Kultur und Wissen
26.05.2026

100. Geburtstag

Marilyn Monroe zum 100. Geburtstag 

Ihre Filme wie „Manche mögen’s heiß“ sind bis heute Klassiker. Jenseits der Leinwand wird Marilyn Monroe jedoch allzu oft auf ihr Image als Sexsymbol reduziert. Dabei war sie ihrer Zeit in vielen Hinsichten voraus.

Marilyn Monroe im Jahr 1955. Marilyn Monroe im Jahr 1955. Foto: © imago/Everett Collection

Sie war Jüdin, liebte Frauen und sammelte eine riesige Fanbase um sich, lange bevor es Social Media gab. Ihr früher Tod unter mysteriösen Umständen machte sie endgültig zur Ikone, doch der Mythos wurde schon zu ihren Lebzeiten gestrickt: Am 1. Juni jährt sich der Geburtstag von Marilyn Monroe zum 100. Mal. Noch über 60 Jahre nach ihrem Tod ist sie präsenter als viele andere Stars und Diven. 

Verwirrung über den Namen 

Geboren wurde sie in Los Angeles als Norma Jeane – und dann fängt die Verwirrung schon an: Ihre Mutter ließ den Nachnamen Mortensen in die Geburtsurkunde eintragen, da sie mit einem Mann dieses Namens noch verheiratet war; genannt wurde das Baby aber versehentlich Mortenson. In der Taufurkunde wiederum steht Norma Jeane Baker, eine Entscheidung ihrer Großmutter, um die Unehelichkeit des Kindes zu vertuschen. 

„Wir sprechen über mindestens zwei Personen“, sagt der Medienwissenschaftler Hektor Haarkötter. Sein Buch „Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex“ ist am 13. Mai erschienen. Der Filmstar Marilyn Monroe sei eine öffentliche Figur gewesen, ein artifizielles Produkt – und dann gebe es noch den Menschen dahinter, der erst allmählich realistischer betrachtet und in modernen Dramen wie „Blonde“ oder „The Crown“ auch dargestellt werde. 

Vom Waisenhaus auf die Leinwand 

Zeitweise lebte die junge Norma Jeane in einem Waisenhaus; später erklärte sie, ihre Tante Ana sei der einzige Mensch gewesen, der sie wissen ließ, was Liebe bedeutet. Zufällig von einem Armeefotografen entdeckt, arbeitete sie als Mannequin und wurde mit Werbung und vor allem Kalendern erfolgreich. „Die Filmstudios wollten sie zunächst nicht, da waren asketischere Typen wie Audrey Hepburn gefragt“, erklärt Haarkötter. „Allerdings hatte sie bald so viele Fans, dass man beim Film nicht mehr um sie herumkam.“ 

Ab 1946 nutzte sie den Künstlernamen Marilyn Monroe – nach einem Broadway-Star, deren Name ihr von ihrem Management aufgedrängt wurde, und dem Geburtsnamen ihrer Mutter. Der internationale Durchbruch folgte 1953 mit „Niagara“; schon im Vorjahr hatte sie im Filmmusical „Blondinen bevorzugt“ an der Seite von Jane Russell gespielt – und ihren wohl bis heute bekanntesten Song „Diamonds Are a Girl’s Best Friends“ präsentiert. Die Tanzszene dazu sollte Madonna 1984 in ihrem ersten Nummer-Eins-Hit „Material Girl“ reinszenieren.
 

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Vorbild als Unternehmerin 

Schon in diesen frühen Tagen ihrer Laufbahn bestand die Schauspielerin auf anspruchsvolleren Rollen, wollte nicht auf das unbedarfte Blondchen festgelegt werden. So kam es zu regelrechten „Kleinkriegen“ mit den Studios, wie Haarkötter sagt – bis sie 1954 in New York die Marilyn Monroe Productions gründete. Diese Form von Selbstermächtigung sei damals nicht vorgesehen gewesen – insofern tauge Monroe als moderne Geschäftsfrau auch heute noch als Vorbild für junge Frauen. 

In den 1960er Jahren entstanden Begriffe wie die „Beatlemania“, um schier überschäumende Begeisterung von Fans zu beschreiben. „Doch das Phänomen begann mit Marilyn“, betont der Autor. So kam der Betrieb des London Airport – heute Heathrow – 1956 zum Erliegen, da sie einen Medienauflauf auslöste, der sogar ihren dritten Ehemann Arthur Miller – als Schriftsteller selbst sehr berühmt – erstaunte. 

Am jüdischen Glauben festgehalten 

Oft heißt es, für Miller sei Monroe zum Judentum konvertiert. Haarkötter sieht das anders: „Der jüdische Glaube war ihr sehr wichtig. Auch nach der Scheidung hat sie daran festgehalten.“ Zudem habe sie viele jüdische Autoren gelesen; auch ihre Modemacher waren häufig Juden. 

Daneben prägten mehrere Suizidversuche Monroes Leben; heute wird vermutet, dass sie eine Borderline-Persönlichkeit gehabt haben könnte. Eine genaue Diagnose und passende Hilfe bekam sie zu Lebzeiten nicht; vermutlich trugen auch diese Behandlungsfehler zu ihrem Tod am 4. August 1962 bei. 

Wer den runden Geburtstag der Filmlegende ehren wolle, der möge ihre Filme anschauen, rät Haarkötter. Die Komik von Klassikern wie „Manche mögen’s heiß“ (1959) erschließe sich weiterhin oder sogar neu: „Durch die Diskussionen um Rollenbilder und Geschlechtsidentitäten haben sie eine neue Aktualität.“ Und vor allem, so der Experte: „Die Filme waren das, was ihr am wichtigsten war.“ 

Paula Konersmann

Zum Weiterlesen
Haarkötter, Hektor Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex
Ueberreuter, Carl Verlag, 2026
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KNA
Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
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