennt sich Christoph Kürzeder aus. Der Direktor des Freisinger Diözesanmuseums ist auch Theologe und hat mit seinem Team die Ausstellung „Seelentrost“ im Kloster Beuerberg entwickelt. Gerade steht er vor einem seiner Lieblingsobjekte, dem sogenannten Tugendautomaten. Wer eine Münze einwirft, muss ein kurzes Rattern abwarten und bekommt ein kleines rundes Pappschildchen ausgeworfen. Auf dem steht in Goldschrift eine Tugend, die zu beherzigen sich lohnt. „Ruhe des Geistes“ steht auf dem Schildchen, das Kürzeder erhält, nachdem er ein 50-Cent-Stück eingeworfen hat. „Eine Tugend, die wir alle dringend benötigen, denn wir sind zurzeit alle Getriebene“, sagt er und lacht.

Der Tugendautomat steht am Anfang der neuen Ausstellung. Und seine Sprüche machen deutlich, dass Menschen für ihren Seelentrost selbst etwas tun können. Und sei es auch nur, mit einem guten Vorsatz durch den Tag zu gehen. Allerdings ist das kein Ego-Trip. Wer den Blick auf sich selbst schärft, hat auch ein Auge für andere; wer bestimmte Haltungen und Werte pflegt, setzt sich auch selbstlos für andere ein. Christen haben da in Jesus ein perfektes Vorbild. Beeindruckende Gemälde aus dem 19. Jahrhundert von Gebhard Fugel und anderen Künstlern zeigen ihn, wie er Leidende heilt. Solche Taten und Wunderzeichen sind auch auf einem 1.500 Jahre alten Kreuz aus Byzanz eingeritzt. Wahrscheinlich hat man es Kranken auf den Körper gelegt. Das Vertrauen in Gott und der Glaube: Sie sind die großen Seelentröster der Menschheitsgeschichte. „Der Kern der Religion ist ja das Heilbringende“, sagt Kürzeder, „und da ist das Christentum in seiner Geschichte schon stark gewesen, auch wenn die Kirche immer wieder versagt hat.“ Aber es sei den Gläubigen „ins Stammbuch geschrieben, die Heilserfahrung auch ganz praktisch weiterzugeben, Menschen beizustehen“.
   

Ausschnitt aus der „Erweckung des Jünglings von Naim“ von Gebhard Fugel. Ausschnitt aus der „Erweckung des Jünglings von Naim“ von Gebhard Fugel. Foto: © Walter Bayer

Trost zum Anfassen

Das war auch eine Aufgabe im Kloster Beuerberg. Bis heute ist dort eine Apotheke zu sehen, mit der die Ordensleute die Menschen in der Umgebung mit Medikamenten versorgten. Ebenso spendeten Gebete, Rituale und Gottesdienste Zuversicht und Hoffnung. Die unzähligen Andachtsgegenstände vom Rosenkranz bis zum Amulett oder Votivtafeln geben davon Zeugnis. Sie halfen, mit Seuchen, Krieg und Schreckensnachrichten zurechtzukommen, aber auch mit psychischen Krankheiten. So ist in der Ausstellung eine Votivtafel zu finden, die einen Exorzismus, also eine Teufelsaustreibung, zeigt. Höchst anschaulich fährt der Dämon einer Maria Hanin aus dem Schlund, während ein Mann sie fast zärtlich festhält, weil sich die Frau kaum auf den Beinen halten kann. Die Heilung wird vor allem einem Marienbild zugeschrieben, aber das Bild zeigt eben auch andere Personen, die der Besessenen zur Seite stehen. So enthält das Bild eine tröstende Botschaft: Der Glaube an eine höhere Macht und menschlicher Beistand können aus der Verzweiflung herausführen und zu einem Neuanfang führen.

Wie in einer Moritat mit glücklichem Ausgang berichtet davon eine Serie von Dioramen. Die kleinen dreidimensionalen Schaukästen schildern das Leben der Jeanne-Charlotte de Bréchard. Als Kind verlor sie früh die Mutter, erfuhr wohl schwere Übergriffe durch Freunde ihres Vaters und wurde beim Ausbruch einer Pestepidemie in ein Siechenhaus abgeschoben. Durch Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal erfährt sie zum ersten Mal Zuwendung und Respekt, die sie durch ihre Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe an andere weitergibt. Jeanne tritt schließlich bei den von den beiden Heiligen gegründeten Salesianerinnen ein, der Ordensgemeinschaft, die von 1835 bis 2014 auch in Beuerberg gewirkt hat. Die Schwestern nahmen nach dem Zweiten Weltkrieg Kinder aus dem Mädchengymnasium Max-Josef-Stift auf. Viele hatten ihre Väter gewaltsam verloren, waren innerlich gezeichnet von Bombennächten, Flucht und Vertreibung. In Videos berichten fünf heute hochbetagte Frauen, wie sie im Kloster Beuerberg Abstand von ihren Traumata gewannen.


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Was uns heute tröstet

So kommt die Ausstellung immer wieder darauf zurück, wie Menschen Mitgefühl, Solidarität und Gottvertrauen erfahren und selbst gegeben haben. Und jeder Besucher kann das mit eigenen Erlebnissen und der eigenen Lebensgeschichte vergleichen: „Die Ausstellung kann ein Weg zu sich selbst sein und zu überlegen: Was hat das mit mir zu tun?“, erklärt Kürzeder.

Dazu lädt besonders der letzte Raum der Ausstellung ein, der ehemalige Gebetschor der Schwestern. Dort ist ein großes Herz aus Holz aufgebaut. In dessen Innern sind Sitzplätze. Und zur Musik von Johann Sebastian Bach kann jede und jeder darüber nachsinnieren, was das Herz weit oder eng macht, was beängstigt, krank macht oder tröstet. Ein Ort der Besinnung, an dem Besucher die „Ruhe des Geistes“ finden können, um den Tugendautomaten zu zitieren. Kürzeder hofft, dass Menschen dort spüren, „dass die Welt immer den Weg zum Heil einschlagen kann und wir alle dazu aufgerufen sind, daran mitzubauen, auch wenn jeder weiß, wie schwierig das ist“. Ein großes Herz hilft dabei in jedem Fall, früher wie heute.

Die Ausstellung „Seelentrost – Was uns heilen kann“ in Kloster Beuerberg (Königsdorfer Straße 7) ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen, Workshops, Konzerten und Veranstaltungen. Nähere Informationen dazu online unter www.dimu-freising.de
Alois Bierl
Artikel von Alois Bierl
Chefreporter
Beschäftigt sich mit wichtigen Trendthemen wie Spiritualität.