Glaubenswelten
08.08.2026


Buchtipp

Rasanter Bibel-Trip

Das Evangelium als japanischer Comic? Diesen Versuch unternimmt der „Manga Messias“, der vor allem einem jüngeren Lesepublikum einen neuen oder erstmaligen Zugang zur Heiligen Schrift ermöglichen könnte.
    

Blick in den „Manga Messias“ aus dem Herder-Verlag. Blick in den „Manga Messias“ aus dem Herder-Verlag. Foto: © Verlag Herder

Es gehört zum Alltag in einer Redaktion: Verlage kündigen uns ihre Buchneuerscheinungen per E-Mail an oder schicken uns die Bücher gleich direkt zu. Über die Jahre sieht man da so einiges, echte Überraschungen sind selten. Dieses Buch ist eine. Ein Comic im Manga-Stil? Über Jesus? Das mussten wir uns näher anschauen! Der erste Eindruck, die Titelseite, weckte noch nicht gleich unser Vertrauen, steht doch über dem Titel „Manga Messias“ die reißerische Dachzeile: „Wird er unsere Welt retten oder zerstören?“ Andererseits: Der Verlagsname Herder sprach dafür, dass da vielleicht doch Gutes zu erwarten war, sonst hätten die Kollegen dieses renommierten Hauses den Titel kaum verlegt.

Ich nahm das Buch mit nach Hause und plante, bei Gelegenheit mal reinzulesen. Doch dann kam mir mein achtjähriger Sohn zuvor: Er sah den „Manga Messias“ auf dem Schreibtisch liegen, wurde wegen der Comic-Optik sofort neugierig, krallte sich das Buch und verkroch sich in sein Kinderzimmer. Dort schaute und las er die knapp 300 Seiten fieberhaft und quasi in einem Zug durch – eine unwiderstehliche Faszination hatte ihn gepackt, die Augen leuchteten. Doch damit nicht genug: Wenige Tage nach dem ersten Durchgang griff er erneut zum „Manga Messias“, verschlang ihn ein zweites, schließlich sogar ein drittes Mal.
   

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Ein seriöses, ernst gemeintes Werk

Ich beobachtete diesen „Leserausch“ in einer Mischung aus Argwohn und anerkennendem Interesse, und endlich durfte auch ich selbst in das Buch hineinlesen. Was ich dort sah, bestätigte, dass hier respektable Arbeit geleistet wurde. Bei aller typischen Comic-Dramaturgie und den dafür nötigen Vereinfachungen, Kürzungen und Überspitzungen ist doch ein seriöses, ernst gemeintes Werk herausgekommen. Und wie ich an meinem Sohn erkennen durfte, hat es tatsächlich auch pädagogischen Wert. Es war an einem Sonntag in dieser Zeit, als wir Eltern uns auf der Heimfahrt vom Gottesdienst kurz über das Evangelium unterhielten, das wir gehört hatten: das Gleichnis vom Sämann. Prompt warf der Sohnemann von hinten ein, dass er die Geschichte schon gekannt hatte. Woher? Genau: aus dem „Manga Messias“.

Bei allem Lob gilt es jetzt allerdings doch noch etwas Wasser in den Wein zu gießen (ja, die Hochzeit von Kana kommt im Buch natürlich auch vor). Mein Experiment, den „Manga Messias“ nach dem lesehungrigen Grundschüler auch noch dem 15-jährigen großen Bruder angedeihen zu lassen, zeitigte keine vergleichbaren Erfolge. Der Teenager, vom väterlichen Leseauftrag vielleicht von vornherein unangenehm berührt, nahm die ersten ein, zwei Dutzend Seiten in Angriff und legte das Buch dann weg. Er fühle sich „persönlich nicht so angesprochen“ und finde, „dass der Comicstil und die Geschichte dahinter nicht so zusammenpassen“. Das lassen wir so stehen. Der Verlag selbst gibt übrigens als empfohlenes Alter an: „ab 9 Jahre“. Obergrenze: keine.

„Es steckt viel Humor drin“

Sarah Mayr (29) ist Buchhändlerin in der Buchhandlung Michaelsbund in München. Seit ihrem neunten Lebensjahr interessiert sie sich für Manga-Comics. Wir sprachen mit ihr über den Manga-Messias.

Buchhändlerin Sarah Mayr kann den im Herder-Verlag erschienenen Bibel-Comic von Hidenori Kumai (Autor) und Kozumi Shinozawa (Illustratorin) nicht nur jüngeren Leserinnen und Lesern empfehlen. Buchhändlerin Sarah Mayr kann den im Herder-Verlag erschienenen Bibel-Comic von Hidenori Kumai (Autor) und Kozumi Shinozawa (Illustratorin) nicht nur jüngeren Leserinnen und Lesern empfehlen. Foto: © Ertl

Was zeichnet einen guten Manga-Comic im Allgemeinen aus? Gibt's da Kriterien?

Das ist unterschiedlich. Es gibt verschiedene Genres. Wenn man mehr Action mag, dann sind natürlich Action-Manga großartig, in denen viel passiert, wo viel Dynamik drinsteckt. Bei Romance wird mehr auf die Geschichte Wert gelegt und darauf, dass die Charaktere schön aussehen, dass sie hübsch gezeichnet sind. Aber das ist alles sehr Geschmackssache.

Welche Voraussetzungen erfüllt der „Manga Messias“?

Er ist für einen japanischen Manga ungewöhnlich. Natürlich ist er im Manga-Stil gezeichnet, aber er ist komplett in Farbe gehalten, die sonstigen japanischen Manga sind alle eigentlich immer nur schwarz-weiß. Vielleicht ein Hinweis, dass er eher für den westlichen Markt gedacht ist. Zudem liest er sich auch in unserer Leserichtung von links nach rechts, im Japanischen ist es immer von rechts nach links.

Wie wird die Evangeliums-Geschichte aus Ihrer Sicht im Comic dargestellt?

Sehr gestrafft, die einzelnen Kapitel sind auf das Wesentliche reduziert, aber es wird nichts Wichtiges weggelassen Es steckt viel Humor drin, und es wird vor allem Jugendsprache verwendet, darauf muss man sich natürlich einlassen. Aber man versteht, worum es geht. Deswegen würde ich sagen, dass er für junge Leute wirklich sehr passend und gut gemacht ist.

Gibt es für Sie eine besonders gelungene Stelle oder Figur?

Ich finde Josef sehr sympathisch dargestellt, gerade am Anfang, als Maria gesagt wird, dass sie vom Heiligen Geist empfangen wird, dass sie schwanger werden wird und ein Kind gebären wird. Da sitzt er erst mal da und sagt: „Ja, was mache ich denn jetzt, wie gehe ich damit um?“ Und dann entscheidet er, es so hinzunehmen, wie es ist, und er vertraut Maria und auf Gott, und zieht das durch. Das fand ich sehr schön.

Wem von Ihrer Kundschaft würden Sie den Comic empfehlen?

Aufgeschlossenen Leuten. Wenn jemand zum Beispiel ein Geschenk sucht für Kinder oder Jugendliche, die Erstkommunion oder Firmung haben, und bei denen man das Gefühl hat, dass sie so gar keinen Bezug zur Thematik haben oder dass sie noch nie in eine Bibel hineingelesen haben, dem würde ich den „Manga Messias“ zeigen, vielleicht kriegen sie durch diesen einen Zugang. Vor allem heute, wo Kinder und Jugendliche immer weniger lesen und sich mit dem Lesen generell schwerer tun, da ist so ein Comic mit nur wenigen Sätzen auf jeder Seite wirklich toll. Ich würde ihn auch gern älteren Semestern empfehlen, aber ich denke, dass die Reaktionen hier eher verhalten ausfallen, schon allein wegen des Covers und des comichaften Aussehens der Figuren. Die meisten lassen sich darauf nicht ein, leider.

Interview: Florian Ertl

Zum Weiterlesen
Kumai, Hidenori Manga Messias
Herder, Freiburg, 2024
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Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.