Künstliche Intelligenz
Übernehmen bald Maschinen das Denken?
Der Philosoph Godehard Brüntrup glaubt: Der Wettlauf um die Entwicklung künstlicher Intelligenz führt zum Kontrollverlust des Menschen.
„Man denkt nicht mehr selber, man lässt denken“, fürchtet Godehard Brüntrup für die Zukunft. Foto: © imago/Pond5 Images
Der Philosoph und Jesuit Godehard Brüntrup warnt vor einem ungezügelten Wettlauf um die Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI), der tiefgreifende ethische Fragen aufwerfe. Getrieben würden die mächtigsten Staaten und reichsten Unternehmen der Welt von der Überzeugung, wer nicht vorne dran bleibe, werde in Zukunft wirtschaftlich und militärisch keine Rolle mehr spielen.
„Die Entwicklung der nächsten Generationen von KI wird mehr und mehr
von den Maschinen selbst übernommen. Der Mensch wird immer weniger
verstehen, was da eigentlich im Detail geschieht“, sagte Godehard
Brüntrup SJ im Vorfeld der Konferenz „Geist, Welt und KI“, die im März
an der Hochschule für Philosophie in München stattfand. „Wie in Goethes
Zauberlehrling werden wir die Geister nicht mehr los, die wir riefen.“
Wohin das führe, wisse keiner. „Da werden auch ein paar
Ethik-Kommissionen leider nur wenig helfen.“
In diesem Zusammenhang hinterfragt Brüntrup den aktuell diskutierten
Begriff einer „verantwortlichen KI“. Die KI habe kein Selbst, das etwas
verantworten könnte, erklärt der Jesuit. „Nur eine Person kann etwas
ethisch verantworten. Eine Person kann aber nur das moralisch
verantworten, worüber sie Kontrolle hat.“
[inne]halten - das Magazin 03/2026
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Professor Godehard Brüntrup SJ beschäftigt sich seit den 80er Jahren
mit KI. Durch den Einsatz von Quantencomputern erwartet er in den
kommenden Jahren eine exponentielle Entwicklung. Der Ausgang dieser
Entwicklung sei ungewiss und nicht unbedingt zum Wohle der Menschheit.
„Das bedeutet dann auch, dass viele Menschen das ,Denken‘ den Maschinen
überlassen werden. Das Ideal der Aufklärung ,Habe Mut, dich deines
eigenen Verstandes zu bedienen!‘ wird verblassen. Man denkt nicht mehr
selber, man ,lässt denken‘, nämlich von den Maschinen.“ Viele Menschen
würden gar nicht merken, dass die Algorithmen ihr Denken bereits
kontrollierten.
Zur Frage, ob Maschinen ein Bewusstsein haben können, gibt Brüntrup
zu bedenken: „Solange Computer nichts erleben, sind sie philosophisch
gesehen von eher geringem Wert. Denn worauf es im Leben ankommt, ist die
Intensität und Vielfalt der erlebten Erfahrung. Jeder Hund und jede
Katze ist daher wertvoller als alle üblichen KI-Programme der Welt. Man
stelle sich eine Welt vor, die nur von hochintelligenten Maschinen
bevölkert würde, die kein Bewusstsein haben und nichts erleben. Eine
solche Welt wäre im Vergleich zu der unseren einfach nur metaphysisch
erbärmlich. Oder theologisch gewendet: Gott würde eine solche Welt nicht
erschaffen. Er interessiert sich letztlich nicht für solche Maschinen.“
(pm)



