Maria als Vorbild
Voller Glaubensstärke
Die Gottesmutter Maria bewahrte Worte zuerst in ihrem Herzen und dachte über sie nach. Sie wog sie ab und sprach sie dann zum richtigen Zeitpunkt aus – ein Vorbild für unsere überhitzte Zeit, findet Theresa Reischl.
Ein gewebtes Andachtsbildchen mit dem Motiv der Muttergottes. Foto: © imago/epd
„Das werde ich mir merken!“ – der Klassiker unter den Streitsätzen, der durchaus als passive Drohung, mindestens aber als Mahnung verstanden werden kann. Und zwar im Sinne von: Beizeiten werde ich das Gesagte oder Getane gegen dich verwenden, es wird Konsequenzen haben. Manchmal brauchen wir aber genau das: jemanden, der uns auf etwas mit Nachdruck hinweist.
„Das werde ich mir merken!“ – ein Vorsatz, den ich gerade nach interessanten Vorträgen oder Filmen immer wieder fasse: Diese Information möchte ich mir bewusst einprägen, damit ich sie parat habe, wenn das Thema darauf zu sprechen kommt. Ich muss ja wissen, wovon ich spreche.
Ein einfacher Satz – viele unterschiedliche Ebenen
Je nach Konnotation und Tonlage kann dieser einfache Satz ganz unterschiedliche Ebenen ansprechen: mal emotional, mal sachlich und alles dazwischen.
Manchmal be-merken wir etwas ganz beiläufig, im Vorbeigehen, im Hinschauen, im Hinhören. Wir nehmen etwas von außen wahr, es fällt uns einfach auf.
Momente, die wir tief in unserem Herzen bewahren
Ein anderes Mal merken wir körperlich, dass uns etwas bewegt: Freude, Wut, Trauer, Glück, Liebe – unser Körper reagiert intuitiv mit Tränen, Hitze, Kälte, Schaudern, Schmetterlingen im Bauch.
Und dann gibt es die ganz besonderen Momente, die wir nicht nur im Kopf abspeichern, sondern wie Maria tief in unserem Herzen bewahren. Eine Mischung aus allem, eine besondere Art von „sich merken“.
Etwas, das ein Teil von uns ist und bleibt
Es ist ein Vorgang im Kopf und im Herzen. Etwas, das ein Teil von uns ist und bleibt, allen Veränderungen zum Trotz. Es ist mehr als Speichern von Daten, es ist eine aktive Form der Auseinandersetzung. Ein Gedanke oder eine Situation wird so lange hin und her gewendet, bis sie für den Moment einen Sinn ergibt. Dafür braucht es Zeit und Ruhe.
Und es braucht einen liebevollen Blick darauf. Manches entwickelt erst seine Kraft, wenn wir es im Herzen bewegen und es noch gar nicht sofort teilen oder aussprechen.
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Aus der Stärke des Glaubens leben und handeln
Ich glaube, unsere überhitzte Zeit könnte das gut brauchen: Menschen, die es wie Maria halten. Worte, zumindest zuerst, im Herzen bewahren, darüber nachdenken, sie abwägen und dann zum richtigen Zeitpunkt aussprechen. Maria bewahrte ja nicht nur die Worte im Herzen und schweigt dann. Das wäre zu kurz gegriffen.
Bei der Hochzeit zu Kana spricht sie konkret aus, was sie denkt, und führt ihren Sohn, der erst einmal sehr widerborstig reagiert, zu seinem ersten Wunder. „Was er euch sagt, das tut!“
Maria verkündet hier frohe Botschaft. Sie ist viel mehr als die Frau, die schweigend Worte im Herzen bewahrt. Sie lebt und handelt aus der Stärke ihres Glaubens, beseelt von der Geistkraft, die ihr bei der Verkündigung geschenkt wird. Wie auch beim Magnifikat, diesem großen revolutionären Lobgesang, der nicht mehr und nicht weniger als eine Veränderung der Verhältnisse ankündigt. Das werde ich mir merken!
Theresa Reischl, Dekanatsreferentin im Dekanat Freising



